Disclaimer - wenn man so will

In meinem Sport-Blog schreibe ich über meine Sporterlebnisse teilweise ernsthaft, teilweise aber auch mit überspitztem Humor - den Unterschied sollte man erkennen, wenn man mich persönlich kennt ;) Generell gilt: Wer die Dinge, die ich hier schreibe, zu ernst nimmt, ist selbst schuld ;)

Team 2019

Team 2019

2019 fahre ich Lizenzrennen für RMV Concordia Strullendorf 1920 e.V. und ausgewählte Jedermannrennen

Sonntag, 6. Mai 2012

Einstellig in Sonneberg!

Das Wetter war nicht wirklich einladend, weshalb sich auch nur 13 Starter plus ex-ProTour-Fahrer Sebastian Lang eingefunden hatten, aber wenn sich in Thüringen bei Sauwetter Hobbyfahrer an den Start stellen, dann können sie leider meistens zumindestens eins: Gut klettern! Doch bevor es losging, erfuhr ich zunächst, dass das Rennen von 16 Uhr auf 15:30 Uhr vorgezogen wurde. Oha! Also flott ein notgedrungenes Aufwärmprogramm runtergespult, auf die Uhr am Tacho gesehen und gedacht "Okay, noch 7 Minuten" - aber meine Uhr geht ja 5 Minuten nach! Das fiel mir zum Glück gerade noch rechtzeitig ein! Uff ...

Im Endeffekt war es wohl sogar ganz gut, dass ich auf den vermeintlich letzten Drücker kam, denn der Start verzögerte sich sogar noch ein bisschen. Bei den frischen Temperaturen und vor allem den frisch eingenässten Beinen nicht unbedingt das beste. Wir rollten dann aber schließlich doch noch los, bevor eine mögliche Eisstarre die Muskulatur schrotten konnte, und auf dem "Radweg", den wir nach der ersten Kurve passieren mussten, war an einer Stelle irgendein braunes Laub von Sträuchern auf dem Weg. Das ließ uns nicht nur aussehen wie Mountainbiker, sondern war durch die Nässe natürlich auch richtig schön schmierig und somit rutschig. Man versuchte halt, links und rechts die Fahrrillen zu erwischen. Alles in allem sollte das durch das Ende des Regens und die zunehmend abtrocknenden Straßen aber schon die ungemütlichste Stelle werden. Ansonsten ließ sich der Kurs auch für Hobbyfahrer gut und gefahrenfrei fahren. Zumindest bis zu dem Moment, als wir erstmals die Zielsteigung zu bewältigen hatten ...

Ich fuhr eigentlich schon "ganz rechts", zumindest meinem Empfinden als Hobbyfahrer nach, als Johann aus unserem letztjährigen Team zu einem Bergsprint ansetzte. Sebastian Lang wollte da wohl trotz "außer Konkurrenz" nichts "anbrennen" lassen und stieg sofort hinterher. Da er aber hinter mir war und ihm der Weg über die freie linke Fahrbahnhälfte wohl als zu großer Umweg erschien, fuhr rechts an mir vorbei. Aber wie gesagt: Eigentlich fuhr ich schon "ganz rechts". Da wir an der Stelle beide aus dem Sattel gegangen waren, wackelten zudem unsere Lenker leicht zur Seite. Das führte dazu, dass sich unsere Lenker um ein Haar näher kennenlernen sollten, aber ich kam mit dem Schrecken davon.

Ansonsten war die erste Steigung schon fast wie zu erwarten. Gleich mal hohes Tempo und über die Kuppe hinweg stand ich zunächst ein bisschen. Maik, Johann und der ex-Profi stürzten sich schon die Abfahrt hinunter, dahinter fuhren Maiks Kollege Klaus, Thomas Schmalz und Andreas Wolf, "irgendein Triathlet" (also mir vor dem Rennen gänzlich unbekannt). Da Lang außer Konkurrenz fuhr, war ich somit also an 6. Position. Nicht gut, aber auch nicht schlecht - halt irgendwie mittelmäßig bei der Größe des Starterfeldes. Auf dem Radweg fand ich dann zunächst Anschluss an Andreas, der aber an dieser Stelle einen Durchhänger hatte, weshalb ich gleich vorbeizog. Das gleiche galt für Klaus, wobei ich hier eher taktisches Fahren für Maik vermutete. Ich nahm dann noch Thomas und das Spitzentrio ins Visier, sah aber beim Blick zurück, dass die anderen Fahrer von hinten schon wieder näher an mir als ich an Thomas dran waren, also sollte das mit Thomas nicht mehr klappen. Und das mit dem Spitzentrio erst recht nicht ...

Wir holten Thomas dann ein paar Minuten später wieder ein und konnten das Spitzentrio in weiter Ferne nur noch erahnen. Die gingen ab wie die Silberpfeile bei den Formel-1-Qualis! Unsere Gruppe gondelte mehr schlecht als recht weiter und bekam noch Zuwachs durch drei weitere Fahrer. Als wir die Zielsteigung das zweite Mal hochmussten, wurde gleich wieder scharf geschossen. Diesmal kam ich als letzter über die Kuppe, blieb aber zumindest in der Gruppe. Ein paar Minuten später fuhr ich am Ende einer Abfahrt links nach vorne, weil ich einfach nicht bremsen wollte (am Ende von Abfahrten stauchte sich unsere Gruppe immer so seltsam zusammen), als ein Fahrer plötzlich links rüberzog und ANHIELT!!! Zweite Schrecksekunde des Rennens, aber wieder gerade so einem Sturz aus dem Weg gegangen. Der Fahrer hatte vermutlich Defekt, hielt es aber nicht für nötig, sich entsprechend zu verhalten! Also nochmal zurück in die Schule des Radrennsports: Wie verhält man sich bei einem Defekt? Man hebt den Arm und fährt langsam an den rechten Fahrbahnrand. In diesem Falle hob der Fahrer aber keinen Arm und fuhr auch nicht langsam an den Fahrbahnrand - und schon gar nicht an den rechten! Er zog relativ zügig und ohne jegliche Vorwarnung nach links rüber. Hammer! Und das bei insgesamt nur 13 Hobbyfahrern am Start! Man bekommt langsam eine Vorstellung davon, warum bei den riesigen Starterfeldern beim GCC speziell in zurückliegenden Gruppen, wo eben die rennunerfahrenen Fahrer zu finden sind, oftmals so vollkommen unerwartete Stürze passieren. Weil manche Fahrer einfach nicht dran denken, dass sie nicht allein auf der Straße sind. Würden sie im normalen Straßenverkehr bei einem Defekt ansatzlos an den LINKEN Fahrbahnrand rüberziehen? Ich glaube ja nicht. Besser gesagt: Ich HOFFE es nicht ...

Ansonsten passierte nix weiter auf der 3. Runde. Selbst in der Zielansteigung machte diesmal niemand Radau. Ich kam dann sogar ungefähr als Vierter über die Kuppe und konnte am Ende der Abfahrt sogar ganz nach vorne rollen, weil diesmal auch in der Abfahrt nicht der übliche Radau gemacht wurde. Ich wollte die Ruhe nutzen, um unten vielleicht etwas anzuziehen, aber die Meute war halt doch schon wieder dran. Es war zu dem Zeitpunkt jedenfalls klar, dass ich aus der Gruppe heraus an der Steigung nix würde reißen können. In den ersten beiden Runden hatte sich das schon offenbart, in der dritten Runde, als die Fahrer schon ihre Kräfte fürs Finale sparen wollten, bin ich auch nur "in der Mitte" über die Kuppe gekommen. Und da mir die Zielankunft nicht liegt, wie ich im Vorjahr schon feststellen musste, gab ich mich eigentlich schon mit einem Platz in den unteren Top Ten zufrieden.

Zwischendurch spuckte ich in einer Ortschaft dann gleich 3 Mal hintereinander. Weiß jetzt auch nicht so genau, warum eigentlich (1 Mal sollte ja genügen), aber die Sache ist diese: Nach dem 3. Spucken ging mein Blick zufällig rechts der Straße zu einem Gehege, das direkt an der Straße war. Und dort befanden sich Lamas. Dass die mir in dieser Runde auffielen, lag wohl daran, dass sie wohl durch meine Spuckerei alarmiert wurden. Sie streckten nämlich plötzlich ihre Köpfe in die Höh' und spitzten ihre Ohren! Hoppala! :)

Kurz darauf wurde es mir dann plötzlich kotzübel. So ähnlich wie letztes Jahr insgesamt 3 Mal bei den Dienstagabendkriterien in Kulmbach. Aber diesmal eröffnete sich mir nicht der Grund dafür. Ich fing mich aber rechtzeitig zur leichten Steigung rauf nach Gefell. Danach würde es in die Abfahrt vor der Zielsteigung gehen. Da ich in dieser Abfahrt im unteren Teil sowieso immer durch einen Geschwindigkeitsüberschuss in den Wind kam, zögerte ich jetzt nicht lange. Ich trat einfach mal entschlossen an, die Beine fühlten sich auch erstaunlich gut an und ich konnte bis zum Abbiegen in die Abfahrt durchziehen. Es reagierte niemand und ich hatte somit einen ganz netten Vorsprung. In der Abfahrt hielt ich den auch, wie schon vermutet bzw. erhofft hatte, und ging frohen Mutes in die Zielsteigung. Aktuell lag ich auf Platz 3, was meine bisher beste Platzierung bei einem Kletterrennen gewesen wäre! 2009 war ich in Dachau beim Straßenrennen von forice Dachau auf Platz 4, in den letzten beiden Jahren waren die 8. Plätze in Schleiz und Meiningen schon meine besten Kletterplatzierungen.

Ich fuhr ähnlich wie beim Kirtarennen in Dingolfing im Stehen in den Anstieg, um nochmals etwas zusätzlich Fahrt aufzunehmen. Dann wieder rein in den Sattel und die Suche nach einem möglichst erfolgversprechenden Rhythmus. Irgendwas fehlte aber vom Gefühl her. Der Druck, den ich beim Antritt hatte, war nicht mehr vorhanden. Trotz der Abfahrt zuvor. Bis 200 Meter vor der Kuppe blieb ich auch vorn und wollte nochmals aus dem Sattel und Fahrt aufnehmen - da schossen plötzlich zwei Raketen an mir vorbei! Kurz darauf folgten noch Klaus und Thomas. Ich hatte oben dann 3, 4 Sekunden Rückstand auf Thomas, aber wie schon in den drei Runden zuvor erstmal keinen Druck mehr. Ich quetschte zwar noch so viel wie möglich raus, ging aus dem Sattel, aber ich konnte den Rückstand nicht verkürzen. In der Abfahrt auch nicht. Das ist mir ja auch nicht neu, das war ja auch in den ersten beiden Runden schon der Fall. Ist man oben schon am Anschlag, dann kann man auch in einer folgenden Abfahrt nichts gutmachen. Im Gegenteil! Man verliert eher noch an Boden!

Kurz vor der Zielkurve dann ein bitterer Moment: Jörg Adam von Team Woelk - gewiss kein schlechter Fahrer - quetscht sich direkt vor der Kurven noch innen an mir vorbei. Bitter daher, weil ich aus dem Vorjahr noch wusste, dass der Weg von der Zielkurve zum Zielstrich zu kurz für einen Sprint ist. Dennoch versuchte ich zwar Fahrt aufzunehmen, aber es klappte halt wie schon im Vorjahr nicht mehr richtig. Platz 7 und somit mein bestes Kletterergebnis seit 2009 also knapp verpasst, aber für ein Rennen auf nasser Fahrbahn bei 12 Grad eigentlich gar nicht mal so schlecht. Meine brauchbaren Platzierungen bei nassen/kalten Bedingungen waren bisher ja eher überschaubar. Heute half zwar sicherlich auch, dass durch das Wetter einige in ihren trockenen, warmen vier Wänden geblieben sind, aber wenn man sich die Zeitabstände ansieht, dann wäre die Gruppe so oder so das Hauptfeld gewesen. Da war ja nix direkt davor oder dahinter. Ich hätte mich also mit den gleichen Fahrern plus dem ein oder anderen zusätzlichen Namen um einen Platz unter den ersten Zehn schlagen müssen. Drum bin ich zunächst mal mit der Tendenz zufrieden. Nach dem "Horrortrip" in Karbach war mir ja schon klar, dass mir noch etwas zur Konkurrenzfähigkeit fehlt. Heute sah das aber schon ein Stückchen besser aus, was mir für Schleiz einfach Mut macht.

Ach ja: Der Schnitt war 35,2 km/h. 0,1 km/h schneller als im Vorjahr, aber bei schlechteren Bedingungen. Das hatte ich mir im Vorfeld ja eigentlich gar nicht so zugetraut. Man muss auch sagen, dass die erste Runde dieses Jahr auf jeden Fall langsamer als im Vorjahr gefahren wurde. Nachdem ich letzte Woche in Karbach also noch ganz schön geknickt war, sehe ich jetzt ein ganzes Stück optimistischer auf die nächsten Rennen. Dienstag geht es ja schon in Kulmbach weiter - diesmal wieder mit dem Kriteriumsrad und ohne Steigung. Jaaaaaaaaaaaaaaa!!! Endlich mal wieder ein Rennen ohne Steigung!!!!!! Davon bekomme ich ja in Schleiz noch genug ...

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