Disclaimer - wenn man so will

In meinem Sport-Blog schreibe ich über meine Sporterlebnisse teilweise ernsthaft, teilweise aber auch mit überspitztem Humor - den Unterschied sollte man erkennen, wenn man mich persönlich kennt ;) Generell gilt: Wer die Dinge, die ich hier schreibe, zu ernst nimmt, ist selbst schuld ;)

Team 2019

Team 2019

2019 fahre ich Lizenzrennen für RMV Concordia Strullendorf 1920 e.V. und ausgewählte Jedermannrennen

Montag, 27. Juli 2015

Bericht und Video Schmölln

Letzte Woche bereits stand das Straßenrennen in Schmölln über 74 km für Jedermann statt. Im Vorjahr waren es ungefähr 70 Starter und 58 Finisher, dieses Jahr 58 Starter und 50 Finisher. Der wichtigste Unterschied: Dieses Jahr war ich einer der Finisher! ;)

Die Vorzeichen konnten aber kaum unterschiedlicher sein. Im letzten Jahr stand ich in einer richtig guten Verfassung am Start und konnte mich auch bis zu dem Sturz im Hauptfeld halten - trotz des von Anfang an sehr selektiven Kurses. Dieses Jahr war ich zwei Wochen lang ganz schön "breit" und konnte zwischendurch nicht intensiv fahren. Keine guten Voraussetzungen, wenn man also quasi gleich von 0 auf 100 durchstarten muss.

Am Start war ich relativ gut positioniert und nahm rechts von mir einen Fahrer wahr, der sich am Absperrgitter festhielt, weil er schon beide Schuhe eingeklickt hatte. Wenn ich so was sehe, muss ich immer an zwei Dinge denken: Zum einen, dass das laut WBs (oder Sportordnung?!?) verboten ist (aber es ist noch nie jemand dafür sanktioniert wurden, also kann man dieses "Verbot" gekonnt ignorieren), zum anderen, dass ich das 2008 in Aichach mal selbst probiert hatte. Dass das theoretisch verboten ist, obwohl es praktisch jeder tun darf, der das will, ist nicht der Grund, dass ich das seit Aichach nicht mehr tue. Nein, der Grund ist eher, dass ich beim Losfahren fast gestürzt wäre. Man lässt halt los, hat aber noch keine Geschwindigkeit - und schon verliert man das Gleichgewicht zur Seite. Tja, und genau das ist dem Kollegen hier auch passiert. Leider fuhr er dabei direkt vor mein Vorderrad, weshalb ich gleich nochmal abbremsen musste, nachdem ich mich nach dem Startsignal gerade erst abgestoßen hatte und in den Sattel setzen wollte. Hmpf. Wenigstens konnte er sich genau wie ich 2008 in Aichach auf dem Rad halten und weiterfahren, wodurch ich nicht allzu viele Positionen durch diesen "Fehlstart" verlor. Allerdings war das noch nicht alles: Nach weiteren 20 Metern, als ich eigentlich ganz rechts neben dem Absperrgitter fuhr, knallte mir von rechts jemand gegen den Lenker. "Was zur Hölle", dachte ich mir natürlich. Es passierte zum Glück auch hier nix weiter, aber ein Positionskampf bei einem Rennen über 74 km schon nach 20 Meter, der so knallhart gefahren werden muss, dass man einen anderen Fahrer einfach durch einen Schlag gegen den Lenker wegboxt? Muss das sein?!? Ich selbst war generell nicht im Positionskampf-Modus, weil ich erst mal nur möglichst locker zur ersten Steigung am Ortsausgang rollen wollte. Machte ja auch überhaupt keinen Sinn, dass man schon vorher Energie verpulverte.

Im Gegensatz zum Vorjahr gab es keine neutralisierte Phase, es ging gleich normal los. Komischerweise war das Tempo in der ersten Steigung dieses Jahr aber niedriger, weshalb ich relativ locker mehrere Positionen gutmachen konnte. Nachdem ich ja durch die zwei Vorfälle beim Start gleich mal etwas durchgereicht wurde, war das jetzt schon wichtig, dass ich wieder etwas nach vorne kam. Danach ging es weiterhin langsamer als im Vorjahr weiter, was mir aufgrund der fehlenden Härte durch die knapp zweiwöchige Zwangspause natürlich ganz gut gefiel. Kurz vor Kummer war das Tempo immer noch recht niedrig, zumal wir an der Stelle auch gegen den mörderischen Wind fuhren, der heute wehte. Ich ließ mich also nicht lange bitten und fuhr im Feld fast bis ganz nach vorne, um nicht wie im Vorjahr durch "kreuzende" Fahrer in der Links-Rechts-Kurvenkombination gefährdet zu werden. Vorne im Feld konnte ich schön auf der gewählten Fahrlinie (links außen) bleiben, ohne dass da irgendjemand für unnötigen Stress sorgte. In der Gegensteigung mit dem Kopfsteinpflaster in der Mitte und den schmalen Asphaltstreifen außen wählte ich dann die linke Seite, weil ich letztes Jahr auf der rechten Seite nicht so zufrieden war. Allerdings sollte sich die linke Seite als die schlechtere entpuppen: Es ragte einiges Gebüsch recht weit in die Fahrbahn, was mich irritierte. Der Tritt war auch generell nicht gut in dem Abschnitt, weshalb ich gar nicht erst versuchte meine Position zu halten. Es schossen mehrere Sprinter an mir vorbei ... äh ... ich meine einfach, es schossen mehrere Fahrer an mir vorbei. Erinnerte mich zwar ein bisschen wie bei einem Wertungssprint bei einem Kriterium, aber das war es nicht. Echt komisch, denn da waren bestimmt so einige Fahrer dabei, die jetzt mit mehr km/h diese kleine Steigung hochknallten als sie bei einem flachen Wertungssprint bei einem Kriterium fahren würden. Es kam mir jedenfalls so vor, als ob ich stehen würde. Dennoch blieb ich ruhig, denn ich fuhr ja an Position 3 in die Steigung und wir waren fast 60 Fahrer. Oder auch nicht?!?

Endlich oben angekommen, wartete die nächste flache Gegenwindpassage, in der letztes Jahr Einerreihe gefahren wurde. Das war auch dieses Jahr wieder so. Dummerweise war ich an dieser Einerreihe aber nicht mehr dran, denn es fuhren keine Fahrer mehr an mir vorbei. Ich war also der erste Fahrer mit einigen Metern Rückstand zum Hauptfeld! Dabei hatte ich nur etwa 20 bis 25 Fahrer vor mir geschätzt. Kurz darauf kamen aber doch noch zwei Fahrer von hinten - aber mehr erst mal nicht! Was war hier bloß los?!? Zu dritt konnten wir das Loch nicht schließen, der Rückstand wuchs Sekunde um Sekunde. Die Selektion war also wirklich enorm. Das halbe Starterfeld war jetzt schon abgehängt - nach ungefähr 10 km?!? Wahnsinn! Der extreme Gegenwind dürfte sicherlich auch das seinige dazu beigetragen haben.

Naja, so war ich vor der verhängnisvollen Abfahrt des Vorjahres nicht mehr im Hauptfeld, was die Sturzgefahr wenigstens verringerte. Es schlossen noch ein paar Fahrer auf und wir waren dann wohl so 7 oder 8 Fahrer. Die Abfahrt war dadurch kein Ding, es hat sich auch kein einziger Fahrer erschrocken und/oder verbremst. Alles ganz easy. Und so verliefen die weiteren Runden im Endeffekt dann auch. Immer das gleiche Schema: Vor und nach Kummer verreckten wir im extremen Gegenwind, ansonsten bemühten wir uns generell einfach um eine gemeinsame Bewältigung der verbleibenden 3 Runden, gefährlich wurde es nirgendwo. Die "Sturz-Kurve" fuhr ich dann sogar immer schon von vorne, was richtig Spaß machte, muss ich sagen. Da kann man eigentlich komplett ohne zu bremsen durchknallen. Man darf halt keine Fahrer mit "falscher" Fahrlinie neben sich haben. Ist man alleine vorne und hat freie Fahrlinienwahl, dann kann man das Tempo aus der Abfahrt auf der Ideallinie wirklich super mitnehmen. Direkt nach der Abfahrt folgte ja generell der kurvenreichste Abschnitt des Kurses, weshalb ich den Abschnitt auch als "Kriteriumsabschnitt" bezeichnen würde. Nach dieser Passage hatte ich dann meistens ein Loch zu den anderen Fahrern hinter mir. Naja. Ich bin ja nun wirklich niemand, der besonders gut um Kurven fahren. Maximal solide. Aber irgendwas habe ich bei den zahlreichen Kriterien wohl doch gelernt. ;)

Nachdem wir bei der ersten Zieldurchfahrt noch 34,5 km/h als Schnitt hatten, nahmen Durchschnittsgeschwindigkeit und Gruppengröße von Runde zu Runde ab. Bei der zweiten Zieldurchfahrt waren wir nur noch 5, bei der dritten nur noch 4 Fahrer. Auf der letzten Runde pushte ich dann im "Kriteriumsabschnitt" richtig, um auch meinen Begleitern etwas auf den Zahn zu fühlen. Und siehe da: Schon waren wir nur noch zu dritt. Die letzte Steigung am Wasserturmberg bewältigten wir dann auch noch als Trio, da kam es zu keiner weiteren Selektion. Allerdings setzte dann ein Wegbegleiter kurz vor dem Abbiegen auf die Hauptstraße Richtung Schmölln zu einer Attacke an. Ich fühlte mich nicht wirklich frisch, deswegen konnte ich die Attacke nicht direkt kontern. Ich baute dann darauf, dass er sein Pulver vielleicht zu früh verschießt und wir als Duo im Vorteil wären. Leider führte der andere Fahrer nicht mit mir mit. Ich drückte so gut ich nach über 70 km noch konnte, aber die Lücke konnte ich einfach nicht schließen. Zu Beginn der Zielabfahrt versuchte dann mein letzter Wegbegleiter auch noch abzuhauen, aber mein hohes Gewicht kam mir dann zugute: In der Abfahrt rollte ich locker aufgrund meiner lässigen 74 km/h Top-Speed an ihm vorbei und kam auch sogar nochmal minimal näher an den Fahrer vor mir heran, aber 3 Sekunden Vorsprung konnte er ins Ziel retten.

Egal, es war nochmal ein lustiges kleines Finale, nachdem wir im Endeffekt schon ab der 1. Runde eine Zweckgemeinschaft "zum Überleben" waren. Schmölln ist einfach ein sehr selektiver Kurs und bei so einem extremen Wind macht es sich dann doppelt bemerkbar, wenn man nicht Teil eines größeren Hauptfeldes sein kann. Das gab es zwar sowieso nicht, denn auch die ersten 25 Fahrer hat es ganz schön zersprengt. In Sachen Selektion steht Schmölln Schleiz nicht viel nach. Ich finde den Kurs sogar noch etwas selektiver als in Schleiz. Schmölln und Schleiz - das sind einfach zwei Saison-Highlights und vor allem für Liebhaber von Straßenrennen ein Pflichttermin. Aufgrund einer Terminüberschneidung mit dem C-Rennen in Ingolstadt wäre ich zwar dennoch nicht in Schmölln am Start gewesen, aber durch die Absage von Ingolstadt war der Start in Schmölln sofort eine gemachte Sache. Am Ende war ich mit meinem 27. Platz von 58 Startern auch ganz zufrieden, denn die Top 30 waren mein Ziel. Top 20 hatte ich als Optimum im Sinn, dafür hat es auch aufgrund der Formschwäche aber einfach nicht gereicht. Spaß hat es dennoch gemacht, denn so lange (und schwere) Straßenrennen gibt es halt kaum noch. Und ich war im Gegensatz zu Schleiz auch nicht ständig solo unterwegs. Schleiz fühlte sich ja in gewissem Sinne wie ein sehr langes Einzelzeitfahren an. Schmölln hat mir dadurch einen Tick mehr Spaß als Schleiz gemacht, obwohl ich weiterhin zu meiner Aussage stehe, dass Schleiz das schönste Rennen des Jahres ist. Nächstes Jahr gibt es hoffentlich auch keine Terminüberschneidungen, denn ich würde nur sehr ungerne auf eines dieser beiden Super-Rennen verzichten müssen, wenn am gleichen Tag irgendwo ein C-Rennen wäre.

Abschließend noch das Video und die Feststellung, dass meine Knieprobleme leider doch nicht komplett der Vergangenheit angehören: Letzten Freitag pfiff ich ein Spiel auf Kunstrasen - und hinterher zwickte es wieder leicht im Knie. Der äußere Oberschenkelmuskel schmerzte auch wieder in einem kritischen Bereich. Auf die Schnelle kann ich das leider nicht durch den Physiotherapeuten wegmachen lassen, denn da hat man ja wochenlange Wartezeiten. Ich versuche selbst etwas an der Muskulatur "rumzufummeln", aber hilfreich ist dieses neue alte Problem auch nicht wirklich, wenn es um meinen weiteren Fahrplan geht. Altdorf ist sicher, aber was davor? Intensive Einheiten? Falls ja, welche bekomme ich schmerzfrei hin? Antritte schon mal sicher nicht. Start in Attenzell? Wäre ein kurzer Kraftausdauer-Block da nicht eigentlich von Nöten? Kraftausdauer ist mit Knieproblemen aber kein Thema. Also Start in Attenzell oder nicht?!? Fragen über Fragen...


Rund um Schmölln 2015 (Jedermannrennen) von EyTschej

Keine Kommentare:

Kommentar posten