Disclaimer - wenn man so will

In meinem Sport-Blog schreibe ich über meine Sporterlebnisse teilweise ernsthaft, teilweise aber auch mit überspitztem Humor - den Unterschied sollte man erkennen, wenn man mich persönlich kennt ;) Generell gilt: Wer die Dinge, die ich hier schreibe, zu ernst nimmt, ist selbst schuld ;)

Teams 2018

Team 2018

2018 fahre ich Lizenzrennen für RMV Concordia Strullendorf 1920 e.V. und ausgewählte Jedermannrennen

Montag, 6. Juli 2015

Altenkunstadt + Strullendorf 2015

Traditionell finden am ersten Juli-Wochenende die Kriterien in Altenkunstadt und Bamberg statt. In Altenkunstadt steht auch immer eine Temperaturanzeige neben der Strecke, die aber in der Regel ein paar Grad zu viel anzeigt. 2010 standen da mal 40 Grad drauf, dieses Mal konnte ich sogar ein Foto mit 43 Grad schießen. Ganz so heiß war es vermutlich nicht, aber dennoch warm genug, um ohne Beinlinge an den Start zu gehen. ;)

Ein Blick in die Starterliste verhieß nix gutes. "Nur" 13 Starter, aber jede Menge starke Namen. Es war mit Sven Rund sogar der Sieger des C-Rennens 2008 am Start, der nach Jahren der Rennabstinenz mal wieder Lust auf etwas Radrennen hatte. Es war ihm dabei aber auch anzusehen, dass er weiterhin regelmäßig Sport zu treiben scheint, denn er machte einen richtig fitten Eindruck. Georg Wechselberger und Christian Rose haben sowieso keine Fitness-Probleme, wodurch es für das "Strullendorfer Podest 2007" eigentlich von vornherein schon fast nur noch um Platz 4 oder 5 gehen würde. Matthias Jetschina vom ausrichtenden Verein war schließlich auch noch am Start und sprintet in Kulmbach regelmäßig deutlich besser als meine Wenigkeit. Insofern war es für mich eine ganz positive Überraschung, dass ich bei der ersten Wertung als Dritter zwei Punkte einfahren konnte. Ein ganz neues Gefühl dieses Jahr, denn seit Ende August 2014 in Werneck hatte ich keine Punkte mehr eingefahren!

Als ich nach der 1. Wertung mal auf den Tacho blickte, sah ich, dass wir eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 42,4 km/h hatten. Insofern war es fast nur logisch, dass es dieses kleine Starterfeld etwas ruhiger angehen lassen würde. Und obwohl dieses Starterfeld so klein war, bekam ich nicht mit, dass sich plötzlich zwei Fahrer absetzten: Die Herren Rose und Wechselberger wollten etwas früher Feierabend machen. ;) Die beiden müssen sich wirklich mit einer sehr starken Attacke abgesetzt haben, denn ich bekam es auf dem ohnehin etwas unübersichtlichen Kurs gar nicht mit, dass sich an der Spitze zwei Fahrer lösten. Ich hatte den Eindruck, wir würden permanent geschlossen fahren. Tja, so kann man sich auch bei einem solch kleinen Starterfeld irren. Da ich bei den weiteren Wertungen immer etwas zu langsam war, kamen auch keine weiteren Punkte hinzu, was am Ende Platz 6 hinter Henry Thiel bei einem finalen Schnitt von 40,2 km/h bedeutete. War aber ganz okay, meine ersten Wertungspunkte und meine erste einstellige Platzierung diese Saison.


Kriterium Altenkunstadt 2015 (Jedermann) von EyTschej

Tags darauf folgte nach dem Reinfall von Dachau der zweite Versuch eines Ziels, das ich schon lange hatte. Rückblick zum Beginn meiner "Radsportkarriere": 2005 startete ich in Altdorf beim Hobbyrennen und wurde 3 oder 4 Mal überrundet. Ich zählte schon gar nicht mehr mit. Das war eine andere Welt für mich. "Das hat doch nix mit Hobbyfahrern zu tun", dachte ich mir. "Nie wieder" wollte ich ein Radrennen fahren. Aber schon nach der Ankunft daheim bemühte ich Google. Muss doch irgendwie nur Trainingssache sein, man muss doch auch als Hobbyfahrer schneller als 35 km/h im Schnitt fahren können. Meine damalige "To-Do-Liste" bestand dann auch zunächst daraus, dass ich erstmals bei einem Rennen nicht überrundet werden würde, dann sollte eine Top-Ten-Platzierung folgen, ein Podestplatz und ein Sieg. So weit dachte ich anfangs als Hobbyfahrer. Lizenz war da noch kein Thema, das sagte mir zu dem Zeitpunkt auch Null.

2006 fuhr ich dann in Strullendorf mein 5. Radrennen - und kam erstmals ohne Überrundung durch. Erster Punkt erledigt. Doch halt: Ich wurde Fünfter! Dadurch hatte ich also auch gleich die Top-Ten-Platzierung abgehakt! Mein erster Auftritt in Strullendorf war also durchaus ein persönlichen Meilenstein. Da ich zu dem Zeitpunkt auch gerade frisch Kontakt zu der RSG Vilstal aufgenommen hatte, kam ich auch schon mit dem Lizenzbereich in Berührung. Schon zu diesem Zeitpunkt wollte ich meiner "To-Do-Liste" nach dem ersten Sieg das Lösen einer Lizenz hinzufügen, wo es mit den stufenweisen Verbesserungen (Feldankunft, Top Ten, Podest, Sieg) von vorn beginnen sollte.

2007 konnte ich dann erneut in Strullendorf den nächsten persönlichen Meilenstein setzen: Platz 2 hinter Henry Thiel und vor Jan Scheibe! Erste Podestplatzierung - es fehlte nur noch ein Sieg! Im restlichen Jahr 2007 war ich dann stets im Kampf ums Podest involviert, aber ein Sieg sollte nicht rausspringen. Dennoch fühlte ich mich der Hobbyklasse schon etwas "entwachsen" und wollte die Messlatte unbedingt höher legen. Also nahm ich 2008 ohne meinen ersten Sieg bei einem Hobbyrennen verfrüht eine Lizenz - und bekam nur auf die Fresse. Danach folgte 2009 ein Vierteljahr Zwangspause, weil ich damals noch nicht wusste, dass man bei Knieproblemen erstmal zu einem guten Physiotherapeuten gehen sollte statt es bei Quacksal... äh ... Ärzten zu versuchen. Es war eine simple Blockade, die keinerlei Sportpause nach sich gezogen hätte, aber stattdessen war ich ein Vierteljahr zum Fettwerden verdonnert. Die Geschichte war im Endeffekt auch der Anfang eines Negativ-Zyklus, bei dem ich immer mal wieder ein paar körperliche Probleme bekommen sollte, zumeist im Kniebereich. An ein erneutes Lösen einer Lizenz war nicht zu denken, auch ein Sieg bei einem Hobbyrennen war erstmal kein Thema.

2013 war ich dann in Meiningen trotz der Folgen einer leichten Gehirnerschütterung plötzlich auf Siegkurs. Bis zur Zielkurve lag ich vorn, dann wurde ich in der Kurve von der Straße gedrängt und fiel dadurch auf Platz 3 zurück. Was beim Fußball wohl mindestens als taktisches Foul mit Freistoß und Gelb bestraft werden würde, ist im Radsport leider vollkommen okay. Für mich aber ist so etwas nicht okay. Langsam aber sicher verlor ich den Spaß am Radsport.

Diesen Winter entschied ich mich dann aber dennoch zum zweiten Versuch mit einer Lizenz. Rennen in der Hobby- und Jedermannklasse kann ich heutzutage eh nicht mehr gewinnen. Wie sagte Henry Thiel in Strullendorf zu mir? "Früher gewann man das Hobbyrennen mit einem 36er Schnitt" - tja, diese Zeiten sind längst vorbei. Schon zu Saisonbeginn schrieb ich hier im Blog, dass der Unterschied zur C-Klasse ja sowieso kaum noch gegeben ist, also konnte ich relativ risikofrei eine Lizenz nehmen. In Dachau war der Schnitt mit knapp über 43 km/h im Feld auch nicht so hoch, aber ich bekam wieder Probleme mit einer hohen Anspannung vor dem Start - und mit der Fahrweise. Langsam durch Kurven, dann aber immer brutal wie bei einem Wertungssprint nach jeder Kurve antreten. Zusammen mit der hohen Anspannung machten das meine Oberschenkel nicht lange mit.

Was konnte ich dann in einer einzigen Trainingswoche tun? Denn auch wenn zwischen Dachau und Strullendorf zwei Wochen lagen, kann man ja nicht zwei Wochen intensiv trainieren. Der Trainingseffekt muss sich erst mal einstellen. Ich trainierte aufgrund der Erfahrung in Dachau dennoch ein paar Antrittsserien und testete das gleich auch in Kulmbach in der für mich stets so kritischen Anfangsphase. Runde 7 - das war schon immer diese magische Runde für mich. 2006 in Strullendorf überlebte ich Runde 7 und kam dann komplett mit dem Feld durch. Bei sämtlichen Lizenzkriterien bin ich bisher in Runde 7 immer weggebrochen. Ich wollte einfach daran glauben, dass ich bis zum Ende dranbleiben kann, wenn ich wenigstens 8 Runden mit dem Feld überstehe. Aber neben dem Problem mit den vielen Antritten, hatte ich ja noch das Problem mit der hohen Anspannung.

Gestern war es dann so weit: Start in Strullendorf. Vor dem Rennen fuhr ich mich genau wie 2006 auf dem schattigen Radweg bis nach Bamberg warm. Dabei kaute ich munter auf einem Kaugummi herum, der mir helfen sollte, nicht so angespannt zu sein. Lief auch ganz gut. Vor dem Start in Dachau war ich insgesamt 5 Mal auf dem Klo, 3 Mal davon während des eigentlichen Warmfahrens. Diesmal war ich nur ein einziges Mal auf dem Klo - das erste gute Zeichen, dass ich lockerer sein würde. Am Start merkte ich dennoch eine leichte Nervosität, aber ich kaute munter weiter auf meinem Kaugummi herum und atmete tief durch die Nase ein. Der Puls ging runter - und dann kam der Start aus Reihe 1. Ich kam zwar leider beim 1. Versuch nicht gleich ins Pedal, aber blieb ruhig und kam beim 2. Versuch rein - und schon konnte ich das Rennen unter den ersten 10 Positionen in Angriff nehmen. Das ist ja stets das Ziel: Unter den ersten 10 zu fahren. Heute war das sogar noch wichtiger als in Dachau, denn wir waren, was ich gehört habe, nur 36 Fahrer. An all die anderen (bayrischen) C-Fahrer da draußen: Wie war's im Schwimmbad? ;)

Knapp 40 Grad müssen es gewesen sein. Es fühlte sich jedenfalls wärmer als in Altenkunstadt an und generell so warm wie noch nie zuvor bei einem Radrennen. Aber das kommt mir ja eigentlich entgegen. Es sind eher die Schlechtwetterspezialisten, die bei solchen Temperaturen plötzlich einknicken. Das Rennen wurde jedenfalls wegen der Hitze von 70 auf 50 Runden verkürzt. War für mich natürlich uninteressant, weil es erst mal um 8 Runden ging - und hinten raus dann einfach nur ums Ankommen mit dem Feld. Und da ich diesmal relativ weit vorne ins Rennen ging, kam ich auch gleich mit einem besseren Gefühl rein.

Die Fahrweise war dann ähnlich wie in Dachau: Zu zweit, zu dritt oder gar zu viert nebeneinander durch die Kurven. Dass man dadurch viel Geschwindigkeit verliert, ist klar. Ich machte mich dann auf sehr harte Antritte aus Kurve 2 und 4 heraus gefasst, aber diese Antritte hatten nicht mal ansatzweise die Qualität aus Dachau. Das war für mich natürlich sehr gut. Ich musste generell kaum aus dem Sattel, konnte sehr viel im Sitzen fahren, auch bei den "Antritten" nach den besagten Kurven. Ich war jedenfalls mittendrin im Geschehen, fuhr in den ersten 8 Runden nie am Feldende - und war beim Ertönen der Glocke zur 2. Wertungsrunde schon sehr optimistisch. Meinen Kaugummi hatte ich zu dem Zeitpunkt schon längst in Kurve 1 ausgespuckt, weil der mir den Mund bei Renntempo super trocken gemacht hatte...

So, nach der 2. Wertung ging es dann generell darum, dass ich meine Position innerhalb des Feldes gut halte und möglichst viel Kraft spare, damit ich nicht irgendwann im Laufe des Rennens vielleicht gerade zum ungünstigsten Zeitpunkt ein Leistungsloch haben würde. Ankommen war das heutige Ziel! Zwischendurch tat es mir dann noch sehr gut, dass ich von Kollege H.H., einem seit Jahren etablierten Lizenzfahrer, nach der Rennsituation befragt wurde! Und ich konnte ihm sogar antworten, dass vorne "4 oder 5" Fahrer weg waren. Ja, ich hatte das mitbekommen. Bei einem drei Mal so großen Feld wie tags zuvor in Altenkunstadt. ;)

Ein paar Runden später fuhr dann ein Fahrer von Ratisbona von hinten ins Feld. Das war der erste Fahrer, der den Rundengewinn vollzog. Wiederum einige Runden später regte der sich über unsere Fahrweise im Feld auf. Wir wären "zu langsam" und die anderen Ausreißer drohten den Rundengewinn zu vollziehen. Naja, was soll man dazu sagen? Solche Luxusprobleme hätte ich auch gerne. Wenn man aber als Solist der erste Fahrer ist, der den Rundengewinn vollzieht, wieso fährt man dann nicht "einfach" gleich nochmal vorne raus? ;) Aber von den Leuten, denen man gerade einen Runde abgenommen hat, zu verlangen, dass sie schneller fahren sollen ... äh ... naja. Das ist dieser typische Fall von "Können vor Lachen". Hätten wir im Feld schneller fahren können, wären wir ja Teil dieses ersten Ausreißer-Quintetts gewesen!

Jedenfalls fuhren die anderen vier Fahrer dann auch noch ins Feld und es gab wieder Punkte. Für mich aber alles kein Thema an diesem Tag. Stattdessen spürte ich nach einer gefühlten halben Ewigkeit, dass sich mein Akku langsam leerte. Aber gar nicht mehr der "Bein-Akku", sondern eher der "Kopf-Akku". Ich drohte an den Punkt zu kommen, wo ich einfach nicht mehr in die Pedale treten WOLLTE, obwohl ich noch konnte. Also blickte ich kurz auf die Rundentafel, um Motivation zu finden. Das war aber eine dumme Idee, denn dort standen noch 20 Runden. 7 Runden, vielleicht 12, ja - aber 20?!? Ich hätte kotzen können...

Aber irgendwie konnte ich mich überwinden und immer weiter fahren. Die Antritte konnte ich alle gut mitgehen, in den Kurven musste ich teilweise bremsen, um meinem Vordermann nicht ins Hinterrad zu fahren (das ist schon eine sehr komische Kurvenfahrweise bei C-Kriterien, muss ich sagen!), und der Schnitt von unter (!) 40 km/h war geringer als bei den Hobbyrennen der vergangenen Jahre. Und so kam es wie ich es mir schon seit vielen Jahren vorgenommen hatte: Schlussrunde und ich befand mich noch im Hauptfeld!!! :)

In der letzten Runde ging es für mich natürlich um nix mehr, der Weg zu den vier Punkteplätzen der Schlusswertung war zu weit, aber wenn ich schon 49 Runden lang bei fast 40 Grad gelitten hatte, dann konnte ich auch in dieser letzten Runde noch bis zum Zielstrich normal weiterfahren. Gesprintet bin ich nicht, auch wenn das zwei Kollegen gemacht haben, die dadurch auf den Positionen 11 und 12 ins Ziel rollten, was aufgrund der doppelten Punktzahl bei der Schlusswertung bedeutete, dass sich die beiden noch jeweils 2x0 Punkte sichern konnten. ;) Ich selbst rollte mit einem Schnitt von 40,0 km/h auf Position 13 ins Ziel, was natürlich nicht für eine Platzierung in der Ergebnisliste reichte, aber bei 14 Punkteträgern und 36 Startern müsste Position 13 beim Zieleinlauf normalerweise eine Top-20-Platzierung bei meiner ersten Feldankunft bei einem Lizenzrennen bedeutet haben. Damit kann ich sehr gut leben. Und trotz des niedrigen Schnitts, war das an diesem heißen Tag sehr hart erarbeitet! Ich denke, dass ich bestimmt 10 bis 15 Minuten brauchte, um meinen Kreislauf wieder zu normalisieren. Ich war nach einem Rennen noch nie so lange und so stark erschöpft. Wahnsinn! Was 50 statt 15 Runden bei so einer Hitze doch ausmachen können. Eine neue Erfahrung, aber dadurch konnte ich jedenfalls den nächsten persönlichen Meilenstein erreichen: Feldankunft bei einem Lizenzrennen! Schon etwas lustig, dass ich dadurch den ersten Sieg bei einem Hobbyrennen auf meiner "To-Do-Liste" einfach übersprungen habe, hehe. Aber egal. Nächstes Ziel: Top-Ten-Platzierung bei einem Lizenzrennen. :)


Kriterium Strullendorf 2015 (C-Klasse) von EyTschej

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