Disclaimer - wenn man so will

In meinem Sport-Blog schreibe ich über meine Sporterlebnisse teilweise ernsthaft, teilweise aber auch mit überspitztem Humor - den Unterschied sollte man erkennen, wenn man mich persönlich kennt ;) Generell gilt: Wer die Dinge, die ich hier schreibe, zu ernst nimmt, ist selbst schuld ;)

Team 2019

Team 2019

2019 fahre ich Lizenzrennen für RMV Concordia Strullendorf 1920 e.V. und ausgewählte Jedermannrennen

Freitag, 25. Mai 2012

Prognose Kulmbach und Sicherheit

Für mein letztes fest geplantes Saisonrennen kann ich nach meinen bisherigen Leistungen nicht viel erwarten. Es wäre aber sicherlich nett, wenn ich wenigstens bei einem einzigen Saisonrennen einen 40er-Schnitt erzielen könnte. Eine komplette Saison ohne 40er-Schnitt wäre schon etwas doof. Letztes Jahr kam ich mit 39,5 km/h ins Ziel - war aber zu dem Zeitpunkt eigentlich auch richtig gut in Form.

Viele Starter werden wir leider abermals nicht sein. Und das erzürnt mich ehrlich gesagt etwas, zumal derzeit Diskussionen um "Rennsicherheit" im Hobby- und Jedermannbereich geführt werden. Auslöser ist ein tragischer Unfall bei einem Radmarathon gewesen, wie die meisten Leute sicherlich schon mitbekommen haben dürften. Regelmäßige Leser meines Blogs dürften wissen, dass ich in der Vergangenheit schon darauf hingewiesen habe, dass Marathons und RTFs KEINE (!) Rennen sind!!! Dass jetzt über die Sicherheit bei solchen Veranstaltungen gesprochen wird, die im normalen Straßenverkehr stattfinden, und diese Diskussion mit der Sicherheit bei Hobby- und Jedermannrennen in einen Topf geworfen wird, ist leider alles andere als gut. Manche wollen hier schlicht und ergreifend nicht wahrhaben, dass sie bei Marathons und RTFs mit übertriebenem Ehrgeiz an die Sache gehen, weil sie diese Veranstaltungen mit Rennen verwechseln. Sie wähnen sich auf einer Rennstrecke, befinden sich aber im völlig normalen Straßenverkehr. So war es bei Marathons und RTFs schon immer, so wird es auch bleiben. Das ist im Endeffekt auch einer der Hauptgründe gewesen, warum ich 2005 als Einsteiger nicht mit RTFs angefangen habe, sondern gleich mit Hobbyrennen.

Seinerzeit hatte ich mich vor der Teilnahme an den zahlreichen Breitensportveranstaltungen erst mal informiert, wie denn der "Rennmodus" aussehen würde. "RTF" - was ist das? Als ich mich eingelesen hatte, stand für mich schnell fest: Okay, RTFs sind KEINE Rennen. Es sind Gruppenfahrten im völlig normalen Straßenverkehr. Als Wettkampfsportler hatte ich an so etwas von vornherein kein Interesse und suchte stattdessen unter "Leistungssport" nach Hobbyrennen, wo ich schließlich auch fündig wurde. Seither vermute ich, dass viele Breitensportler RTFs als Rennen für Breitensportler missverstehen, weil sie eben nur im Breitensportkalender des BDR nachsehen. Ein höchst gefährliches Missverständnis, denn sobald man in den "Rennmodus" schaltet, weichen Sicherheitsbedenken und die Risikobereitschaft steigt - und das alles im normalen Straßenverkehr!!!

Im Laufe der Zeit stellte ich dann fest, dass RTFs oftmals gepaart mit diesen "Radmarathons" durchgeführt werden. Während RTFs wirklich nur Gruppenfahrten sind, sind Marathons aber Wettkämpfe mit Zeitnahme. Aber auch hier gilt das gleiche wie für RTFs: Man fährt im völlig normalen Straßenverkehr. Ich finde das höchst bedenklich, denn sobald man als Sportler in einen Wettkampf gestartet ist, wird für einen persönlich die Fahrbahn zur Rennstrecke. Das lässt sich nicht vermeiden. Da kann man keinen Teilnehmer während des Marathons dafür verantwortlich machen. Ist man einmal gestartet, gibt es kein Zurück mehr. Man begibt sich einfach in diesen Tunnel, aus dem man erst bei Zielankunft wieder rausfährt. Und wie gesagt: Das findet alles im völlig normalen Straßenverkehr statt! Aus meiner Sicht muss man sich hier als Sportler also schon VOR der Teilnahme an einem Marathon fragen: Brauche ich diesen Nervenkitzel, gehe ich dieses Risiko ein? Ich persönlich kann diese Frage klar mit einem "NEIN!" beantworten. Allerdings muss ich mir auch selbst etwas an die Nase greifen ...

Ja, denn Tatsache ist: Letztes Jahr fuhr ich nicht mehr nur offizielle Rennen, bei denen man eine schöne abgesperrte Rennstrecke hat, sondern auch inoffizielle Rennen. Und speziell in Pleisdorf endete ich zwei Mal fast als Kühlerfigur. Zwei Warnschüsse vor den Bug - und trotzdem wäre ich dieses Jahr wieder am Start gewesen, wenn es keine Überschneidung mit einem offiziellen Rennen gegeben hätte. Wie dumm und uneinsichtig von mir! Der tragische Unfall beim Amade-Radmarathon hat mir aber die Augen geöffnet. Ich werde in Pleisdorf definitiv nicht mehr fahren! Es ist einfach viel zu risikoreich.

Ein weiteres inoffizielles Rennen ist Pförring. Dort hat der Veranstalter aber eine schöne übersichtliche und verkehrsarme Strecke ausgewählt. Ich fühlte mich dort eigentlich immer sicher. Doch auch hier gilt: Man fährt im völlig normalen Straßenverkehr!!! Und das kann IMMER gefährlich werden, weil IMMER Gegenverkehr kommen kann. Einmal, als Gegenverkehr kam, regte sich ein Fahrer dabei aber zu meiner Verwunderung über den Autofahrer auf. Hatte sich der Fahrer vorher nicht informiert, an was für einer Veranstaltung er teilnimmt? Der Veranstalter hatte nämlich klar darauf hingewiesen, dass es keine Vollsperrung gibt.

Das bringt mich zu einer weiteren Problematik: Information ist alles! Das sage ich mir immer wieder, scheint aber für viele andere Sportler leider nicht zu gelten. Da sagt irgendeiner "Da ist ein Rennen" und schon denkt sich der nächste "Cool, da mache ich mit" - alles ohne sich mal darüber zu informieren, was für eine Veranstaltung das genau ist und wie es mit den Sicherheitsvorkehrungen aussieht. Wenn man aber weiß, dass die Veranstaltung auf Strecken stattfindet, die normalerweise ganz normale Straßen im ganz normalen Straßenverkehr sind, wieso informiert man sich dann nicht selbst vorher, was die Sicherheit anbelangt?!? Da spielt man doch mit seinem eigenen Leben!

Man sollte sich einfach stets bewusst sein, auf welches Risiko man sich bei einer Veranstaltung einlässt. Und dann muss man sich schon VORHER entscheiden, ob man dieses Risiko eingehen will oder nicht. Sobald man mal gestartet ist, wird man nicht umkehren. Als Sportler ist man eben so gestrickt. Für mich ist die Teilnahme an RTFs und Marathons also aufgrund des hohen Unfallrisikos generell kein Thema. Stattdessen fahre ich Rennen auf abgesperrten Strecken und genieße es einfach, dass da kein Straßenverkehr ist - und vor allem kein Gegenverkehr. Es ist ein einzigartiges Gefühl von Freiheit. Im Gegensatz dazu ist es im normalen Straßenverkehr so, dass ich bei kurvigen Abfahrten stets mit einem sehr beklemmten Gefühl unterwegs bin. Vor jeder Kurve bremse ich, um die Kurve so weit rechts wie möglich fahren zu können. Ich will nicht zur Straßenmitte abdriften oder zu sehr in Kurvenlage gehen müssen. Was wäre, wenn ich wegrutschen würde? Ich würde ja dann auf die Gegenfahrbahn schlittern. Ein schönes Fahrgefühl ist das einfach nicht, weshalb ich das freie Fahrgefühl bei jedem RENNEN unendlich genieße.

In dem Zusammenhang komme ich abschließend wieder zum Anfang zurück: Zu Kulmbach. Ein Rennen mit komplett abgesperrter Rennstrecke - aber die Teilnehmer können sich wohl alle per Handschlag begrüßen. Bei Radmarathons stehen teilweise Tausende an Fahrern am Start und begeben sich in den normalen Straßenverkehr. Wieso? Und wieso entsteht dann eine Sicherheitsdiskussion, bei der Marathons und Rennen in einen Topf geworfen werden? Das sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe und Rennen haben KEIN Problem mit der Sicherheit! Für mich persönlich seit meinem Einstieg 2005 ein ganz wichtiges Argument, weshalb ich Rennen statt Marathons/RTFs fahre. Und nachdem ich letztes Jahr etwas von diesem Weg abgekommen bin und bei inoffiziellen Rennen im normalen Straßenverkehr teilnahm, werde ich jetzt umso mehr nur noch an offiziellen Rennen teilnehmen. Mit Ausnahme der Dienstagabendkriterien in Kulmbach, wo die ehrenamtlichen Helfer als Streckenposten dafür sorgen, dass es zumindest keinen Gegenverkehr gibt. Allerdings muss ich zugeben, dass ich mir nach der Tragödie vom letzten Sonntag durchaus auch den ein oder anderen Gedanken mache, wie hoch das Unfallrisiko auch bei diesen Dienstagabendkriterien ist.

Sicherheit ist beim Radsport jedenfalls ein ganz wichtiges Thema. Ich möchte hier niemandem sagen, er soll mit Marathons aufhören und stattdessen mit Rennen anfangen. Aber ich möchte klar sagen: Bezeichnet Marathons bitte nicht als Rennen!!! Macht euch vor allem selbst klar, dass Marathons und RTFs keine Rennen sind und überlegt euch daher vor einer Teilnahme, auf was für ein Risiko ihr euch einlasst. Ist euch das Risiko zu hoch, dann verzichtet doch einfach auf die Teilnahme. Und wenn ihr stattdessen mal auf abgesperrten Strecken fahren wollt, dann seht euch nach offiziellen Rennen um. Aber auch hier solltet ihr euch stets informieren! Lest euch die Ausschreibung gut durch. Steht dort z.B., dass die Strecke nur "abgesichert" ist, dann heißt das, dass KEINE Vollsperrung vorliegt und im schlimmsten Fall sogar mit Gegenverkehr zu rechnen ist. Es gibt auch Unterschiede von Landesverband zu Landesverband, aber in Bayern zumindest kann man mittlerweile bei den meisten offiziellen Rennen davon ausgehen, dass eine Vollsperrung der Strecke vorliegt. Bei den Rennen in Cadolzburg, Karbach und Schrobenhausen habe ich es zumindest genau so erlebt. Selbst in Schleiz fiel mir dieses Jahr kein Gegenverkehr auf, nachdem dort im Vorjahr noch regelmäßig entgegenkommende Autos für Sorgenfalten sorgten. Aufgrund der offenbar gestiegenen Sicherheitsvorkehrungen ist somit auch Schleiz nächstes Jahr wieder fest in meinem Rennkalender. Wäre es wieder mit so viel Gegenverkehr wie 2011 abgelaufen, hätte ich mir infolge des tragischen Unfalls beim Amade-Radmarathon wohl ernsthafte Gedanken gemacht, ob ich nächstes Jahr nochmal in Schleiz gefahren wäre.

Abschließend wandern meine Gedanken noch zu Tour de Hesselberg. Als ich 2009 zuletzt teilnahm, gab es dort auch noch regelmäßig Gegenverkehr. Ich werde mich mal informieren, wie das letztes Jahr war. Die Sicherheit ist für mich jetzt einfach wichtiger denn je.

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