Disclaimer - wenn man so will

In meinem Sport-Blog schreibe ich über meine Sporterlebnisse teilweise ernsthaft, teilweise aber auch mit überspitztem Humor - den Unterschied sollte man erkennen, wenn man mich persönlich kennt ;) Generell gilt: Wer die Dinge, die ich hier schreibe, zu ernst nimmt, ist selbst schuld ;)

Team 2019

Team 2019

2019 fahre ich Lizenzrennen für RMV Concordia Strullendorf 1920 e.V. und ausgewählte Jedermannrennen

Sonntag, 13. Mai 2012

Bericht Schleiz + Video Sonneberg

Momentan geht es mir alles andere als gut. Nicht vielleicht, weil ich ein schlechtes Rennen gehabt hätte oder vielleicht sogar in der Abfahrt runter nach Raila, vor der ich echt Bammel hatte, einen Sturz gehabt hätte. Bei der Siegerehrung spürte ich plötzlich Schmerzen am linken Meniskus - die Verletzung, die mich 2009 ein Vierteljahr außer Gefecht gesetzt hatte!!! :(

Doch von vorne: Früh bei der Startnummernausgabe meldete ich mich für "Radsportteam Reichenbach 1" noch als Fahrer für die Teamwertung. Der/Ein "Chef" hat sich das notiert und ich habe mir auch genau angesehen, was er sich notiert hat: "Radsportteam Reichenbach 1". So weit sollte alles klar sein. Bei sommerlichen 5 Grad war das Warmfahren vor allem ein "nicht kalt werden" und eine ganze Schar Mountainbiker stand schon wild mit den Hufen scharend in der Startaufstellung, als 10 tapfere Reichenbacher ihren Platz in eben jener Startaufstellung einnehmen wollten. Doch das sei angemerkt: Zumindest auch auf der 74-km-Strecke habe ich im Vorbeisehen doch allen Ernstes einen Mountainbiker gesehen!!! Das ist so, wie wenn man mit einem Go-Kart an einem Formel-1-Rennen teilnehmen würde. Wenn ein Rennen als Straßenrennen ausgeschrieben ist, wieso findet man dann so viel Fahrer mit "fetten Reifen" am Start? Das ist ja eine Sache, die ich damals, als ich angefangen habe, noch des Öfteren erlebte. Aber eigentlich schien es sich weitestgehend herumgesprochen zu haben, dass auch Hobby- und Jedermannrennen, die Straßenrennen sind, eigentlich nur mit einem Rennrad gefahren werden sollten. In Schleiz aber erlebte ich letztes Jahr schon dieses sonderbare Bild von mehr Mountainbikern als bei einem Mountainbike-Rennen. Und wenn man jetzt denkt, dass sich diese Fahrer 2011 nach dem Rennen dachten "Naja, mit MTB macht das irgendwie doch keinen Sinn", dann war dem offensichtlich nicht so. Was macht die Faszination aus, mit dem "falschen Arbeitsmittel" an den Start eines Straßenrennens zu gehen? Vielleicht wäre es aber bei diesem Zuspruch wirklich eine Idee für den Veranstalter, nächstes Jahr tatsächlich ein "Fette Reifen"-Rennen für Erwachsene anzubieten? So ein Rennen würde diesen Fahrern doch sicherlich mehr Spaß machen. Oder etwa nicht? Hmm ...

Der Start jedenfalls kam relativ ansatzlos, wie man es in Thüringen des Öfteren gewohnt ist. Der Sprecher fing einfach plötzlich an zu zählen: "10 ... 9 ..." - gut, auch 'ne Möglichkeit. Und zumindest besser, als wenn man einem Sprecher noch 5 Minuten lang zuhören muss, wie er sich selbst reden hören will. Nach dem Start nutzte ich dann die Breite des Schleizer Dreiecks, um mich aus dem hinteren Teil der Startaufstellung mit fast 100 Fahrern geschickt nach vorne zu arbeiten. Kurz vor der ersten Rechtskurve, die in die erste Abfahrt führte, bin ich dann schon so weit vorne gewesen, dass ich durch bloßes Wählen der Außenbahn in der Kurve an erste Position gespült wurde. Also ein optimaler Start. In der Gegensteigung fuhr ich dann gleich mit einem lockeren Gang, weil ich am Anfang natürlich bloß nicht overpacen wollte. Das habe ich ja noch nie gut vertragen. Andere Fahrer können gleich wie eine Rakete losschießen, ich aber schieß mich höchstens frühzeitig ab. Eines meiner Hauptprobleme in meiner 2008er Lizenz-Saison.

Heute ging es zunächst ruhiger zu. Okay, irgendein Fahrer im Bergtrikot der Tour de France schoss gleich ganz wild vorbei, aber der Rest von uns Reichenbachern tat das, was uns Teamchef Lukas auf den Weg gab: Erst mal nicht viel tun, einfach nur zusammenbleiben. Nach Durchfahren der Schikane ging es in die lange Steigung des Schleizer Dreiecks, wo der Fahrer im Bergtrikot munter davonstiefelte. Normalerweise sagt man ja über Fahrer, die bei einem Rennen ein Führungstrikot einer großen Profi-Rundfahrt tragen, dass sie nichts draufhaben. Bei genauerer Betrachtung seines Fahrstils musste ich aber zu Jens sagen, dass der durchaus einen guten Eindruck machte. Jens aber vertraute auch auf Lukas' taktische Einweisung und wir bauten drauf, dass wir beim Verlassen des Dreiecks, wenn es flacher wird, als Team schön Fahrt aufnehmen könnten, um den Fahrer nur an der kurzen Leine zu lassen.

Zwei Fahrer sind das hohe Anfangstempo dieses "Mister X", den mal wirklich niemand kannte, mitgegangen. Plötzlich kamen hektische Zurufe von der Seite: Lukas schrie zu Jens, dass der sofort nachspringen muss, weil die Drei da vorne verdammt stark sind. Und schon setzte Jens zu einer Art Zielsprint an. Zwei weitere Fahrer stiegen ihm nach und ich hing mich an die beiden dran. Ein absoluter irrsinniges Tempo, dass Jens jetzt angeschlagen hatte. Lange Rede, kurzer Sinn: Im Zuge des ganzen overpacete ich doch gleich zu Beginn des Rennens und platzte weg. Jens fuhr mit den anderen zwei Fahrern dem Spitzentrio hinterher. Von hinten kamen ebenfalls drei Fahrer, die mich aufrollten. Ich hatte jetzt die Hoffnung, wie würden vielleicht den Anschluss an Jens finden und dann gemeinsam wiederum den Anschluss ans Spitzentrio. Aber als ich an einer leichten Welle in die Führungsposition kam und nur so fuhr, dass ich den Tritt gut beibehalten konnte, wurde es plötzlich so ruhig: Die drei Fahrer, die mich aufgerollt hatten, waren plötzlich wieder ein ganzes Stück hinter mir.

Was tun?!? Vorne brach ein Fahrer aus Jens' Gruppe weg. Ich fuhr also einfach erstmal mit einem lockeren Gang weiter und wollte warten, ob die Fahrer von hinten doch wieder rankommen würden. Das war auch der Fall. Wir rollten dann noch den Fahrer vor uns auf - und dann bemerkte ich zwei weitere Reichenbacher hinter mir: Falk und Peter. Zusammen mit Jens, Bernd und mir für Team 1 unterwegs. Ja, denn das Radsportteam Reichenbach hatte gleich zwei Teams gemeldet! Schade, dass es ansonsten kaum Hobby-Teams gibt, aber wie ich letztes Jahr schon mit dem gescheiterten Projekt Team Porzellanhandel24.de feststellen musste: So populär "Jedermann-Teams" auch sein mögen, so selten findet man "Hobby-Teams". Also Teams, deren Niveau nicht bei Amateur-, sondern auf Hobbyfahrer-Distanzen liegt. Woran das liegt, weiß ich natürlich nicht. Wüsste ich es, wäre Team Porzellanhandel24.de schließlich immer noch aktiv ...

In der Folgezeit wurde das Rennen dann etwas ruhiger, weil wir Jens und seinen Begleiter selbst in weiter Ferne nicht mehr erspähen konnten. Wir sind nun insgesamt mit 8 Fahrern unterwegs gewesen. Ich weiß aber nicht, wo der Achte herkam. Einer von vorn, dann ich, dann drei, dann zwei - eigentlich machte das nur 7. Der Ergebnisliste ist aber zu entnehmen, dass wir 8 waren. Ich hätte vielleicht mal während des Rennens durchzählen sollen, aber dafür hatte ich irgendwie nicht die Kraft. Das frühe Overpacen machte sich natürlich bemerkbar, aber auch die kalten Temperaturen. Der Tritt war alles andere als frisch, die Sache zog sich dahin.

Kurz vor der Abfahrt runter nach Raila setzte ich mich an die Spitze der Gruppe, um nicht wieder mit so einem Rückstand in die Steigung zu fahren wie im Vorjahr. Ich versuchte auch besser laufen zu lassen, was sich in einer im Vergleich zum Vorjahr um 5 km/h höheren Maximalgeschwindigkeit ausdrückte. Dennoch war da wieder dieser komische Rechtsknick in der Fahrbahn, bei dem ich vorher kurz ein bisschen an der Hinterbremse zog. Beim Kurvenverlauf konnte man sich an der Stelle einfach nicht sicher sein. Als ich diesen Verlauf dann sah, ließ ich die Bremse sofort wieder los. Es ging ja doch wunderbar zu fahren. Doch dann bekam ich einen Schlag gegen den Lenker und verlor um ein Haar die Kontrolle - bei fast 80 km/h geht das ja schneller als einem recht sein kann. Jede kleine falsche Bewegung kann da zum Verhängnis werden. Davon beeindruckt bremste ich die Kurve am Ende der Abfahrt dann wie im letzten Jahr wieder etwas stärker an, kam zu meiner Verwunderung aber dennoch als Erster am Fuße der Steigung an. Niemand hat mich mit mehr Mumm in der Kurve überholt. Aber nicht nur das: Auch zu Beginn der Steigung gab es keineswegs gleich einen Bergsprint der Konkurrenz wie in Karbach oder Sonneberg. Stattdessen konnte ich in aller Ruhe mein Tempo anschlagen und meinen Rhythmus finden. Bei einem Kontrollblick nach hinten hatte ich sogar etwas Vorsprung.

Und so kurbelte ich also im Kopf entspannt mit kleiner Übersetzung durch die Ortschaft - und es wurde ruhiger. Keine Zuschauer mehr, aber auch keine anderen Fahrer, die neben oder hinter einem kurbelten. Eine sehr angenehme Stille, die ich in Steigungen sonst nur beim Einzeltraining kenne. Niemand vor mir zu sehen, niemand hinter mir zu hören - was war denn hier kaputt?!? Die Steigung war schon lange nicht mehr sonderlich steil, aber zog sich wie ein Kaugummi noch ein ganzes Stück in die Länge. Den Kaugummi habe ich jetzt ein zweites Mal in diesem Bericht bemüht? Tja, aber genau so zog sich die Steigung nun mal auch! Am Ende der Steigung sah ich jedenfalls, dass Falk mit etwas Abstand folgte und hinter ihm wiederum ein weiterer Einzelfahrer. Da ich die Steigung nun doch in den Beinen merkte und Falk ja vom Team war, nahm ich etwas raus und dann hielten wir den Solisten hinter uns auf Distanz. Der Rest der 8er-Gruppe war noch zu fünft unterwegs, darunter Peter.

Als wir wieder aufs Dreieck einbogen, sah ich, dass der Solist hinter uns den Abstand scheinbar doch noch etwas verkürzt hatte. Ich deutete Falk, der in der Zielkurve etwas abreißen ließ, mit einer Handbewegung an, nochmal voll Stoff zu geben, damit er von hinten nicht noch abgefangen wird. Die letzten Meter ins Ziel spürte ich dann sehr deutlich, wie schwer die Beine waren. Zum Glück musste ich mich hier nicht mehr in einem richtigen Finalsprint anderen Fahrern erwehren, denn ich hatte überhaupt keinen Punch mehr! Es reichte aber für Platz 6, in der AK Platz 2 und war eigentlich die zweitbeste Zeit fürs Team.

Eigentlich: Denn obwohl in der Früh scheinbar alles richtig notiert wurde, stellte ich nach der Siegerehrung fest, dass unser Teamsieg, der es wurde, fast noch schiefgegangen wäre! Man hatte mich plötzlich als "Radsportteam Reichenbach" geführt - OHNE die "1", die ich angegeben und die eigentlich auch notiert worden war. Dadurch zählte meine Zeit gar nicht zur Teamwertung. Ich habe hinterher noch versucht das korrigieren zu lassen und ich stehe jetzt auch bei mika timing mit der "1" im Ranking, aber ob meine Zeit dann noch der Teamwertung zugerechnet wurde, weiß ich halt auch nicht. Es änderte ja nix an der Platzierung, aber das hätte uns theoretisch den Sieg kosten können. Außerdem ist es ja auch so, dass dann andere Leute sagen könnten "Dein Name steht ja gar nicht bei dem Team dabei". Man rackert sich ab, setzt die Priorität bei der Teamwertung (wenn man in der Einzelwertung nun mal nicht gut genug ist, was bei mir einfach der Fall ist) und am Ende wäre fast alles für die Katz gewesen. Ich hoffe, dass sich so ein Missverständnis nächstes Jahr nicht wiederholt und meine Zeit dann auch tatsächlich zur Teamwertung zählt. Immerhin war es ja in Relation gesehen keine schlechte Zeit als Gesamtsechster! Und ich habe durch den Zielanstieg nochmal eine ganze Minute auf 5 Fahrer unserer 8er-Gruppe rausgefahren! Bei einem ANSTIEG!!! Wie geil ist DAS denn?!? :)

Eine Minute ... und in Sonneberg fehlten mir 12 Sekunden in der Steigung auf Platz 3. Das war echt ein Wimpernschlag in Sonneberg. Das Video zu Sonneberg ist übrigens hier:



Noch was zu einigen meiner zusätzlichen Zielsetzungen, anhand derer ich meine Leistung einerseits immer vor einem Rennen realistisch einschätzen möchte und die ich zum anderen natürlich versuche sogar zu übertreffen. Man will sich ja stets verbessern und setzt sich dazu gewisse Ziele. Beim Schnitt war ich wegen des Wetters auf eine Verschlechterung eingestellt - und die gab es auch: 0,4 km/h langsamer. 33,6 zeigte der Tacho am Ende an. In Zeit ausgedrückt war ich 1 Minute langsamer als im Vorjahr. Ist das nun eine Verbesserung oder eine Verschlechterung? Schlechtere äußere Verhältnisse, 1 Minute auf 30 km verloren - ich denke, das ist im Großen und Ganzen weder das eine, noch das andere. Eher eine Stagnation. Leistung und Platzierung sind aber bekanntermaßen auch zwei verschiedene Paar Schuhe, weshalb die Verbesserung von Platz 8 auf 6 bzw. von 4 auf 2 in der AK natürlich eine Verbesserung darstellte. Aber vom Podest war das immer noch weit entfernt. Hatte ich aber nicht auch letzte Woche erst aufgelistet, wie meine Platzierungen bei Kletterrennen waren? 2009 Platz 4 in Dachau war das beste? Dieser 6. Platz war also meine beste Leistung bei einem Kletterrennen seit September 2009. Wenn mein Meniskus jetzt nicht so schmerzen würde, könnte ich also eigentlich ganz optimistisch auf Pförring und Schrobenhausen blicken. So hingegen weiß ich gar nicht, ob dort starten kann. Vielleicht war Schleiz schon mein letztes Saisonrennen :(

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