Disclaimer - wenn man so will

In meinem Sport-Blog schreibe ich über meine Sporterlebnisse teilweise ernsthaft, teilweise aber auch mit überspitztem Humor - den Unterschied sollte man erkennen, wenn man mich persönlich kennt ;) Generell gilt: Wer die Dinge, die ich hier schreibe, zu ernst nimmt, ist selbst schuld ;)

Teams 2018

Team 2018

2018 fahre ich Lizenzrennen für RMV Concordia Strullendorf 1920 e.V. und ausgewählte Jedermannrennen

Mittwoch, 13. August 2014

Serie vorbei

Bis Mitte August hatte meine Serie mit ausschließlich Top-20-Platzierungen Bestand - jetzt hat es mich erwischt! In Attenzell zeigte sich, dass in Bayern deutlich mehr gute Hobbyfahrer zu finden sind, als man es bei den meisten Hobbyrennen so mitbekommt. Üblicherweise hat man ja 10 bis 20 Fahrer am Start, davon nur 5 bis 10, die wirklich ums Podest mitfahren können. Bei Straßenrennen ist die Teilnehmerzahl zwar etwas höher, aber Straßenrennen für Hobbyfahrer sind ja vor allem in Bayern zu einer Rarität geworden. Was da in den letzten Jahren alles verschwunden ist: Nürnberg, Hesselberg, Mainfrankentour, Schrobenhausen, dieses Jahr auch Karbach - und selbst in Cadolzburg zu Saisonbeginn waren es kaum über 20 Teilnehmer. Insofern überraschte mich das Starterfeld von fast 60 Fahrern in Attenzell schon vor dem Start. Bekannte Namen? Kaum. Da waren halt einige Fahrer von Soli Dachau, u.a. Sven Harder, der letztes Jahr mit seinem Aufstieg in die B-Klasse noch einen sportlich relevanten Erfolg verbuchen konnte (you can do it again!!!), aber natürlich nicht von heute auf morgen so schlecht geworden ist, dass es nur noch für den sportlichen Vergleich mit Hobbyfahrern reichen würde. Außerdem der Sieger von Strullendorf und Bamberg, Georg Wechselberger. Der Rest? Naja, natürlich viele unbekannte Namen, was aber nur normal ist, wenn normalerweise nur 10 bis 20 Fahrer am Start sind, aber plötzlich fast 60 Namen eine Startnummer auf dem Rücken tragen. Die große Frage ist dann aus meiner Sicht vor allem die sicherheitsrelevante Frage: Wissen die Leute, wie man bei einem Rennen im Feld fahren muss, damit man aus einem Radrennen kein Bowling-Turnier macht?

Mein "Matchplan" war ja nach der Negativ-Erfahrung von Schmölln klar: Vorne fahren, früh testweise antreten und sehen, was sich ergibt. Vom Start weg wurde gleich Vollgas gefahren, was mir dann zunächst auch ganz recht war, weil ich zunächst an Georgs Hinterrad, danach am Hinterrad eines Soli-Fahrers schön an die Spitze des Feldes eskortiert wurde. Als wir dann kurz vor Schelldorf waren, wo ich meinen ersten Antritt probieren wollte, wäre ich eigentlich in die Führungsposition gekommen, verschleppte aber stattdessen das Tempo, weil ich ja schließlich eine Attacke versuchen wollte. Bei dem hohen Grundtempo, das bis zu diesem Zeitpunkt gefahren wurde, hätte ein Antritt ja keinen Sinn gemacht! Sobald ich das Tempo verschleppt hatte, traten auch gleich 2, 3 Fahrer an. Optimal, dachte ich mir - und setzte gleich nach. Nach wenigen Sekunden nahmen diese Fahrer aber wieder raus, was ich etwas schade fand, aber was mir auch reichlich egal war. Ich zog das Ding durch, denn es ging ja bergab in die Ortschaft hinein - was soll ich bergab bremsen?!? Diese Frage beantwortete sich gleich mal von selbst: Katze von links!!! Katze?!? Da war doch mal was: Altenkunstadt! Ich ließ mich von der Katze erfolgreich irritieren und nahm etwas raus. Allerdings rannte die Katze brav komplett über die Straße, weshalb es im Endeffekt nicht gefährlich war. Einige Fahrer haben mir nach dem Rennen sogar erzählt, dass insgesamt 4 (!) Katzen über die Straße gerannt sein sollen. Schelldorf = Katzendorf?!? ;)

Gleich hinter der Katze zog auch außen ein schnellerer Fahrer vor der Rechtskurve aus der Ortschaft hinaus an mir vorbei. Schon hier dachte ich mir: Oh, schön - der schnellere Fahrer zog dort vorbei, wo es richtig ist. Das zeugte doch schon mal davon, dass er wusste, wie man in einem Radrennen zu fahren hat. Ich fuhr die Kurve ganz eng innen, um mich auch so klein wie möglich zu machen, denn ich wollte ja nur einen ersten Testantritt machen. Jetzt hieß es erst mal wieder, sich ein bisschen im Windschatten zu verstecken. Ich ließ also einige Fahrer passieren - und hatte dann dieses Gefühl: Da ist doch irgendwie niemand mehr hinter mir, oder? Blick zurück: Jap, da war keiner mehr! Ich würde sagen, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt bereits nur noch 20 bis 30 Fahrer waren. Was für ein Schwund! Kurz vor Böhmfeld sollte mir dann auch klar werden, warum sich das Feld so schnell halbiert hatte. Als ich bei der letzten Welle vor der Ortschaft links die offene Tür des Feldes zu meinem zweiten planmäßigen Antritt gebrauchen wollte, nahm mir aber wieder etwas den Schwung aus den Segeln. Nein, diesmal war es keine Katze. Es war auch kein Monsterschlenker eines unachtsamen Fahrers. Gut festhalten: Es war ein MOTORRADFAHRER, der uns ENTGEGEN gefahren kam!!! JA, BIST DU DEPPERT!?!?!?! Die Streckenabsicherung war eigentlich optimal, was ich so mitbekommen hatte. Der Veranstalter hat da gute Arbeit geleistet, würde ich sagen, aber eine perfekte Streckenabsicherung gibt es in der Praxis eben offensichtlich doch nicht. Wie auch immer dieser Bekloppte auf die Rennstrecke kam - es war kriminell, dass er nicht an den Straßenrand fuhr oder wenigstens die Geschwindigkeit drosselte. Wie ein Geistesgestörter rauschte er volle Kanne weiter. Zum Glück war gerade noch etwas Platz, um ihm auszuweichen. Auch einige andere Fahrer wollten in der Situation wohl links nach vorne fahren und mir folgen, die haben das auch mit Entsetzen feststellen müssen, was da gerade abging. Man kann von Glück sprechen, dass alle Rennfahrer schnell und richtig reagiert haben. Es ist niemandem etwas passiert und auch die Fahrordnung im Feld wurde nicht weiter gestört. Ich muss hier auch generell mal sagen: Die rund 30 Fahrer, die zu dem Zeitpunkt noch im Feld waren, wussten alle, wie man in einem Rennfahrerfeld sauber zu fahren hat. Tolle Sache! Wenn das in Nürnberg oder Schmölln der Fall gewesen wäre...

Jedenfalls war ich nach dieser Herzkasper-Situation wieder am Ende des Feldes und wollte mich erst mal etwas sammeln. Ein Blick auf den Tacho: 42,5 km/h. Nein, das war nicht die Momentangeschwindigkeit, sondern die Durchschnittsgeschwindigkeit! Straßenrennen, Hobbyklasse - äh, ja, is klar, ne?!? Wir hatten zwar noch keine richtige Steigung bis zu dem Zeitpunkt, aber es war durchaus wellig, wir hatten Gegenwind und die zwei Wellen vor Böhmfeld waren durchaus giftige Stiche, die in den Beinen erste Schmerzen verursachten. Als es aus Böhmfeld rausging, wurde dann weiterhin mächtig Tempo gemacht, was mich komplett überraschte. Ich dachte, dass das Feld bei diesem Tempo eigentlich irgendwann mal eine erste Pause einlegen müsste, aber Fehlanzeige! Stattdessen verlor ich kurz darauf am abgesehen von der Zielsteigung längsten Anstieg (eigentlich auch nur ein Stich) des Kurses ein paar Meter auf das Feld über die Kuppe hinweg. Tja, und das war es dann für mich. Ich hätte in der Situation mit dem Motorradfahrer einfach nach vorne kommen müssen, dann hätte ich es vielleicht noch bis zur Zielsteigung geschafft, aber dort wäre dann endgültig Schluss gewesen für mich. Schon im etwas steileren Einstiegsteil des Zielanstieges hatte ich keine guten Beine. Danach wurde es flacher, aber nicht wirklich besser. Flachere Steigungen sind ja eh nicht mein Ding, aber hier hatte ich wirklich einen Knoten in den Beinen. Dennoch konnte ich zum Ende des Anstieges noch einen aus dem Hauptfeld zurückgefallen Fahrer aufrollen.

Gemeinsam gingen wir dann die zweite und somit letzte Runde des 15-km-Kurses an. Bis Böhmfeld wechselten wir uns noch ab, dann hatte er plötzlich einige Meter Rückstand auf mich. Ich nahm etwas raus, aber er war erst zu Beginn der Abfahrt aus Böhmfeld heraus wieder an mir dran. Am Ende der kurzen Abfahrt blickte ich mich dann um und sah, dass er plötzlich weiter hinter mir lag als zuvor. Die Situation war also klar: Eine Zusammenarbeit würde keinen Sinn mehr machen, allein würde ich schneller ins Ziel kommen. Also trat ich an der kurzen Gegensteigung nach der Abfahrt auch gleich schwungvoll an, um mich endgültig von ihm zu lösen, aber er blieb noch bis zu dem giftigen Stich, an dem ich den Anschluss ans Hauptfeld verlor, auf Tuchfühlung. Dort widerfuhr ihm aber offenbar das gleiche Schicksal wie mich in der ersten Runde: Über die Kuppe hinweg dürfte er einen kompletten Hänger gehabt haben, denn jetzt wuchs mein Vorsprung ähnlich rasant an wie eine Runde zuvor mein Rückstand auf das Hauptfeld. Der Rest war dann ein Einzelzeitfahren bis ins Ziel. Zeitabstände wären heute durchaus interessant gewesen, aber wenn man auf Platz 32 ins Ziel kommt, ist das dann irgendwie auch wieder egal. Ich weiß, dass die Spitze einen 39er-Schnitt hatte, ich selbst hatte 36,5 km/h nach der 1. Runde und 34,4 km/h am Ende. Dass man alleine ganz schön einbricht, ist ja normal. Hat mich aber auch verwundert, dass von hinten keine Gruppe mehr rankam. Die Abstände von mir zum Feld bzw. von mir zu den nächsten Fahrern hinter mir müssen ganz schön heftig gewesen sein. Zwei Dinge kann man dem entnehmen: Die Leistungsniveaus im Fahrerfeld waren sehr unterschiedlich und der Kurs war sehr selektiv. Ach ja: Top-Speed auf meinem Tacho waren 76,0 km/h - auch ganz nettt ;)

Hoffentlich findet das Rennen nächstes Jahr wieder statt, ich würde dort auf jeden Fall wieder starten. Mir können ja nicht jedes Jahr Katzen und Motorradfahrer in die Quere kommen. Wenn das nämlich nicht der Fall ist, dann sollte ich zumindest in der 1. Runde bis zum Zielanstieg am Feld dran bleiben können. Aber das Leistungsniveau war wirklich erstaunlich. Wann bin ich in Bayern schon mal so weit hinten gelandet? Noch dazu bei einem Hobbyrennen?!? Ich kann mich ehrlich gesagt nicht entsinnen. Schade, dass diese Fahrer nicht häufiger am Start eines Rennens sind. Würde mit diesen Leuten am liebsten gleich nächsten Sonntag wieder ein Rennen fahren. Durch das regelmäßige Messen mit solchen Fahrern steigert man sich einfach, denke ich. Rennen wie in Altenburg, Bamberg und Attenzell - die sind es, die mir taugen. Durch solche Rennen kann man wachsen. Aber die Besetzung der Rennen ist einfach viel zu unterschiedlich. Nur das ist ja auch keine neue Erkenntnis. Mal sehen, wer z.B. in zwei Wochen in Werneck am Start stehen wird. Vor zwei Jahren war das ja eine bärenstarke Besetzung. Aber der Fahrer, der mir damals eine Attacke zunichtemachte und mich dabei noch fast von der Straße drängte, darf ruhig daheim bleiben. ;)

Am Wochenende - falls es trocken bleibt - steht aber erst mal Niederfrohna an. Völlig andere Region, also auch wieder völlig andere Fahrer. Wobei: Daniel Haible steht dort in der Liste. Der war doch auch schon in Attenzell am Start. Da scheint ja doch ein Fahrer zu sein, der einen ähnlichen "Aktionsradius" wie ich hat? Vielleicht kann ich auch irgendwann mal ein Gesicht zu dem Namen packen...

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