Disclaimer - wenn man so will

In meinem Sport-Blog schreibe ich über meine Sporterlebnisse teilweise ernsthaft, teilweise aber auch mit überspitztem Humor - den Unterschied sollte man erkennen, wenn man mich persönlich kennt ;) Generell gilt: Wer die Dinge, die ich hier schreibe, zu ernst nimmt, ist selbst schuld ;)

Team 2019

Team 2019

2019 fahre ich Lizenzrennen für RMV Concordia Strullendorf 1920 e.V. und ausgewählte Jedermannrennen

Freitag, 14. September 2012

Ein halbes Jahr des Leidens

Die dreiwöchige Sportpause, die ich wegen meiner Knieprobleme einlegen sollte, liegt hinter mir und schon nach den ersten lockeren Metern auf dem Radar bemerkte ich eine ungewollte Reaktion des Knies. Das kam für mich aber nicht überraschend, denn trotz der Schonung und ständigen Kühlung war das Gefühl genau so wie Ende Februar nach dem Tennisspiel, wo die Verletzung aufbrach. Vom Knie abwärts fühlt sich das alles einfach nicht wie gewohnt an. Eine Reizung, die die letzte ärztliche Theorie war, kann es also kaum sein. Durch die Pause hätte die Reizung schließlich nachlassen sollen - falls es denn eine Reizung ist, die ich habe. Fühlt sich aber nach wie vor nicht wie eine Reizung an, fühlt sich weiterhin wie eine Blockade an. Ich weiß nur nicht, wo genau diese sein könnte und wie ich sie lösen sollte.

2009 hatte ich 3 Monate lang ein Knieleiden, durch das ich nicht mal Radfahren konnte. Auch damals fühlte sich mein Knie genau so befremdlich an wie die letzten 6 Monate über. Damals löste ich zufällig eine Blockade, als ich gegen den Schmerz arbeiten wollte. Aber nicht über Training, sondern durch eine absichtlich starke Belastung, die ich laut Arzt unbedingt vermeiden sollte. Das war damals Glück. Ein Glück, das ich diesmal bisher nicht hatte. Ich habe natürlich die gleiche Belastung wie 2009 versucht, aber das war diesmal nicht die Lösung.

Tja, die Kniescheibe springt also ständig wieder in eine falsche Position und übt dann zu viel Druck auf den Knorpel aus. Der Knorpel an sich soll eigentlich noch okay sein. Ist halt nur die Frage: Wie lange ist er das noch, wenn meine Verletzung weiterhin unbehandelt bleibt? Das alles wirft natürlich auch kein gutes Licht auf die deutsche Medizinlandschaft. Ich würde Deutschland diesbezüglich als Bananenrepublik bezeichnen. Meine Verletzung ist gewiss keine Weltneuheit, ich bin gewiss kein Präzedenzfall. Es stellt den Ärzten, bei denen ich bisher behandelt werden wollte (die Behandlung erfolgte meiner Ansicht nach nicht), sicherlich ein Armutszeugnis aus, dass sie nicht in der Lage sind festzustellen, durch was die Fehlstellung meiner Kniescheibe ausgelöst wird.

Ich hatte es ja irgendwie von Anfang an befürchtet: Wenn ein Arzt einem Sportler dazu rät, einfach mal eine Sportpause zu machen, dann ist das grundsätzlich ein schlechtes Zeichen. Das heißt nämlich übersetzt: "Ich habe leider keine Ahnung, was das Problem sein könnte, also hoffe ich einfach mal, dass es einfach so über Nacht plötzlich verschwindet." Nach einem halben Jahr des Leidens muss ich sagen: Nein, dieses Problem ist leider nicht einfach so über Nacht verschwunden ...

Was kommt jetzt? Ich fange langsam wieder mit Lauftraining an, um die Laufmuskulatur zu reaktivieren. Und dann werde ich idealerweise 'ne Runde Tennis spielen, wo das Problem ja ursprünglich auftrat. Vielleicht löst es sich dort ja auch wieder? Das ist zumindest ein besserer Lösungsansatz als ihn die deutsche Ärzteschaft zu bieten hat ...

Dienstag, 4. September 2012

Erster Ausblick auf 2013

Nach der Saison ist bekanntlich vor der Saison. Vor 2,5 Wochen habe ich mich ein letztes Mal aufs Rad geschwungen und bei einem 25er-Schnitt (den Pulsschnitt verschweige ich an der Stelle, da war einfach nix mehr auf der Spule, das war der blanke Horror) die Gegend um die A6 herum erkundet. Besser gesagt: Entlang der A6 zwischen Poppberg und Altdorf. Seitdem befolge ich die ärztliche Anweisung und versuche mindestens 3 Wochen ohne Sport zu überstehen, damit sich die vermutete Reizung im Knie endlich beruhigt. Ja, denn es soll sich wohl nur um eine hartnäckige Reizung handeln. Die Frage ist natürlich immer, was die Ursache der Reizung ist. Knacken tut das Knie immer noch viel zu oft, ich habe von Tag zu Tag mehr Zweifel, dass das einen Sinn hat. Dennoch blicke ich nach vorne und will mit einem kurzen Blick zurück anfangen ...

Nachdem 2011 endlich der Traum eine Renngemeinschaft (wie der BDR es nennen würde) bzw. eines Jedermann-Teams (wie es alle anderen nennen) als "Team Porzellanhandel24.de" verwirklichen wollte - an dieser Stelle nochmals ein Dankeschön an das Vertrauen und Engagement des Sponsors -, schrieb ich hier im Blog nach dem Aus des Teams, dass ich 2012 erst mal weniger Stress haben wollte, um mich neu zu sortieren. Kürzere Anreisewege, dadurch sicherlich auch weniger Rennen, weniger Trainingsaufwand, weniger Arbeit mit Rennberichten (die auf der Team-Website zwar immer schön aussahen, aber eben auch viel mehr Aufwand als meine simplen bildlosen Blogeinträge hier bedeuteten) - und vor allem erst mal keine ständigen Enttäuschungen mehr, dass man bei den meisten Rennen trotz des Teams weiterhin alleine oder gerade mal zu zweit am Start stand. Der Effekt der Gruppendynamik stellte sich zu meiner großen Enttäuschung leider nicht ein, die Fahrer fuhren im Vergleich zu den Vorjahren teilweise sogar weniger statt mehr Rennen. Diejenigen, die sich weitestgehend verkrochen haben, wissen ja, wer sie sind. Diejenigen, die das Teamtrikot gut bei Rennen präsentiert und viel in rot-weiß gekämpft haben, wissen auch, wer sie sind. Das muss ich glaube niemandem erzählen, wie sehr er sich fürs Team ins Zeug geworfen hat.

Es gab dann bereits im letzten Herbst ein neues Team-Konzept, das für 2013 gelten sollte. Allerdings beruhte es auf dem GCC und generell auf Rennen mit Teamwertungen. Davon bin ich diese Saison nur ein einziges Rennen gefahren: Als Gastfahrer für das Radsportteam Reichenbach (REICHENBACH!!!) in Schleiz. Es hat super viel Spaß gemacht, nicht nur, weil Platz 1 heraussprang. Das Radsportteam Reichenbach war halt tatsächlich ein TEAM - und das spürte man während des gesamten Renntags und konnte es auch genießen. So etwas wertet das Erlebnis eines Radrennens einfach nochmal auf. Nur wie ich eben auch gerade feststellen musste: Es bieten sich nicht mehr viele solcher Rennen an. Der GCC in Nürnberg (und somit in Bayern) ist tot. Als Ersatz kam ein Rennen irgendwo im hohen Nordwesten des Landes hinzu, was den GCC endgültig für eine Serie macht, für deren Teilnahme man einfach zu viele zeitliche Opfer bringen müsste. Ja, es gibt 3 Streichergebnisse. Insgesamt sind es 11 Rennen, so weit ich weiß. Wenn man sich etwas streckt, könnte man mit Standort Nordost-Bayern zwar auf 6 Rennen kommen, aber leider gibt es halt keine 6 Streichergebnisse. Mit Nürnberg wären es 7 - und dann würde man vielleicht noch sagen: Okay, für 1 Rennen im Jahr kann ich noch ein größeres Opfer bringen. Aber dann sieht man auch wieder die Problematik mit der Startblockeinteilung, bei der man ohne Vorergebnis eigentlich nur bei den Rennen in Schleiz, Nürnberg und beim Riderman eine faire Chance hätte. Nürnberg gibt es aber nicht mehr, beim Riderman ist Zeitfahrmaterial scheinbar trotz Verbots durch den BDR erlaubt (und der GCC läuft unter der Flagge des BDR - der BDR befolgt mal wieder seine eigenen Regeln nicht!!!), weshalb man unterm Strich doch nur in Schleiz eine faire Chance hat. Und da schließt sich dann auch der Kreis: Schleiz ist ein super Rennen, aber auch das einzige wirklich lohnenswerte Rennen von meinem Wohnort aus. Der ganze Reise- und Kostenaufwand für die anderen Rennen ist mir dann einfach zu viel ...

Das bedeutet, dass das Team-Konzept für 2013 in der Schublade bleibt. Stattdessen hatte ich ja schon für diese Saison das Mischteam-Projekt "Team X" angesprochen. Das bleibt auch für 2013 ein Thema. Dennoch würde ich nächstes Jahr gerne nicht mehr als Alleinkämpfer starten müssen. Seit 2007 bin ich Mitglied bei der RSG Vilstal, Mitglied in einem Verein. Seit 2007 habe ich die Flagge des Vereins hochgehalten und obwohl ich kein Siegfahrer bin, konnte ich dafür sorgen, dass die "RSG Vilstal" in der Szene ein Begriff geworden bzw. geblieben ist. Denn natürlich war die RSG Vilstal auch vor 2007 schon mal ein Begriff im Fahrerfeld, aber seit 2007 verschwand das Trikot zunehmend aus dem Fahrerfeld. In gewissem Sinne bin ich zum letzten Mohikaner geworden und es gibt sicherlich nicht wenige Fahrer in der Szene, die mich für den einzigen aktiven Rennfahrer unseres Vereins halten würden. Und das ist kein gutes Zeichen, denn wie gesagt: Ich bin KEIN Siegfahrer - und zudem noch nicht einmal Lizenzfahrer. Ich bin gerade einmal ein Hobbyfahrer, also ein Spaßfahrer. Bei Hobby- und Jedermannrennen steht der Spaß im Vordergrund, nicht die Leistung. Wer die Leistung in den Vordergrund stellen will, der kann sich ja jederzeit bei Lizenzrennen beweisen. Und das habe ich 2008 ja auch mal versucht ...

Ja, 2008. Da wollte ich's wissen - und bekam voll auf die Fresse. Aber was besonders frustrierend war: Auf dem Papier hatten wir noch weitere Lizenzfahrer, aber ich war bei JEDEM (!!!) Lizenzrennen alleine am Start. Ich hatte als Lizenzneuling wenigstens auf etwas moralische Unterstützung gehofft, aber stattdessen wurde ich mit jeder Enttäuschung allein gelassen. Am Ende hätte ich fast mit dem Radsport aufgehört, weil es nur noch Frust und Leiden war, aber durch die Teilnahme an einigen Jedermannrennen fand ich die notwendige Motivation, um doch noch weiterzumachen. Es sollte aber kein Abschied sein, sondern ursprünglich nur ein Zwischenjahr. 2010 wollte ich es noch einmal mit einer Lizenz versuchen, aber es lief ja doch alles anders ...

Was mir auch fehlte, war nicht nur die zusätzliche Motivation bei den Rennen, wenn man mit Teamkollegen zusammen am Start stand, sondern auch ein passenderes Training. Also ein Training mit Fahrern, die ebenfalls Rennen fahren. Solche Fahrer wissen nämlich, dass man nicht am Wochenende 1, 2 Rennen fahren und dann während der Woche noch 3 Mal am Anschlag "trainieren" kann. Das geht nicht lange gut. Auch die Art von intensivem Training ist nicht einfach nur "so, heute fahre ich mal mit einem 30er-Schnitt durch die Gegend, ich werde ständig pushen", sondern zielgerichteter. Mit einem Trainingspartner, der aufs gleiche Ziel hin trainiert, wäre das sicherlich auch besser. Bei der RSG Vilstal fehlte es aber an solchen aktiven Rennfahrern. Und ich will nicht sagen, es fehlte an aktiven Rennfahrern, die gemeinsam zielgerichtet trainieren wollten, sondern es fehlte einfach an aktiven Rennfahrern. Ich wollte also versuchen, irgendwie solche Fahrer in den Verein zu holen, ihnen den Straßenradsport schmackhaft zu machen. Und deswegen kam es zu Team Porzellanhandel24.de. Ich schrieb dann auch Berichte für die regionale Presse, die einfach einen Anreiz für Fahrer aus der Region darstellen sollten. Und mit dem Team an sich sollte man sich ebenfalls gegenseitig pushen. Es war von vornherein das Ziel, dass man so auch den einen oder anderen Fahrer soweit bringt, dass er den Sprung in den Lizenzbereich bewältigen kann.

Das klappte aber leider gar nicht. Dieses Jahr wollte ich dennoch die Masche mit den Zeitungsberichten beibehalten, weil ich durch einen Besuch im Fußballtraining mitbekam, dass diese Berichte tatsächlich zur Kenntnis genommen werden. Es kamen auch tatsächlich mehrere neue Fahrer in den Verein, das war schon mal gut. Doch wie bringt man sie dann auch zu Rennen und sorgt vor allem dafür, dass sie bei Rennen dabeibleiben? Dazu wollte ich den Verein auch erstmals seit Jahren wieder dazu bewegen, ein öffentliches Rennen durchzuführen. Das Feedback war anfangs auch erfreulicherweise gut, ich hatte schon mehrere mögliche Termine ausgesucht, die nicht mit anderen Ausdauer-Events in der Region kollidieren würden (und natürlich nicht mit anderen Rennterminen), aber dann schaffte es die Besprechung eines eigenen Rennens leider nicht einmal auf die Tagesordnung unserer Jahreshauptversammlung. Somit war das eigene Rennen leider vom Tisch. Dabei wäre so etwas meiner Meinung nach die beste Möglichkeit, um Fahrer aus der Region mit dem Rennsportvirus zu infizieren.

Ende 2012 muss ich nach 6 Jahren bei der RSG Vilstal leider feststellen: Der Radsport ist in der Region hier einfach tot. Er liegt nicht im Koma, sondern er ist mausetot! Das letzte Fünkchen Hoffnung ist in diesem Jahr erloschen, ich glaube nicht mehr daran, dass neue aktive Rennfahrer aus der Region plötzlich auftauchen (und wenn, dann starten sie ja sowieso nur dann, wenn ich ausnahmsweise mal nicht am Start bin). Ich habe speziell in den letzten 2 Jahren mit "Öffentlichkeitsarbeit" (also Berichten in der lokalen Zeitung) versucht, irgendwie frisches Blut an Land zu ziehen. Aber es kam halt nix raus dabei. Vor allem aber vermisse ich jegliche Unterstützung bei meinem Ansinnen. Dem Verein scheint es nicht wichtig zu sein, aktive Rennfahrer zu haben, die das Vereinstrikot im Fahrerfeld repräsentieren. Und ich habe einfach nicht mehr die Energie, um alleine für etwas zu kämpfen, was der Verein gar nicht will. Nach 6 Jahren bin ich des Kampfes müde geworden und will das Kapitel einfach endlich schließen.

Insofern kann ich sagen: Für 2013 bin ich für alles offen, was mit Teamplay zu tun hat. Doch habe ich gleichzeitig kaum Hoffnung, dass irgendwas mit Teamplay gehen wird. Das ist nämlich kein Problem der RSG Vilstal, sondern eher ein Problem Bayerns: Teamplay ist hier in der Hobby- und Jedermannszene ein Fremdwort.

Sieht man sich andere Bundesländer an, dann gibt es überall namhafte Jedermannteams. Und zwar im Plural. In Bayern gab es vor Jahren ein einziges Team: Team Blue Essentials. In gewissem Sinne waren sie Pioniere der Jedermannszene und somit Wegbereiter für die heutigen Jedermannteams, aber ausgerechnet in Bayern, wo das Team herkam, ist der Funke nicht übergesprungen. Ich fahre von Rennen zu Rennen und sehe ständig alle möglichen bunt durchgemischten Trikots. Es gibt gar kein Team, dem ich mich anschließen könnte. Und es würde auch kaum Sinn machen, weil es keine anderen Teams gibt, mit denen man sich messen könnte. Straßenradsport für Hobby- und Jedermannfahrer in Bayern ist im Gegensatz zu so ziemlich allen anderen Bundesländern kein Teamsport, sondern ein reiner Einzelsport. Aber der Weg nach Thüringen und Sachsen ist ja zum Glück auch nicht so weit ...

Dienstag, 28. August 2012

Helmkamera - Pro und Contra

Ich habe scheinbar endlich eine Lösung für das "Beschlagungsproblem" meiner Helmkamera gefunden, drum nähere ich mich langsam einer Kundenrezension bei Amazon. Vorab wollte ich aber einen etwas anderen Blick auf Pro & Contra einer Helmkamera werfen. Bei meiner Kamera handelt es sich ja um die GoPro HD Hero 2, nur nochmal der Vollständigkeit halber.

Für mich als Radfahrer stellte sich zunächst die Frage nach der Art der Befestigung. Es sind einige Befestigungsteile mitgeliefert, aber sinnfreier Weise keinerlei Bedienungsanleitung für diese Teile. Die mitgelieferte Bedienungsanleitung beschreibt eigentlich nur den einfachen Teil der Kamera: Die Menüsteuerung inklusive der Einstellmöglichkeiten. Da diese in der Regel selbsterklärend sind, ist die Bedienungsanleitung für mich entsprechend nutzlos gewesen. Stattdessen soll man einfach mal etwas mit den mechanischen Befestigungsteilen experimentieren. Das fand ich schon mal nicht so toll ...

Zunächst einmal war es nicht so leicht, die Kamera von ihrer eigentlichen Befestigung zu lösen, denn sie kam nicht lose, sondern schon auf einem Präsentationssockel befestigt. Dieser Sockel scheint aber wirklich nur der Präsentation zu dienen. Falls dem nicht so ist, wäre es nicht schlecht, wenn so etwas in einer nützlichen Bedienungsanleitung stehen würde, was ja leider nicht der Fall ist. Auf der Website findet man unter Support übrigens auch keinerlei weitere nützlichen Hilfen zum Umgang mit den mechanischen Befestigungsteilen. Und die Kamera von dem Präsentationssockel zu lösen, war auch schon mal eine ganz schön große Hürde. Da rührte sich nichts weiter, die Kamera wollte sich scheinbar nicht ohne Gewalt abmachen lassen. Und wenn etwas neu ist, will man es ja nicht gleich kaputtmachen, also verzichtet man auf Gewalt. Nach einigem Hin und Her ging sie schließlich dennoch ab - und alles blieb heil. Puh, erst mal durchgeatmet ...

Danach stellte sich mir die Frage, mit welchem Befestigungsteil ich die Kamera nun an meinem Helm befestigen soll. Im Endeffekt wählte ich wohl das richtige Teile, eine Schlaufe für Helme mit Luftschlitzen. Nur wie sollte man das Teil dort genau befestigen? Es gab ja keine Bedienungsanleitung und ich hatte das entsprechende Befestigungsteil zum ersten Mal in meinem Leben in der Hand. Für die 300 Euro Kaufpreis ist das ein ganz schöner Bastelkasten, den man da ins Haus bekommt. Aber so etwas hatte ich eigentlich gar nicht bestellt, weil ich nicht gerne bastel ...

Schlussendlich hatte ich die Kamera doch auf dem Helm befestigt und testete mal eine Aufnahme daheim. Ging, der Winkel schien auch okay zu sein. Ich fuhr los, kam zurück und überspielte die Daten auf den PC. Erster Eindruck: Wieso filmt die Kamera ständig nur den Boden?!? Der Winkel war leider doch falsch. Ich habe dann die Befestigung etwas umgebaut und versucht, den Winkel etwas zu erhöhen. Das war nicht so einfach und die Kamera neigt auch dazu, während der Fahrt etwas nach vorne bzw. unten zu rutschen, was mir Sorge bereitete. Aber generell schien der Winkel nach dem Umbau okay zu sein, die weiteren Aufnahmen waren vom Winkel her zumindest nicht mehr so, dass man beim Betrachten der Videos ständig den Kopf heben wollte ;)

Ein weiteres Problem nach der ersten Aufnahme war das trübe Bild ab ca. 30 Minuten. Ich fand im Internet schnell heraus, dass viele Leute ein Problem damit haben. Das Gehäuse beschlägt durch die entstehende Wärme des Geräts. Es scheint ungefähr die häufigste Frage zu sein, die für diese Kamera gestellt wird: Wie verhindert man, dass das Gehäuse beschlägt? In den FAQs auf der Hersteller-Website fehlt diese Frage dennoch, dafür hat man dort einen Stapel Fragen, von denen ich mir unmöglich vorstellen kann, dass sie jemand stellen würde. Wenn das wirklich "häufig" gestellte Fragen wären, dann müssten die Käufer der Kamera schon selten dämlich sein. Ich denke eher, dass das ein paar banale Fragen und Antworten sind, die der Hersteller sich selbst ausgemalt hat. Dass die Frage nach dem Beschlagen des Gehäuses aber nicht auftaucht, sagt mir irgendwie, dass der Hersteller nicht wirklich auf die Fragen der Käufer einzugehen scheint. Stattdessen ignorieren sie diese Fragen und hoffen wohl, dass man das diverse Zusatz-Equipment der Kamera kauft. Da gibt es nämlich eine ganze Menge: Weitere Befestigungsteile, Ersatz-Akku - und irgendwelche Teile, die man ins Gehäuse legen soll, damit es nicht beschlägt. Wenn dieses Problem Standard ist, wieso legt man ein paar solcher Teile nicht gleich mit in die Verpackung? Kundenfreundlichkeit sieht anders aus ...

Im Internet fand ich jedenfalls verschiedene Theorien. Es gibt neben dem geschlossenen auch ein hinten offenes Gehäuse. Das scheint aber keine Lösung zu sein, also habe ich es gar nicht erst getestet. Ich sehe die Kamera während der Fahrt nicht, da ist es mir lieber, wenn sie rundum geschlossen ist. Es gab noch einen Tipp mit Reis im Gehäuse, aber das sorgte nur für mehr klappernde Nebengeräusche. Der entscheidende Tipp war dann ein Streifen Alufolie, den man auf der Rückseite ins Gehäuse tut. Sicherheitshalber etwas weiches Papier drunter, falls sich an der Alufolie Wassertropfen bilden sollten, damit sie dann vom Papier aufgesaugt werden. Das war aber scheinbar gar nicht nötig. Die Alufolie konzentrierte zwar scheinbar als neuer kältester Punkt im Gehäuse die entstehende Wärme, aber ohne Bildung von Wassertropfen. Ein simpler Streifen Alufolie also - und schon beschlägt das Gehäuse nicht mehr. Da hätte der Hersteller gleich einen fest eingearbeiteten Alustreifen in die Gehäuserückseite integrieren können. Aber da sieht man eben, wie der Hersteller gestrickt ist: Die wollen nicht nur die Kamera verkaufen, sondern auch lauter zusätzliche Dinge. Gewinnoptimierung nennt sich das. Verständlich aus Herstellersicht, aber ich bin nunmal der Kunde. Was wurde aus "Der Kunde ist König?"

Mit der Alufolie funktioniert die Kamera jetzt jedenfalls weitestgehend so, wie sie sollte. Nur Panoramaaufnahmen kann man leider vergessen. Die Kamera hat natürlich keinen Zoom. Wie sollte man den auch bedienen während der Fahrt? Aber der Standard-Zoom ist leider sehr mickrig. Ich würde sagen, das ist maximal 0.5 des menschlichen Auges. Objekte in der Ferne, z.B. ein großer Turm oder ein Greifvogel, erscheinen sehr winzig oder sind gar nicht mehr zu erkennen. Man kann also nur die unmittelbare Umgebung aufzeichnen, der Blick in die Ferne ist leider nicht ansatzweise mit der Realität zu vergleichen, was ich sehr schade finde. Es gibt einige sehr tolle Stellen in meinem Trainingsrevier, von dem aus man einen super Blick übers Land hat. Leider kann ich diesen Blick mit dieser Helmkamera nicht einfangen.

Nachdem ich jetzt Pro & Contra für meinen Verwendungszwecke abgearbeitet habe, noch etwas allgemeineres dazu. Auf einem Bild des GCC in Bremen habe ich jemanden gesehen, der scheinbar genau das gleiche Teil wie ich hatte. Aber wohl gemerkt: Das war nicht bei einem Einzeltraining, sondern bei einem Rennen!!! Um es vorwegzunehmen: Ich selbst würde bei einem Rennen niemals mit dieser Helmkamera fahren. Vielleicht mit einer anderen, die idealerweise nur ein Knopf wäre ;)

Die Kamera macht sich vom Gewicht her deutlich bemerkbar, weshalb man sich bei Rennen mit Höhenmetern ein unnötiges Handycap antut. Allerdings bewegt man auch seinen Kopf nicht so frei, weshalb ich die Kamera nicht einmal bei einem Gruppentraining tragen würde. Fährt man allein, ist das noch okay, aber in der Gruppe und speziell bei Rennen sehe ich hier eine potenzielle Gefährdung anderer Fahrer, weil Übersicht und Reaktion verschlechtert sein könnten. Man wendet den Kopf nicht so weit und nicht so schnell - und schon könnte es krachen, während man mit "normaler Kopffreiheit" vielleicht noch reagieren und ein Unheil verhindern könnte. Ich möchte auch nicht wissen, ob diese Kamera mit ihrem Gehäuse bei einem Sturz ein zusätzliches Verletzungspotenzial darstellt.

Das wären also meine Contras, wobei meine Sicherheitsbedenken vorrangig sind. Allerdings möchte ich mit einem Pro abschließen: Wenn Fahrer so ein Teil im Rennen tragen und das Video hinterher im Netz veröffentlichen, dann ist das eine tolle Sache. Ich habe mir vor allem die Helmkamera-Videos zum GCC in Schleiz angesehen und das half mir auch etwas bei der Vorbereitung auf die Abfahrt runter nach Railla, vor der ich ja ziemlichen Bammel hatte. Das Helmkamera-Video nahm mir die Angst aber zum Großteil. Und man kann sich eben die Rennstrecke ansehen, ohne dass man sie tatsächlich abfahren muss. Eine ähnliche Aufnahme, nur aus dem Auto heraus, fand ich für den Hesselberg. Ich konnte mir die Schlusssteigung daher ansehen und einprägen, was mir im Rennen natürlich super geholfen hat. Dadurch konnte ich mir die Kräfte nahezu optimal einteilen und am Ende auch die bestmögliche Platzierung holen, die für mich an dem Tag drin gewesen ist. Aufnahmen von den Rennstrecken selbst sehe ich mir also sehr gerne an und bin den Machern dieser Videos auch sehr dankbar. Ich hoffe halt, dass das nicht ihre Zielsetzung für die Rennteilnahme schmälert (falls sie auf Platzierung fahren wollten) und dass auch durch das Tragen einer Helmkamera kein Sturz verursacht wird. Solange alle heil bleiben, kann man sich über diese Aufnahmen freuen. Das Geschrei ist halt immer dann erst groß, wenn man doch etwas passiert ist. Hoffentlich bleibt das der Jedermannszene erspart, es gab dieses Jahr genügend tragische Stürze.

Samstag, 18. August 2012

Finito 2012

Am Saisonende gehe ich gerne noch mal auf eine Erkundungstour durch unbekanntes Gebiet, was natürlich von Jahr zu Jahr schwieriger wird. Nachdem ich bei den Anfahrten zu diversen Rennen entlang der A6 immer wieder einige Straßen und Hügel gesehen hatte, die ich schon immer mal mit dem Rennrad abfahren wollte, habe ich mich heute auf eine Strecke mit 86,5 km begeben. Erstmals bin ich im Einzeltraining also über 80 km gefahren! Und am Ende musste ich ganz klar sagen: Finito!

Es ist nichts mehr im Tank. Für meine Saisonabschlussfahrt am Hesselberg ging es gerade noch so, aber jetzt ist es wirklich übel. 130er Durchschnittspuls, 25er Durchschnittsgeschwindigkeit - auch wenn man meine normalen (bzw. guten) Werte nicht kennt und man auf die Schwierigkeit der Strecke Rücksicht nehmen sollte, so sollte man anhand dieser Werte dennoch gleich erkennen können, dass bei mir gar nix mehr geht. Also beginne ich jetzt meine 3-wöchige "Saisonpause", die gleichzeitig der ärztlichen Anordnung wegen meines Knies entspricht.

Vielleicht noch ein Nachtrag zu Hesselberg: 2009 hatte ich nach 80 km noch einen 43er-Schnitt. 5 km später brach ich ein und quälte mich 15 km zum Beginn des Schlussanstiegs - allein! Schnitt: Immer noch 41 km/h. Dummerweise hatte ich den Anstieg auch noch total unterschätzt und eierte dann mit einer Übersetzung von 39/21 hoch, weil ich dachte "Ach, das geht schon mit 21." Tja, ein nahezu epischer Irrtum. Wer den Hesselberg als Hobbyfahrer schon raufgefahren ist (unter Rennbedingungen, also nicht larifari, sondern mit möglichst viel Pepp - also idealerweise als Teilnehmer bei Tour de Hesselberg), der kann sich bestimmt vorstellen, dass 39/21 nicht die richtige Übersetzung für diese letzten 2 km ist. Oben angekommen hatte ich noch einen 39er Schnitt.

Als ich dann vor dem Rennen mal die Ergebnisliste des Vorjahres studierte, errechnete ich ungefähr einen 37er-Schnitt. Ich dachte also, dass ich das Grundtempo locker würde mitgehen können. So locker war es dann aber doch nicht. Auch ein Indiz dafür, dass ich schon nicht mehr in der besten Verfassung war. Keine Ahnung, mit welchem Schnitt wir unten ankamen - ich denke, irgendwas mit 39. Oben waren es dann ja noch 37. Ich war einige Sekunden schneller als die Siegzeit des Vorjahres. Aber von meiner Leistung 2009, die eigentlich gar nicht sonderlich gut war, bin ich dennoch ein Stück entfernt gewesen. Dafür konnte ich mit 39/28 wesentlich souveräner hochfahren, auch wenn es natürlich immer noch eine ziemliche Qual war. Diese Qual kommt im Rennvideo auch gar nicht rüber. Weder bei uns auf der 42er-Strecke, noch auf der 82er-Strecke. Sehe ich dann das lockere Finish und die entspannten Gesichtszüge bei Caroline Kopietz, die gleich direkt hinter zwei meiner Vereinskollegen ins Ziel kam, denen man wiederum die Anstrengung deutlich im Gesicht ansehen konnte, würde ich aber vermuten, dass Caroline bei weitem nicht so eine Qual empfunden haben muss wie die meisten Fahrer. Die wäre wohl am liebsten noch 10 Kilometer weiter bergauf gefahren. Das hat mich echt stark überrascht, hatte ich sie Anfang 2011 schließlich auch schon bei einigen Rennen gesehen, wo sie aber speziell an den Steigungen einen ziemlich schwachen Eindruck hinterlassen hatte. Vielleicht eine reine Formfrage. Ich komm ja auch erst ab Juni in Form, vorher fahren ich nur gnadenlos hinterher. Jedenfalls war Caroline bärenstark diesmal. Hammer!

Aber eigentlich wollte ich nur sagen: Der Hesselberg lief für mich deutlich besser als 2009, auch wenn es erneut eine Qual war. Und heute war es die letzte Qual der Saison. Es ging irgendwie ständig auf und ab. Rasante, kurvige Abfahrten, auf denen ich natürlich viel Bremsgummi verbrauchte, weil die nicht gesperrte Straße nunmal keine Rennstrecke ist. Bitte immer daran denken! Gilt auch für RTFs und Marathons!!! Ohne Streckensperrung ist es KEINE Rennstrecke und dann sollte man die Fahrweise vernünfterweise auch anpassen! Dieses Jahr gab es einfach viel zu viele tragische Unfälle auf nicht abgesperrten Straßen ....

Jedenfalls hatte ich schon recht früh, noch bevor ich nach Poppberg kam, eine super Panorama-Aussicht bei Troßdorf. Einfach nur herrlich. Die Unterriedener Autobahnbrücke war sehr imposant von unten anzusehen. Danach lag in einer dunklen, bewaldeten Abfahrt plötzlich ein abgebrochener Ast auf meiner Fahrbahnseite - aber kein Problem, ich sah ihn rechtzeitig und die Strecke war zum Glück gerade. Dennoch ist so was natürlich gefährlich. Komisch, dass der Autoverkehr den Ast nicht schon von der Straße gekickt hatte. Fiel der etwa erst kurz vor mir nach unten?!?

Hinter Raschbach ging es dann in eine richtig steile Rampe und zu Beginn fühlte ich mich sogar fast wie in Mittelerde: Riesige freigelegte Baumwurzeln inmitten von Gestein am Straßenrand und das Baumdach ließ es Nacht werden - echt gruselig! Aber beeindruckend. Bei Offenhausen wollte ich dann rüber nach Kruppach über eine vermeintlich geteerte Straße über den Hügel abkürzen. Okay, zunächst mal war das kein Hügel. Der Stöppacher Berg ließ grüßen. Ähnlich steil, vielleicht nicht ganz so sehr, dafür aber länger. Ich musste NICHT schieben! JUHU!!! Aber ganz oben fuhr ich plötzlich über ein Stück Feldweg und schien vorne schon Reifendruck zu verlieren. Zum Glück kam ich aber doch ohne Reifendefekt durch und durchfuhr bei der Abfahrt eine beeindruckende Serpentine, die irgendwer in den Hang gefräst hatte. Die Steigung rauf zum Deckersberg war dann eher Kinderspiel, aber es war auch die einfachste Variante. Die Abfahrt runter nach Happurg wollte dann scheinbar gar nicht enden - kann mich kaum an eine so lange Abfahrt erinnern. Als Anstieg sicherlich interessant, aber als Abfahrt im normalen Training eher uninteressant. Nur bei gesperrter Strecke wäre das was anderes ;)

Am Ende kroch ich möglichst flach zurück. Ich war dann schon langsam in dem Bereich, wo ich 5 bis 10 km lang die Schwäche kommen spüre - und bei 79 km machte es BOFF!!! Aber das war ja nur logisch, da meine Trainingsgrundlage nur bei etwas über 70 Tageskilometern liegt. Und das erklärt auch, warum mir die 82 km am Hesselberg einfach ein Stück zu lang sind. Was nützt es denn, wenn ich wie 2009 zu Beginn der letzten Runde einen super 43er-Schnitt habe und noch im Feld bin, dann aber beim Finish schon längst eingebrochen bin? Man sollte dort starten, wo man konkurrenzfähig ist. Das gilt für Distanzen und für die ewig Frage: Lizenz oder Hobby?

Donnerstag, 16. August 2012

Tour de Hesselberg 2012 - Nachbetrachtung

Nach dem Aus des GCC in Nürnberg hatte ich es ja schon gesagt: Tour de Hesselberg ist ab sofort das größte Jedermannrennen Bayerns. In anderen Bundesländern, speziell in den GCC-Bundesländern, würde man vermutlich über 82 km als Landistanz und 42 km als Kurzdistanz lachen. Dort wären 82 km eher die Kurzdistanz und eine A-Klassen-Distanz von jenseits der 100 km bilden dann die Langdistanz. Auch bei zusammen ungefähr 200 Startern würde man wohl eher lachen, weil alles unter 1000 als "kleines Rennen" gelten würde. In Bayern ticken die Uhren aber eben anders - und generell vernünftiger.

Sagen wir es doch mal klar, wie es ist: Wenn man so viel Zeit hat, um sich die Trainingsgrundlage für Rennen jenseits der 100 km zu erarbeiten, dann ist man kein Hobbyfahrer mehr, sondern schon Amateur - egal ob mit Lizenz oder nicht. Die angebotenen Distanzen bei Tour de Hesselberg sind somit wesentlich realistischer als beim GCC. Denn dort hat man teilweise Rennen über 70 oder 80 km, die als Kurzdistanz bezeichnet werden. Für Lizenzfahrer mag das gelten, aber für Hobbyfahrer kann das ja wohl kaum ernst gemeint sein! In Gesprächen mit den meisten Hobbyfahrern hört man schließlich immer wieder "Keine Zeit" als Argument, weshalb man nicht längere Rennen oder gar Lizenzrennen fahren kann. Ich kann es natürlich nachvollziehen: 60 bis 70 Kilometer sind meine Trainingseinheiten meistens lang. Das ist die Trainingsgrundlage, die auch die Marschroute für die fahrbaren Renndistanzen vorgibt. Man kann natürlich auch längere Distanzen in Angriff nehmen, würde aber ungefähr ab Ende der Trainingsgrundlage ziemlich einbrechen und dann nur noch wie ein Häufchen Elend Richtung Ziel eiern. Die Augen sind bekanntlich oftmals größer als der Magen, weshalb z.B. in Schleiz auch immer wieder Fahrer voller Begeisterung auf die 145er-Strecke gehen, dann aber nach 75 km total entkräftet vom Rad steigen. Bei Tour de Hesselberg orientieren sich die Renndistanzen deutlich realitätsnäher an den Trainingsumfängen von Hobbyfahrern. Es ist nunmal ein Rennen, das sich wirklich an Breitensportler richtet. Beim GCC hingegen richtet man sich an Amateurfahrer ...

Hier haben wir also auch schon einen großen Unterschied zwischen Bayern und "dem Rest der Welt" bzw. den GCC-Bundesländern: Jedermann versteht man in Bayern nach wie vor als Breitensport und Amateure sollen bei Lizenzrennen an den Start gehen. So meiden viele Lizenzfahrer in Bayern die Teilnahme an Jedermannrennen, weil ihnen so etwas peinlich wäre. Das muss es zwar nicht unbedingt sein, sind doch sowieso nur C-Fahrer startberechtigt. Aber so ist das eben in Bayern. Und aus Sicht eines Hobbyfahrers sehe ich dann auch kein Problem damit, wenn ein Jedermannrennen nicht durch notorische Aufstiegsverweigerer kaputtgemacht wird. Es sind weitestgehend nur solche C-Fahrer am Start, die bei Lizenzrennen nur hinterherfahren und mit denen man sich als Hobbyfahrer weiterhin auf Augenhöhe messen kann. Man kann länger und oftmals bis zum Ende mit der Spitze mithalten und muss sich nach dem Rennen nicht nur erzählen lassen, wie denn das "eigentliche Rennen" gelaufen ist. Insofern ist Tour de Hesselberg ganz gewiss kein "kleines" Rennen, sondern hat genau die richtige Größe.

Die vermeintlich geringe Teilnehmerzahl, die in Wirklichkeit aber nunmal die größte Teilnehmerzahl bei einem Jedermannrennen in Bayern ist (auch auf der Kurzdistanz mit ca. 70 Startern), ist also als vernünftiger zu bezeichnen. Das theoretische Limit würde wohl bei 300 liegen, glaube ich. Das ginge auch noch. Es verringert einfach das Sturzrisiko. Während man bei GCC-Rennen IMMER von den ganzen Stürzen hört, habe ich selbst gar keinen Sturz mitbekommen und nur ein Fahrer unseres Vereins berichtete davon, dass er in einen Straßengraben gedrängt wurde und dadurch zu Fall kam. Ansonsten gab es keine sonderlich nervöse Fahrweise oder gar starke Bremswellen, wie man sie in den überfüllten GCC-Feldern standardmäßig erleiden muss. Das heißt aber noch lange nicht, dass es hier und da nicht auch eng wurde. Enge Fahrweise gehört zu einem Radrennen eben dazu, das ist bei Tour de Hesselberg natürlich nicht anders. Aber: Es ist eben nicht ZU ENG, weil man aufgrund der Größe des Fahrerfeldes nicht ganz so sehr wie Sardinen in der Büchse zusammengepfercht fahren muss ...

Tour de Hesselberg war also das größte Jedermannrennen Bayerns 2012 - und ist in diesem Umfang auch goldrichtig! Als Veranstalter will man natürlich immer mehr Fahrer und somit mehr Startgebühren haben, aber aus Fahrersicht ist der Umfang der Veranstaltung wirklich optimal. Einzig das Fehlen einer Teamwertung auf der Kurzdistanz ist ärgerlich - und die seltsame Handhabe der Teamwertung auf der Langdistanz: Die schnellsten drei Fahrer eines gemeldeten Teams sollen gewertet werden. Schön und gut. Aber wieso werden dann der 4.-, 5.- und 6.-schnellste Fahrer des gleichen Teams auch noch gewertet und zu einem "Team 2" gemacht?!? Handelt es sich dabei um das einzige Lizenzteam im Fahrerfeld, dann kann es schon mal sein, dass die Nummern 4 bis 6 in der Endabrechnung vor dem eigentlichen drittstärksten (Hobbyfahrer-)Team liegen und diesem somit die Teilnahme an der Siegerehrung verwehren. Das ist nicht die Schuld des Lizenzteams, das ja nicht die Regeln macht, aber hier vermiest es sich der Veranstalter mit den Jedermannteams. Es macht den Platz auf dem Siegerpodest unnötigerweise enger als nötig und auf der Kurzdistanz gibt es generell keinerlei Anreiz für eine Teambildung. Dann fährt man eben nur alleine als Solist mit und überredet nicht extra noch 2, 3 weitere Fahrer zur Teilnahme. Der Veranstalter schneidet sich hier ins eigene Fleisch ...

Während es beim Thema "Teamwertung" also Verbesserungsbedarf gibt, läuft es bei Tour de Hesselberg ansonsten bestens. Vorerst zumindest noch. Denn es wurde gemunkelt, dass das Rennen zum letzten Mal durchgeführt wurde. Da ist Tour de Hesselberg nach dem Aus des GCC-Rennens in Nürnberg gerade erst zum größten Jedermann-Ereignis Bayerns geworden, zu dem Highlight der Jedermannszene in Bayern, da scheint sich die Hierarchie in Bayern schon wieder neu ordnen zu müssen. Sollte Hesselberg wirklich nicht mehr stattfinden, gibt es eigentlich keinen richtigen Nachfolge-Kandidaten. Cadolzburg mit 50 km Länge und auch um die 50 Startern wäre einer der Kandidaten, aber in Südbayern gibt es z.B. den Giro Elkofen, der wohl über ähnliche Teilnehmerzahlen verfügt. Leider findet das Rennen wirklich sehr weit südlich in Bayern statt und überschneidet sich zudem jedes Jahr mit dem Doppel-Wochenende Altenkunstadt/Strullendorf in Nordbayern, weshalb Elkofen sicherlich die notwendige Mischung an Fahrern aus ganze Bayern fehlt, um als die neue Nummer 1 durchgehen zu können.

Hoffentlich bleibt uns Tour de Hesselberg also erhalten, dann braucht man sich nicht zu streiten, welches Jedermannrennen in Bayern nun der Status Quo ist. Und irgendwie würde man auch fast den ungewöhnlichen Dresscode bei Tour de Hesselberg mit all den ärmellosen Trikots und Kniestrümpfen vermissen ... ;)