Disclaimer - wenn man so will

In meinem Sport-Blog schreibe ich über meine Sporterlebnisse teilweise ernsthaft, teilweise aber auch mit überspitztem Humor - den Unterschied sollte man erkennen, wenn man mich persönlich kennt ;) Generell gilt: Wer die Dinge, die ich hier schreibe, zu ernst nimmt, ist selbst schuld ;)

Team 2019

Team 2019

2019 fahre ich Lizenzrennen für RMV Concordia Strullendorf 1920 e.V. und ausgewählte Jedermannrennen

Mittwoch, 20. Juni 2012

Kammbäck

Nachdem ich letzte Woche nur 2 Mal auf dem Rad saß und zuletzt wieder zwei freie Tage "eingebaut" hatte, fuhr ich gestern mal eben mein bisher schnellste Kulmbacher Dienstagabendkriterium. Okay, die 43,0 km/h, die rundenlang als Schnitt angezeigt wurden, stimmten nicht, weil der Tacho offensichtlich nicht ganz richtig eingestellt ist, aber am Ende waren es immer noch 42,2 oder 42,3 km/h, was ich von anderen Fahrern übereinstimmend in Erfahrung bringen konnte. Letztes Jahr hatte ich mit 42,7 km/h den besten Schnitt notiert - aber ich glaube einfach, dass ich lange Zeit einen falschen Code in den Tacho eingegeben hatte. Seitdem auf den Reifen nicht mehr die technischen Angaben zu der Radgröße stehen, kann ich eben nicht mehr nachsehen. Ich nahm dann einen "Standardwert", den "wir alle" nehmen. Näher erkläre ich das nicht ;)

Jedenfalls spricht die Zeit der Pulsuhr eine unzweideutige Sprache: Während ich beim schnellsten Kriterium (die angeblichen 42,7 km/h) im Vorjahr 1:15.30 h unterwegs gewesen bin, stoppte die Pulsuhr diesmal bei 1:14.30 h - also eine Minute flotter als beim flottesten Kriterium im Vorjahr.

Interessant ist jetzt, dass mir das Rennen gar nicht so schnell vorkam. Ich konnte dem Tempo erstaunlich gut folgen, nur bei den Wertungssprints reichte es wieder nur bis zu dem Abschnitt zwischen Kurve 3 und 4 - danach hatte ich den gewohnten "Spannungsverlust". Sowohl Oberkörper als auch Beine waren dann durch das erhöhte Tempo in den Wertungsrunden schon so weit ausgelastet, dass ich einfach nicht mehr die notwendige Körperspannung aufbauen konnte, um einen konkurrenzfähigen Sprint zu fahren. Ich konnte mich aber wie beim letzten Mal schon deutlich besser positionieren. Also rein von der Nase her passt es schon ganz gut, jetzt müssen halt nur noch die Beine mitspielen ...

Bei diesem High-Speed-Rennen konnte ich das aber gut verschmerzen, dass ich im Sprint keine Punkte holte. Das Rennen fing mit einer langsamen Runde an, wobei dann gleich mal jemand attackieren musste. Ich blieb im hinteren Teil des Feldes ganz lässig und auf der Gegengeraden war die erste Attacke bereits in der 2. Runde abgewehrt. Dann trat aber gleich der nächste Fahrer an. Ich beobachtete die Reaktion des Feldes, die aber ausblieb. Zwischen Kurve 3 und 4 trat ich also selbst an. Blick in den Rückspiegel: Immer noch keine Reaktion im Feld. Also ging es erst mal weiter. Ich verringerte sogar schon etwas den Rückstand zu dem ersten Angreifer, aber da wird noch 2 Runden bis zur ersten Wertung hatten, wollte ich jetzt bloß nicht die Brechstange rausholen und die Lücke mit aller Gewalt schließen. Stattdessen blickte ich abermals nach hinten und sah, dass das Feld immer noch Passivität ausstrahlte.

Ich versuchte einen eigenen Rhythmus zu finden, mit dem ich solo den 2. Platz würde erreichen können. Der Fahrer vorne nahm auch nicht unbedingt raus, um vielleicht auf mich zu warten, aber das war für mich auch egal. Ich bin ja nicht mehr im Wettkampftraining, habe also keine Form mehr (die hatte ich dieses Jahr eh noch nicht), und merkte schon frühzeitig, dass ich nach der ersten Wertung erstmal wieder ins Feld würde abtauchen müssen. Es machte klingelingeling und die Wertungsrunde wurde eingeläutet. Das Feld hielt immer noch Abstand und belauerte sich gegenseitig. Das war für mich einfach optimal, denn ich fuhr schon teilweise nur noch mit Kinderübersetzung rum. Auf der Zielgeraden sah es aber immer noch sehr gut aus, obwohl ich hinter mir schon zwei richtig gute Sprinter mit deutlichen Geschwindigkeitsüberschuss näher fliegen sah. Sei's drum, der Vorsprung reichte - Platz 2 und 3 Punkte!!! Schon nach 4 Runden war klar, dass das meine erfolgreichste Teilnahme an den Dienstagabendkriterien in dieser Saison sein würde.

Gleich danach versuchte ich mich zu sammeln, um nicht vielleicht durchs Feld durchzufallen, da griffen mit Michael Walter und Maik Hamann wie schon beim 2. Wertungslauf die zwei stärksten Einzelfahrer des Tages an. Seit dem 2. Wertungslauf war Michael nicht mehr am Start. Damals kam ja auch ein früher Angriff, aber keine Reaktion des Feldes. Und die blieb auch diesmal aus. Also für mich war das natürlich optimal, zumal der erste Ausreißer als Dritter im Bunde dabei war. Ich hatte ja schon meine 3 Punkte. Bis zur vorletzten Wertung dachte ich mit einem breiten innerlichen Grinsen auch, dass es immer nur um 1 Pünktchen ging und dieses unter mehreren Punkteträgern verteilt wurde. Was ich nicht mitbekam: Der erste Ausreißer konnte Michael und Maik nicht mehr folgen. Aber egal, meine 3 Punkte reichten am Ende trotzdem für einen guten 7. Platz.

Also: Bestes Saisonergebnis in Kulmbach bisher und eine neue persönliche Rekordzeit - die 1:15 wurde geknackt! Vom Gefühl her hätte es auch noch schneller sein können. Unter 1:14 ist auf jeden Fall drin! Aber wie kann das eigentlich sein? Keine Vorbelastung, letzte Woche nur 2 Mal auf dem Rad gewesen, kein Wettkampftraining mehr, keine aktive Erholung mehr (stattdessen komplette Ruhetage) - aber leistungstechnisch schein ich jetzt viel besser drauf zu sein als noch vor einem Monat, wo ich diese Leistung benötigt hätte. Interessant ist, dass wir wieder einmal Juni haben - und all die Jahre zuvor kam die Form immer Mitte Juni. Das war aber auch so erhofft und ich dachte, es würde am geplanten Formaufbau liegen. Jetzt drängt sich aber eher der Eindruck auf, dass Trainingssteuerung der größte Schwachsinn überhaupt ist und die Form so oder so einfach dann kommt, wenn sie halt kommt. Selbst wenn man fast gar nicht mehr fährt. Wie verrückt ist das? Oder sind wissenschaftliche gesteuerte Trainingspläne schlicht und ergreifend nur eine Art Placebo? Bedeutet das im Umkehrschluss auch, dass ich grundsätzlich erst ab Juni konkurrenzfähig bin? Hatte ich dieses Jahr also von vornherein keine Chance auf gute Platzierungen, weil alle Rennen im April und Mai waren?!? Vor allem aber frage ich mich: Was zur Hölle soll ich jetzt mit meiner scheinbar guten Form anstellen?!? Völlig egal, wo die herkommt: Es gibt ja keine nennenswerten Rennen mehr ... obwohl ... angeblich soll der Vogtlandcup doch stattfinden! Aber leider erst Anfang September. Und ich glaube kaum, dass meine Zufallsform so lange Bestand haben wird ...

Ach ja, war wegen meinem Knie nochmal beim Arzt. Ich soll im Endeffekt nur weiterhin eine Dehnübung machen, die ich bereits seit Jahren (!) regelmäßig mache. Da könnte mir der Arzt genau so gut sagen, dass ich ein- und ausatmen soll, um am Leben zu bleiben. Ich werde also im Endeffekt abermals nur die "Eigentherapie eines Sportlers" anwenden können: Gegen den Schmerz arbeiten, das Gegenteil dessen tun, was die Ärzte einem raten. Funktioniert erstaunlich häufig. Insofern werde ich also bald mal wieder volle Kanne ein Fußballtraining mitmachen. Vielleicht wissen auch die Trainer im Fitnessstudio etwas. Eins ist jedenfalls klar: Die Ärzte sind ihr Geld nicht wert ...

Kommentare:

  1. Lass mal fabulieren... kann schon sein, dass dein Körper noch einen automatischen Juni-Effekt hat. Erst mal helfen die wärmeren Temperaturen und sonnigeren Tage. Und dann speichert dein Körper ja letztlich das Training der letzten Jahre. Soweit ich weiß, gibt es dazu keine wissenschaftliche Studie, aber ich könnte mir vorstellen, dass er sich auch die Zyklen mehr oder weniger "merkt", wenn es immer die gleichen sind. Außerdem hast du dann vielleicht im Mai doch noch zu hart für deine persönliche Physis trainiert, so dass du jetzt besser erholt warst. Das hat dir die nötige Reichweite für die erste Attacke gegeben. Und danach hast du zumindest davon profitiert, dass die anderen bis Juni weiter trainiert haben.

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    1. Mein Wettkampftraining ging eigentlich sogar nur bis Mitte April, weil ich aufgrund meiner Erfahrungen des Vorjahres nicht überziehen wollte, wenn ich zwei Mal pro Woche (1x während der Woche, 1x am Wochenende) Rennen fahre. Intensive Belastung ab Mitte April bestand also aus den Rennen, der rest war nahezu ausschließlich regenerativ. Es gibt vermutlich mehrere Gründe, weshalb ich so einen komischen Formverlauf habe dieses Jahr. Einer könnte sicherlich sein, dass ich mit den fast-winterlichen Temperaturen während der Mai-Rennen überhaupt nicht klarkam, während anderen Fahrern die Kälte nicht so viel ausmachte. Bei meiner im Endeffekt besten Leistung während des kalten Mais war ich übrigens mit Beinlingen unterwegs, um die Muskulatur wärmer zu halten. Indiz, dass meine Muskulatur trotz der standardmäßigen "Ölung" also einfach nicht mit Kälte klarkommt?

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