Disclaimer - wenn man so will

In meinem Sport-Blog schreibe ich über meine Sporterlebnisse teilweise ernsthaft, teilweise aber auch mit überspitztem Humor - den Unterschied sollte man erkennen, wenn man mich persönlich kennt ;) Generell gilt: Wer die Dinge, die ich hier schreibe, zu ernst nimmt, ist selbst schuld ;)

Team 2019

Team 2019

2019 fahre ich Lizenzrennen für RMV Concordia Strullendorf 1920 e.V. und ausgewählte Jedermannrennen

Sonntag, 19. Juni 2011

Das schönste Hobbyrennen der Saison

Da Schleiz Jedermann war und auch der Napoleoncup als Jedermann ausgeschrieben wird, kann ich das Straßenrennen im Rahmen der Deutschen Nachwuchs-Straßenmeisterschaften in Meiningen ohne wenn und aber als das schönste Hobbyrennen der Saison bezeichnen. Ich würde mich gleich nächste Woche wieder auf den weiten Weg nach Meiningen machen, wenn man dieses Rennen nochmal durchführen würde. Aber es bleibt sicherlich ein einmaliges Ereignis, ein Juwel für Hobbyfahrer. Da Meiningen auch recht zentral in Deutschland liegt, hatten sicherlich viele Hobbyfahrer die Möglichkeit, dieses Highlight mitzuerleben - selbst schuld, wenn man es verpasst hat, weil einem 36 km vielleicht als zu kurz erscheinen. Allerdings sollte man bei so etwas nicht vergessen, dass gefühlte 90% aller Hobbyrennen unter 30 km sind - also mit 36 km war Meiningen nicht nur das schönste, sondern auch eines der längsten Hobbyrennen des Jahres!

Ich komme vor lauter Faszination immer noch kaum runter. Warmfahren ging mal gar nicht - Meiningen ist die Stadt der vielen dauerroten Ampeln. Auf die Strecke hatte ich mich nicht gewagt, weil ich dann den schweren Anstieg rauf nach Dreißigacker schon hätte fahren müssen. Aber zwei Mal im Rennen genügte mir. Da das Warmfahren bei einem Straßenrennen aber eh nicht so wichtig ist, habe ich einfach 5 km meine Beine etwas gelockert. Vom Start weg fuhr ich dann mit hoher Kadenz nach vorne - Warmfahren zu Rennbeginn, das hat auch bei Tour de Hesselberg schon mal gut geklappt. Ich fuhr mich also nachträglich etwas warm, damit ich im Anstieg nicht gleich 'nen Knoten in die Beine bekommen und den Anschluss verliere. Ich ging dann auch sogar als Führender in den Anstieg und dachte mir, dass ich dem Feld zunächst meine niedrige Pace aufzwingen könne. 39/25 - meine kleinste Übersetzung. Schöner runder Tritt, alles schien okay. Es wurde steiler. Ich rechnete jede Sekunde damit, dass die guten Fahrer jetzt langsam etwas Tempo machen würden, um eine erste Selektion des überschaubaren Feldes mit 18 Fahrern zu erzwingen, denn meine Pace würde kaum für eine solche Selektion sorgen. Und 18 Fahrer - ja, quantitativ nicht so gut, aber qualitativ war das guter Hobby-Durchschnitt. Und im Endeffekt auch nur 10 Fahrer weniger als z.B. in Wartenberg am Montag.

Der Anstieg zog sich weiter und weiter und weiter ... aber niemand fuhr vorbei?!? Es war auch wirklich ruhig - ZU ruhig! Ich drehte mich mal um - 50 Meter Vorsprung aufs Feld. Bitte?!? Da Windschatten an der Stelle sowieso nicht wirklich existent war, fuhr ich locker meine Pace mit 39/25 weiter und bog dann nach Dreißigacker ab. Beim Abbiegen konnte ich recht bequem den Abstand zum Feld messen - viel hatte sich nicht geändert. In der Ortschaft ging es weiter leicht ansteigend, aber es war bedeutend flacher. Ich legte also minimal dickere Gänge auf, aber blieb meinem fortgesetzten Warmup-Programm mit hoher Kadenz treu. Als Solo-Führender vorne zu fahren und die zwei Führungsmotorräder der Polizei vor sich zu haben, die für das Hauptfeld und wohl dann später die erste Verfolgergruppe gedacht waren, war einfach geil. So was hat man bei Kriterien nicht. In einer Kurve saßen dann auch mehrere Zuschauer, die mir zujubelten - das hatte schon was vom Tour-de-France-Feeling, das man bei Kriterien einfach nicht erleben kann.

Mittlerweile ging aber ein Schauer auf uns nieder - Mist! Alles nass. Und es folgte ja dann die für mich unbekannte Abfahrt, die durch den Wald links und rechts zudem nicht einzusehen war. Auf der super nassen Fahrbahn wollte ich vor den Kurven dann nichts riskieren und wurde dann bald vom Feld eingeholt. Der erste Fahrer kannte die Abfahrt offensichtlich, also orientierte ich mich gleich an ihm. Solo-Fahrt vorbei, Anstieg vorbei - jetzt erstmal durchzählen. 12 Fahrer waren wir nur noch. Bitte? Ich bin mit lockerem Pace und 'nem billigen 21er-Schnitt oben in Dreißigacker angekommen. Und da hatten wir schon 6 Fahrer verloren?!? Jedenfalls wurde dann in der leicht abfallenden Anfahrt Richtung Meiningen so dermaßen gebummelt, dass ich einfach mal das Feld antesten wollte. Kein Zucken, auch kein weiterer Fahrer, der vielleicht mit etwas Vorsprung in den Anstieg in der 2. Runde fahren wollte. Also nahm ich wieder raus, fuhr locker weiter - aber das gleiche Spielchen wie zu Beginn der 1. Runde: Das Feld hielt einen Abstand von um die 50 Meter auf mich. Voll komisch, denn ich fuhr nur noch locker etwas G2. :)

Als es dann zu Start/Ziel ging, waren wir wieder im Flachen. Allerdings wollte ich mich nicht gleich zurückfallen lassen, sondern noch als Führender durch Start/Ziel fahren - den Spaß wollte ich mir als Spaßfahrer einfach gönnen. Danach nahm ich komplett raus, wurde aber weiterhin nicht sofort eingeholt. Man konnte fast meinen, dass das Feld mit aller Gewalt die 50 Meter auf mich halten wollte. Ich hätte vielleicht mal anhalten sollen, um diese Theorie zu testen ;)

Danach kam es dann wie zu erwarten: Im steilen Abschnitt der Steigung rauf nach Dreißigacker wurde einige Bergsprints gefahren, die ich natürlich nicht mitgehen konnte. 39/25 wurde mir dann teilweise zu dick - und ich sag ja immer, ich bräuchte doch etwas mit 27 hinten drauf. Naja, man kann nicht alles haben. Dennoch blieb der Rückstand bei vielleicht 100 Metern und ich fand noch zwei Mitstreiter, wobei einer eigentlich nicht ganz die Pace mitgehen konnte und der andere nicht mitgehen wollte, da er zumindest anfangs die Führung ausließ - weil er zwei Kollegen vorne hatte, nehme ich an. Gesprochen wurde aber nicht und er hat dann in der Folge doch mitgeführt. Wir kamen dann schon bald immer näher an die 7-köpfige Spitzengruppe ran, denn dort war man sich offensichtlich uneinig - bis wir kurz vorm Zusammenschluss waren. Ich sah noch, wie sich vorne einer umdrehte und dann etwas zu den anderen Fahrern sagte. Und plötzlich wurde vorne eine Perlenkette aufgemacht ...

Die letzten 20, 30 Meter wurden dadurch zur Qual. Ich konnte jetzt keine Rücksicht mehr auf die beiden Mitstreiter nehmen. Entweder würden die meiner Pace an meinem Hinterrad folgen oder eben nicht. Mit der Brechstange fuhr ich das Loch zu - doch leider erst kurz vor der letzten Welle. Daher konnte ich nicht durchschnaufen, sondern musste der nun folgenden Tempoverschärfung Tribut zollen. Wieder so ein kleiner Bergsprint, aber meine Beine waren nach der langen Aufholjagd nicht mehr explosionsfähig - da war die Lunte schon längst vorher abgebrannt, als ich beim Kampf 7-gegen-Andy mit der Brechstange das Loch schloss.

Danach hatte ich meistens so 100 bis teilweise nur noch 50 Meter Rückstand auf die Gruppe, weil dort erneut teilweise rausgenommen wurde, aber alles in allem fuhr man vorne dennoch zu schnell. Hinter mit verfolgte mich ein Werra-Fahrer - einer meiner beiden Mitstreiter - mit ungefähr 20 bis 30 Metern Rückstand. Der Abstand blieb auch relativ konstant. Am Ende konnte ich diesen Vorsprung bei einem Schnitt von 35,4 km/h ins Ziel retten, aber Platz 7 verpasste ich um ungefähr 50 bis 70 Meter, was ich im Video gesehen habe. War mir während der Zieleinfahrt gar nicht so bewusst. Hatte wohl 'ne halbe Minute Rückstand aufs Feld, schätze ich. Oder 'n bisschen mehr. Aber Platz 8 bei so einem schweren Anstieg im Profil war immer noch gut - und 10 Euro Preisgeld gab's obendrein ;)

Einfach nur geil. Daher auch mal wieder so ein ausführlicher Rennbericht - weil es eben viel zu sagen gab. Bei den Kriterien ist es ja mittlerweile "Business as usal" - was soll man da noch großartig berichten? "Wir fuhren die 1. Runde als Perlenkette ... wir fuhren die 2. Runde als Perlenkette ... wir fuhren die 3. Runde als Perlenkette ..." - nein, Meiningen 2011 war ein besonderes Erlebnis und machte sauviel Spaß! Der Spaßfaktor wurde nur etwas dadurch getrübt, dass die Werraclassics dieses Jahr abgesagt wurden. Das heißt leider, dass nur mein letztes Saisonrennen - der Napoleoncup - noch ein "richtiges" Rennen sein wird. Alle weiteren Saisonrennen sind Karusselfahrten. Und ob ich nach der Absage von Hildburghausen dann doch in Aichach fahren werde, ist noch mehr als fraglich. 20 Runden Karussel und dafür über eineinhalb Stunden Anfahrt - das scheint mir nicht so spaßig. Und an Spaß hat es mir diese Saison durch Schleiz und Meiningen trotz der zahlreichen Negativerlebnisse jetzt bereits nicht gemangelt.

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