Disclaimer - wenn man so will

In meinem Sport-Blog schreibe ich über meine Sporterlebnisse teilweise ernsthaft, teilweise aber auch mit überspitztem Humor - den Unterschied sollte man erkennen, wenn man mich persönlich kennt ;) Generell gilt: Wer die Dinge, die ich hier schreibe, zu ernst nimmt, ist selbst schuld ;)

Team 2019

Team 2019

2019 fahre ich Lizenzrennen für RMV Concordia Strullendorf 1920 e.V. und ausgewählte Jedermannrennen

Mittwoch, 8. August 2012

Unerwartetes Highlight in Werneck

Im Winter gehörte Werneck gar nicht zu meinem Rennkalender, weil da scheinbar noch kein Hobbyrennen beim Kriterium geplant war. Normalerweise wollte ich für Kriterien maximal 150 km fahren dieses Jahr, aber dann sah ich plötzlich diese Ausschreibung für ein 34-km-Kriterium. Mehr als 30 km? Für Hobbyfahrer? Hmm ... da kann man ja eventuell mal etwas über die 150-km-Grenze gehen ...

Das Wetter war bestens und ich einer der auf dem PDF-Flyer ausgewiesenen Parkplätze war früh morgens noch schön ruhig. Der ursprüngliche Start um 11:45 Uhr war wegen des eingeschobenen U19-Rennens sogar auf 12:15 Uhr verschoben, womit man zwar gegen den Trend des Jahres angeschwommen ist, aber für uns als Fahrer ist so etwas natürlich alles andere als schlimm. Umso relaxter konnte man sich langsam aufs Einrollen vorbereiten.

Mit der Zeit sah man auch schon immer mehr bekannte Gesichter und es ging auf eine Runde, die ich mir über Google Maps ausgeschaut hatte. Die verlief nicht ganz so wie erwartet, war aber unterm Strich schon noch okay. Alles in allem wollte ich mich eh nur locker einrollen und nicht wieder diese übertriebenen intensiven Warm-Ups machen, die man vor einem Kriterium eigentlich machen soll. Schon in Kulmbach hatte ich in den letzten Wochen darauf verzichtet - und keinerlei Nachteil dadurch festgestellt.

Bereits vor dem Rennen hatte ich erleben dürfen, dass eine enge Sprintentscheidung per Zielkamera ausgewertet wurde - und zwar nur wenige Sekunden nach dem Sprint! Das passte zu einer auch ansonst rundum perfekten Organisation durch den TSV Werneck. Und ja, ich meine es so: Die Organisation war PERFEKT!!! Besser kann man es bei einem Kriterium eigentlich nicht machen. Und der schlicht Einsatz einer einzigen Zielkamera hat auch die menschlichen Fehler beim Erkennen und Notieren der richtigen Reihenfolge bei den Wertungen eliminiert - was zu einer Beruhigung der Fahrer schon vor dem Start führt. Denn: Man weiß, dass man auf einen Protest wird verzichten können. Das Ergebnis würde korrekt sein ...

Schließlich ging es dann mit der besten Besetzung eines Hobbyrennens in Bayern los, die ich bisher erlebt hatte. Klar, der ein oder andere Name fehlte zwar noch, was teilweise an Krankheit lag oder eben auch an der großen Entfernung für Fahrer aus Südbayern, aber davon abgesehen war vor allem der Anteil an starken Sprintern noch nie so hoch gewesen. Der obligatorische Kampf um Platz 2 versprach also einiges an Spannung.

In der ersten Wertungsrunde riss das Feld schon auf der Gegengeraden in zwei Teile. Ich hatte leider den falschen Zug erwischt - den Bummelzug. Dort war aber mit Thomas Schmalz auch der Zweite des Vortages in Bamberg. Ich saß also nicht allein im falschen Zug, sondern war in guter Gesellschaft. Nach der Wertung rollten beide Gruppen aber wieder zusammen, nur Maiks Edelhelfer Klaus verabschiedete sich überraschenderweise. Jan Scheibe hatte am Start bereits großes Pech: Kettenriss ...

Eine Runde später kam ein zu erwartender Angriff von Maik, auf den natürlich niemand reagierte. Ich wollte nach meinem erfolglosen Nachsteigen tags zuvor in Bamberg auch nicht reagieren, sondern nur mitrollen. Dann griff aber mit etwas Verzögerung auch Thomas an. Ich zögerte einen kurzen Moment, weil ich ja eigentlich nur im Feld mitrollen wollte. Aber ich sah dann auch, dass erneut niemand im Feld auch nur zuckte - und so war ich es eben, der zu zucken begann. Ich stieg Thomas also hinterher und kam bis auf 10 Meter an ihn heran. Und jetzt sollten 2 "sonderbare" Runden folgen ...

Thomas kam an Maik nicht ran, aber ich konnte den Rückstand auf Thomas konstant halten. Schneller fahren konnte ich aber auch nicht, also quälte ich mich 2 Runden lang im Wind 10 Meter hinter Thomas herum. "Nur" 10 Meter, sollte man denken - aber Thomas nahm leider nicht kurz raus, obwohl das Feld hinter mir immer weiter zurückfiel. Und das war das Interessanteste: Tags zuvor hatte Klaus das Feld noch versucht zu bremsen, aber stattdessen führte er es eigentlich nur an mich heran. Heute bremste sich das Feld ohne Klaus selbst viel besser aus! Man kann jetzt spekulieren, was in Bamberg gewesen wäre, wenn Klaus nicht die Speerspitze des Feldes gebildet hätte. Interessant finde ich es aber auf jeden Fall, dass ich mich endlich mal (wieder) bei einem Hobbyrennen erfolgreich vom Feld lösen konnte.

Man muss aber auch sagen, dass ich trotz des Leidens während dieser 2 Runden irgendwie dennoch einen "kompetitiven" Tritt gefunden hatte. Eine Runde vor der Wertungsabnahme war ich dann auch an Thomas dran und er wollte gleich, dass ich die Führung mache, aber ich rief ihm zu, dass ich gerade nicht kann und erstmal kurz durchatmen muss. Thomas führte also über Start/Ziel, wir bekamen mit ca. 5 Sekunden Vorsprung aufs Feld die Glocke und nach der ersten Kurve übernahm ich auf der Gegengeraden die Führung. 5 Sekunden zu Rundenbeginn sind eigentlich nicht viel, wenn ein Feld auf der Jagd ist - aber genau das war ja das, was Thomas und mir heute half: Das Feld war sich zu uneinig und konnte sich nicht auf eine Jagd einigen. Dadurch kamen wir durch und ich sagte nach der Zielkurve noch zu Thomas "Komm, zieh durch, nimm die 3 Punkte". Immerhin hatte er die Attacke gestartet und während unserer kurzen Zusammenarbeit 2 Geraden lang geführt, also macht man sich in so einer Situationen keinen Feind, sondern einen Freund und überlässt die 3 Punkte kampflos. Man selbst kann sich ja noch über 2 Punkte freuen, was nicht der Fall gewesen wäre, wenn wir uns dann uneinig geworden wären und uns das Feld übersprintet hätte. Und wie gesagt: Gute Sprinter waren da heute viele vertreten!

Mit den ersten 2 Punkten im Gepäck konnte ich dann langsam wieder etwas durchatmen. Diese verrückten 3 Runden waren nicht ohne: Der Tacho zeigte einen Schnitt von über 41 km/h an! Dabei fingen wir die ersten 4 Runden recht verhalten mit unter 40 km/h an. Huiuiui, da müssen Thomas und ich während unserer Flucht aber tatsächlich ganz schön flott unterwegs gewesen sein! Okay, für Lizenzfahrer wäre das vielleicht nicht flott, aber für meine Verhältnisse sehr wohl! Man weiß ja, dass ich normalerweise nur mit Hilfe von genügend Windschatten über 40 km/h fahren kann. Alleine schaffe ich das normalerweise nicht ...

Bei der 3. Wertung wagte dann Manuel Durlak einen Ausritt in der Wertungsrunde und profitierte ebenfalls davon, dass das Feld heute mal wieder wie für Hobbyrennen eigentlich typisch sehr uneinig war. Ich selbst holte mir noch die 2 Punkte hinter Manuel im Sprint. Bei der 4. Wertung war Maik dann wieder im Feld und holte sich etwas unverständlicherweise nochmal 5 Punkte. Da er einen Rundengewinn hatte, stand er ja aber sowieso schon als Sieger fest. Er hätte theoretisch jetzt schon seine Ehrenrunden drehen und sich den weiteren Rennverlauf ganz entspannt ansehen können. Ich selbst schnappte mir noch den letzten Punkt bei der 4. Wertung.

Danach trat dann ein Fahrer aus der Region an und das Feld reagierte nicht. Also quasi das bekannte Szenario. Hätte ich nicht schon 3 verrückte Fluchtrunden in den Beinen gehabt, hätte ich vielleicht mehr getan als nur mitzurollen, aber es ging bei mir einfach nicht mehr. Auch andere Fahrer schienen mit dem Gebummel, das jetzt teilweise von statten ging, sehr einverstanden zu sein, während man bei dem ein oder anderen Fahrer durchaus noch das Gefühl hatte, dass da eigentlich mehr gehen würde. Alles in allem blieb es jedenfalls bei der Uneinigkeit im Feld und ich konzentrierte mich wieder auf den Sprint bei der 5. Wertung. Ich blieb aber zu lange am Hinterrad von Christian Weis, der seinerseits zu spät antrat, weshalb ich diesmal punktlos blieb. Ich wollte aber gleich durchziehen und überholte zwischen Kurve 1 und 2 die zwei vordersten Fahrer des Feldes - auf der rechten Seite. Es ging ja gegen den Uhrzeigersinn, wir hatten Linkskurven. Da wollte ich idealerweise also rechts vorbei, weil die beiden auch genügend Platz gelassen hatten. Dummerweise zogen beide plötzlich ganz unmotiviert ganz nach rechts rüber und ich war schon neben dem zweiten Fahrer - bremsen war also keine Option mehr! Ich schrie zwar laut auf, wurde aber dennoch von der Strecke gedrängt und holperte wie in der Abfahrt beim Dachauer Bergkriterium oder bei der Fahrt über den Hauptmarkt in Nürnberg durch die Regenrinne neben der Straße, die aus Kopfsteinen bestand. Noch weiter rechts wäre eine Wiese gewesen, aber in diese musste ich zum Glück nicht.

Ansonsten hatte die Situation aber nichts weiter mit Glück zu tun, denn zeitgleich griffen Maik und Thomas an. Logisch, dass ich durch meinen Faststurz nicht reagieren konnte - tja, und das Feld tat auch weiterhin das, was es schon die ganze Zeit tat: Es reagierte ebenfalls nicht. Da blieb also nur die Hoffnung auf die letzten 2 Punkte bei der Schlusswertung und somit Platz 4. Der Schlusssprint machte dann prinzipiell auch noch mal richtig Spaß, aber ich konnte nicht die optimale Körperspannung aufbauen. Auf dem Zielstrich schien es mir dann, als ob David Groß minimal an mir vorbeizog, aber die Jury erkannte im Zielfilm keinen Unterschied und setzte uns daher beide auf 4 bei der Schlusswertung. Das ergab je 1 Punkt für uns, was in der Endabrechnung Platz 5 für mich bedeutete. Ich hab mir das Video mal angesehen und zwei Screenshots vom Zieleinlauf auf Google+ geteilt. Mein ursprüngliches Gefühl, dass David noch knapp vorbeizog, schien eventuell doch nicht ganz richtig zu sein: Kurz vor der Linie war ich wohl noch minimal vorn, kurz hinter der Linie war David aufgrund seiner höheren Endgeschwindigkeit minimal vorn - aber direkt auf dem Zielstrich konnte ich auch keinen Unterschied feststellen. Insofern war das eine super sportliche Entscheidung der Jury, die man bei solch knappen Entscheidungen ruhig öfter treffen könnte!

Noch etwas zu Google+: Ich versuche ja weiterhin, dieses Social Networking sinnvoll zu nutzen, aber das ist nicht so leicht. Ich wollte die zwei Screenshots einfach zum Album "Radrennen 2012" hinzufügen, aber ich finde ums Verrecken keine solche Option. Das letzte Mal wurde ich beim Hochladen der Bilder noch nach einem Album gefragt, diesmal nicht. In meiner Album-Übersicht wurde für die zwei neuen Screenshots ungefragt ein neues Album erstellt. Wenn man das Verwalten der Foto-Alben nicht verbessert, ist diese Funktion von Google+ ein ziemlich nutzloser Reinfall!

Noch was anderes zu Google+: Da nicht alle meine Kontakte mit Sport-Beiträgen belästigt werden wollen, habe ich ja extra einen Sport-Kreis eingerichtet, für den ich diese Beiträge teile. Man muss mir also bei Google+ folgen und sich auch als sportinteressierter "Folger" outen, damit ich euch diesem Kreis hinzufügen kann. Erst dann seht ihr diese ganzen Beiträge. Bei Facebook funktioniert das alles vermutlich anders, aber solange das nicht von Google aufgekauft wird, werde ich mich nicht extra dafür registrieren - bin schließlich ein Registierungsmuffel ;)

Werneck war jedenfalls ein super organisiertes Kriterium, bei dem man auch als Hobbyfahrer "für voll" genommen wurde. Man hat uns ganz genau wie Lizenzfahrer behandelt und nicht "von oben herab", wie das bei anderen Kriterien teilweise der Fall ist. Werneck ist mal eben mein neues Lieblingskriterium - wobei sich das ja auch schnell bei mir ändern kann. Erst war Strullendorf mein Lieblingskriterium, aber dann bin ich dort gestürzt und seitdem gefällt es mir dort irgendwie nicht mehr so. Altenburg fand ich 2010 dann super, aber schon 2011 hat es mich ziemlich aufgeregt. Letztes Jahr war Kulmbach dann das Highlight, dieses Jahr war es nur "okay" - allerdings hatte ich auch nicht die notwendige Form, um bei einem Kriterium Spaß haben zu können. Die hatte ich in Werneck eigentlich auch nicht - dennoch hatte ich Spaß. Insofern ist Werneck aktuell mein Lieblingskriterium, aber ob das Rennen nächstes Jahr stattfinden kann (das liebe Geld!), das ist leider noch nicht sicher. Ich hoffe jedenfalls schon, denn Werneck würde ich sofort zu einem Highlight in meiner Saisonplanung machen ...

Das Video dazu:

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