Disclaimer - wenn man so will

In meinem Sport-Blog schreibe ich über meine Sporterlebnisse teilweise ernsthaft, teilweise aber auch mit überspitztem Humor - den Unterschied sollte man erkennen, wenn man mich persönlich kennt ;) Generell gilt: Wer die Dinge, die ich hier schreibe, zu ernst nimmt, ist selbst schuld ;)

Team 2019

Team 2019

2019 fahre ich Lizenzrennen für RMV Concordia Strullendorf 1920 e.V. und ausgewählte Jedermannrennen

Dienstag, 17. Mai 2011

Und Kulmbach zum Dritten ...

Beim vierten Trainingskriterium in Kulmbach startete ich zum dritten Mal und wollte nach dem verpassten Rennen in Schrobenhausen gleich mehr als einfach nur mitrollen. In der Frühphase des Rennens gab es gleich einen Schockmoment, als ein Laster vor uns eierte und unverhofft, da ohne zu blinken (!), in einen Hof einbog, wodurch er einige Fahrer fast auf die Hörner nahm. Glücklicherweise sind Rennfahrer reaktionsschnell und geschickt im Umgang mit ihrem Rennrad, wodurch wir alle mit dem Schrecken davonkamen.

Bei der ersten Wertung konnte ich noch nicht recht mithalten. Ich versuchte mich zwar auf der Gegengeraden noch nach vorne zu orientieren, aber das Grundtempo wurde mir dann doch zu hoch, also schrieb ich den Sprint frühzeitig ab. 2,5 Runden vor der 2. Wertung sah ich dann ein orangenes Trikot. Es gab mehrere Fahrer aus Burgkunstadt, was ich auf dem Trikot im Fahren so erkennen konnte. Zu Rennbeginn fielen die mir zunächst auf, weil mich einer geschnitten hatte, diesmal aber stellte dieser Fahrer eine Chance für mich dar. Das Feld reagierte nämlich nicht, also tat ich dies: Antritt, Blick zurück, weiterhin keine Reaktion des Feldes - also weiter!

Ich kam schon bald an ihn heran, übernahm gleich die Führung, fühlte mich zwar nicht gerade ... äh ... "schnell", aber zog einfach mal durch. Führung abgegeben, Blick nach hinten - Rückspiegel leer. Also weiter. Wechsel ungefähr nach einer halben Runde, Glockenzeichen - Rückspiegel immer noch leer. Vor der zweiten Kurve übernahm ich dann erneut die Führung - eine 3/4-Runde vor der Wertungsabnahme. Da kann man noch richtig schön einbrechen. Aber ich zog das Tempo sogar noch etwas an. Kein Blick zurück mehr. Rein in Kurve 3, immer brav weiter in die Pedale treten, rein in die Zielkurve, raus aus dem Sattel, nochmal etwas anziehen - dann sagt mein Begleiter etwas, das ich nicht genau verstanden habe, aber das so klang, als ob unser Vorsprung reichen würde. Ich zog weiter, blickte kurz zurück, sah das Feld um die Kurve biegen, war aber der Meinung, dass der Vorsprung reichen würde - und das tat er auch!

Mein Fluchtbegleiter überließ mir auch die 5 Punkte, bedankte sich dann sogar dafür, dass ich ihn "mitgeschleppt" habe. Das war auch eine Premiere. Sonst bin ich derjenige, der sich fürs Mitschleppen bedanken muss. Bin ich wirklich so schnell gefahren? War ich wirklich eine Lokomotive? Eher nicht. Das Tempo war okay, aber hätte das Feld gewollt, hätten die uns locker abfangen können, denke ich. Also offensichtlich wollte im Feld einfach niemand Tempo fahren und am Ende hat man sich eben verkalkuliert. Aber solche "Rechenfehler" des Feldes kann man auch nur erzwingen, indem man immer wieder angreift. Das klappt nicht jedesmal. Die 1. und 3. Wertung wurden im Sprint entschieden, was ich mitbekam, nur bei der 4. Wertung waren gleich drei Fahrer 20 Meter vor dem Feld - aber alle anderen Angriffe wurden heute sofort verteitelt. Dass die Flucht von meinem Burgkunstädter Begleiter und mir also von Erfolg gekrönt war, hatte auch mit Glück zu tun - aber Glück bei Radrennen kann man eben durch offensive Fahrweise auch erzwingen.

Wieso klingt mein Bericht nach der 4. Wertung eigentlich schon so final? Weil in der 19. Runde leider ein Fahrer stürzte. Wie genau das passierte, sah ich nicht, obwohl ich im Feld ungefähr an Position 4 oder 5 fuhr. Vorne waren wohl 2 Fahrer, einer davon der Gestürzte. Ich hörte nur das Geräusch eines Rennrads, das auf den Asphalt krachte, und dann rief schon jemand das Sch-Wort. Der Fahrer fing gleich im Gesicht zu bluten an und wirkte bewusstlos. Es wurde gleich "Stopp!" geschrien und bei dem Anblick wusste jeder, dass man hier nicht einfach normal weiterfahren konnte. Der Sturz passierte auf der Gegengeraden, weshalb einige von uns dann dennoch weiter zum Start gefahren sind, um dem Chef Bescheid zu geben und einen Krankenwagen rufen zu können.

Das Trainingsrennen wurde dann abgebrochen. Ob das dann mit den 4 Wertungen gewertet wird, ob ich diesmal als Nummer 14 notiert wurde oder ob einfach nur jeder Anwesende die 3 Anwesenheitspunkte gibt, weiß ich nicht - danach habe ich nicht gefragt. Das sehe ich aber nächste Woche vermutlich. Ich bekam für das letzte Mal übrigens 5 statt 3 Punkte für die Serienwertung, weil ich auf Platz 11 gewertet wurde. Es gab nur 10 Punkteträger. Also habe ich für meine 3 nicht notierten Punkte doch noch eine kleine Gegenleistung bekommen. Das muss man wohl als Glück bezeichnen. Auch dass ich heute weder vom Laster umgefahren wurde und nicht so schlimm gestürzt bin, war an diesem Tag wohl als Glück zu bezeichnen. Nach meiner Serie von Pleiten, Pech und Pannen scheint sich das Blatt also langsam zu wenden. Hoffentlich bleibt mir das Glück noch etwas länger treu - denn Glück kann man bei dieser Sportart immer gut gebrauchen.

Mit 41,1 km/h war der Schnitt etwas niedriger als letzte Woche, aber da der Schnitt in der letzten Woche eigentlich erst ab Mitte des Rennens nach oben ging, muss man das Renntempo heute generell als ähnlich wie letzte Woche einstufen. Die Ramazzottis waren übrigens nicht am Start, aber ob das Renntempo dann anders gewesen wäre, ist ja reine Spekulation. Zumal das Renntempo im Endeffekt doch auch ein bisschen vom Willen der Lizenzfahrer abhängig ist. Ich denke, dass die teilweise nur mit 50 bis 60 % fahren. Wenn sie wollten, könnten sie wesentlich schneller fahren und dann Hobbyfahrer wie mich locker abschütteln, aber auch das ist eben eine tolle Sache an diesen Trainingskriterien: Es wird mir angezogener Handbremse gefahren und man hat mehr Spielraum, um auch mal das Angreifen zu trainieren. Da ich bei den meisten Hobbykriterien nur darum bemüht bin, einfach nur dranzubleiben, kann ich das Angreifen dort nur schlecht üben.

Der gestürzte Fahrer war übrigens wieder ansprechbar und konnte sogar schon wieder lächeln, auch wenn neben ihm eine ziemliche Blutlache auf der Straße war. Die Polizei kam noch und war sauer, dass die Fahrer, die den Sturz gesehen haben müsste (für mich war er verdeckt), wohl schon weggefahren waren. Ich hoffe, dass dem Fahrer nicht zu viel passiert ist und er bald wieder auf die Beine kommt. Außerdem hoffe ich, dass dieser Vorfall nicht die weitere Durchführung dieser Trainingskriterien aufs Spiel setzt, weil das generell eine tolle Sache ist und kritische Situationen bisher eigentlich nicht stattgefunden hatten. Der gestürzte Fahrer war heute auch zum ersten Mal dabei und ist scheinbar auch ohne Verein, weshalb man annehmen muss, dass es vielleicht ein Fahrfehler aus mangelnder Rennerfahrung war, aber warum auch immer er gestürzt ist - so ein Anblick ist leider genau das, was man speziell als Hobbyfahrer nicht sehen will. Drum sei abermals ans "Hobby-Credo" erinnert: "Hauptsache sturzfrei!"

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