Disclaimer - wenn man so will

In meinem Sport-Blog schreibe ich über meine Sporterlebnisse teilweise ernsthaft, teilweise aber auch mit überspitztem Humor - den Unterschied sollte man erkennen, wenn man mich persönlich kennt ;) Generell gilt: Wer die Dinge, die ich hier schreibe, zu ernst nimmt, ist selbst schuld ;)

Teams 2018

Team 2018

2018 fahre ich Lizenzrennen für RMV Concordia Strullendorf 1920 e.V. und ausgewählte Jedermannrennen

Sonntag, 12. Juli 2015

Hobby vs Lizenz - Stand 2015

Nachdem ich heute mal wieder eine Ausschreibung sah, bei der die Startgebühr für Lizenzfahrer höher als für Hobbyfahrer ist, muss ich mal etwas dazu schreiben, wie es denn im Jahre 2015 um die Glaubensfrage "Hobby oder Lizenz" bestellt ist.

In der Vergangenheit war es ja so, dass Hobbyfahrer höhere Startgebühren hatten, dafür aber keinem Verein angehören mussten und auch keine Lizenz benötigten. Sowohl eine Vereinsmitgliedschaft als auch eine Lizenz kosten den Fahrer ja Geld. Die Startgebühren waren früher aber nunmal niedriger, weshalb es sich für Vielfahrer eigentlich schon lohnte, dass man einem Verein beitrat (in der Regel 30 Euro und aufwärts pro Jahr) und eine Lizenz nahm (12 Euro laut BDR-Gebühren-Katalog - ich weiß gar nicht, ob ich auch 12 Euro oder einen anderen Betrag gezahlt habe, aber egal). Jetzt hat sich das geändert. Die Vereine (!) verlangen jetzt von Lizenzfahrern ähnliche oder sogar höhere Startgebühren als von Hobbyfahrern. Somit ist ein Argument für den Vereinsbeitritt für Hobbyfahrer durch die Vereine selbst (!) eliminiert worden. Schon etwas komisch, denn mir sind keine Radsportvereine bekannt, die in den letzten Jahren ein Problem mit zu vielen Neumitgliedern hatten. Jedenfalls ist die Strategie hier klar zu erkennen: Die Vereine versuchen sich vor Neumitgliedern zu schützen. Klingt komisch, ist aber scheinbar so.

Im Jahr 2015 macht es für Hobbyfahrer also weniger Sinn denn je, einem Verein beizutreten. Eine merkwürdige Entwicklung, die ich so nicht erwartet hatte. Ich hätte eher damit gerechnet, dass die Vereine, die Rennen veranstalten, Hobbyfahrern mit nachgewiesener Vereinsmitgliedschaft günstigere Startgebühren als Hobbyfahrern ohne Verein anbieten würden, um auf diese Weise Hobbyfahrern eine Vereinsmitgliedschaft schmackhafter zu machen. Nur müsste das dann eben auch die Zielsetzung der Vereine sein: Hobbyfahrer als Vereinsmitglieder gewinnen. Es gibt aber mittlerweile offensichtlich Vereine, die andere Ziele verfolgen. Weniger Mitglieder, weniger Helfer für die eigenen Rennen, weniger Vereinsfahrer im "Peloton" - da hat man dann auch weniger Papierkram.

Gleichzeitig bedeutet all das aber auch, dass die entsprechenden Vereine, die Lizenzfahrer stärker zur Kasse bitten als Hobbyfahrer, aktiv zum anhaltenden Jedermann-Boom beitragen, also den profitorientierten kommerziellen Veranstaltern der großen Jedermannrennen in die Karten spielen. Komisch, eigentlich lästern die Vereine ja nur über diese Rennen und deren Veranstalter, aber jetzt machen sie sowohl Hobby- als auch Lizenzfahrern die Teilnahme an Jedermannrennen immer attraktiver. Durch die höheren Startgebühren bei Lizenzrennen ist der Preisunterschied eben geringer, allerdings bekommt man bei den (großen) Jedermannrennen ja auch immer noch Starterbeutel mit einigen Goodies, die durchaus auch nochmal 5 Euronen wert sind. Teilweise vielleicht sogar mehr als 5. Die hohen Startgebühren bei den Jedermannrennen sind also gar nicht mehr so sehr der "blanke Wucher" wie in den letzten Jahren. Das ist komisch, das ist unerwartet, das ist verrückt - und auch selbstzerstörerisch seitens der Vereine, die sich somit der eigenen Lebensgrundlage berauben. Und das ist vor allem Futter für all diejenigen, die grundsätzlich gegen das Konzept von Vereinen sind.

Aber mal abgesehen von der Preispolitik und den damit gesetzten (schlechten) Zeichen: Es gibt da noch ein anderes Problem, das 2015 noch so aktuell wie bereits 2005 ist! Denn es ist so: Selbst im Jahr 2015 wissen noch immer nicht alle Fahrer, was der Unterschied zwischen Lizenz-, Jedermann- und Hobbyklasse ist. Dabei ist das in den WBs des BDR klar definiert. Dennoch hat es dieses Jahr mal wieder ein Lizenzfahrer fertig gebracht, dass er bei einem Hobbyrennen am Start war. Ich sage nicht, welcher Fahrer das war. So was muss man ja im Endeffekt selbst wissen, was das einem bringt und was die möglichen Konsequenzen davon sind. Aber die Sache ist ja generell ein Verstoß, die, so weit ich weiß, 100 Euro Geldstrafe und 2 Wochen Sperre nach sich zieht. Das ist zumindest die Strafe, wenn man als Lizenzfahrer an "wilden" Rennen teilnimmt, also an Rennen, die nicht über den Verband ausgeschrieben wurden. Ob das dann auch die gleiche Strafe ist, wenn ein Lizenzfahrer an einem Hobbyrennen teilnimmt, weiß ich nicht genau. Und warum weiß ich das nicht so genau? Weil ich das nur dann genau wissen müsste, wenn ich einen solchen Verstoß vorhabe, was aber nicht der Fall ist. Ich informiere mich nur über die Dinge, die mich direkt betreffen. Dazu gehört nunmal auch, bei welchen Rennen ich startberechtigt bin und bei welchen nicht. Das weiß ich also.

Wie aber fällt so etwas überhaupt auf, dass ein Lizenzfahrer bei einem Hobbyrennen mitfährt? Der BDR lässt zwar die Hobby- und Jedermannrennen ganz normal zusammen mit den Lizenzrennen auf rad-net AUSSCHREIBEN, aber bei den ERGEBNISSEN verlangen sie von den Vereinen nur die Lizenzrennen. Hobby- und Jedermannrennen sind freiwillige Angaben und werden meistens unter den Tisch fallen gelassen. Würde der BDR das zur Pflicht machen, würden die entsprechenden Lizenzfahrer vom System automatisch erkannt und dann würde es mehr oder weniger auch automatisch eine Strafe geben. Der BDR könnte hier also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Er hätte einen besseren Ergebnisdienst als sein großer Konkurrent im Hobby- und Jedermannbereich, das Challenge-Magazin, und er könnte "Straftäter" leicher erwischen. Momentan muss so jemand ja erst noch extra von jemandem beim Verband angezeigt werden. Aber da kann der Verband lange drauf warten, dass ich da jemanden anschwärze. Ich spreche die Problematik anonym an und gebe einen Denkanstoß. Auf welchem Leistungsniveau sieht man sich selbst bzw. will man sich versuchen? Hält man nur 15 Karussellrunden durch oder hat man auch die Fitness für 50 Runden oder sogar noch mehr? Das muss man jeweils vor Beginn der Saison für sich selbst entscheiden. Dann folgt die Wahl zwischen Lizenz oder Hobby. An Jedermannrennen kann man als "Mittelding" ja sowieso immer teilnehmen, egal ob mit oder ohne Lizenz. Also wenn man ein echter Hobbyfahrer ist, meine ich. Denn echte Hobbyfahrer steigen ja sowieso nicht in die B-Klasse auf, wo sie dann nicht mehr für Jedermannrennen startberechtigt wären.

Nur um auf die Sache mit den zwei Fliegen für den Verband zurückzukommen: Wieso sollten Einzelpersonen oder Vereine die Arbeit des Verbandes erledigen? Wenn Lizenzfahrer gegen irgendetwas verstoßen, dann soll der Verband das schon selbst mitbekommen. Wenn er es nicht mitbekommt, dann kommen die Fahrer eben ungeschoren davon. Dank des seit Jahren bestehenden Ergebnisdienstes auf rad-net wäre das für den Verband eine Leichtigkeit. Wobei pfiffige Lizenzfahrer das dann immer noch umgehen könnten, indem sie einen falschen Namen oder ein falsches Geburtsjahr angeben. Als Lizenzfahrer kann man also sicherlich relativ einfach und auch straffrei an Hobbyrennen teilnehmen. Aber ob das einem was bringt, sei halt mal dahingestellt. Mir persönlich würde es nix bringen, also mach ich so einen Blödsinn auch nicht. Wenn ich für eine Saison eine Lizenz nehme, wie in diesem Jahr geschehen, dann gehe ich auch bei keinem Hobbyrennen an den Start. Hatte im Winter sowieso keinen einzigen festen Start bei einem Hobbyrennen im Terminkalender, insofern war das ja auch eine einfache Entscheidung dieses Jahr. Aber selbst in diesem Jahr 2015 gibt es eben immer noch Fahrer, die als Lizenzfahrer bei Hobbyrennen mitfahren. Tja...

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