Disclaimer - wenn man so will

In meinem Sport-Blog schreibe ich über meine Sporterlebnisse teilweise ernsthaft, teilweise aber auch mit überspitztem Humor - den Unterschied sollte man erkennen, wenn man mich persönlich kennt ;) Generell gilt: Wer die Dinge, die ich hier schreibe, zu ernst nimmt, ist selbst schuld ;)

Team 2019

Team 2019

2019 fahre ich Lizenzrennen für RMV Concordia Strullendorf 1920 e.V. und ausgewählte Jedermannrennen

Dienstag, 14. August 2012

Gelungener Saisonabschluss am Hesselberg - Teil 2

Weiter geht es mit dem Rennbericht, nachdem ich das Video jetzt hochgeladen habe ...

Nach der gut überstandenen Startphase fuhr ich vor der ersten Abzweigung, die in die erste Steigung führte, gleich mal ganz nach vorn, um als Erster sicher durch die Kurve fahren zu können - und um meiner Rennstrategie folgen zu können. Gleichzeitig konnte ich mal wieder den Punkt "Aktuell Führender des Rennens" auf meiner To-Do-Liste streichen. Ich fuhr "kompetitiv" in die Steigung, um meine erste Belastung zu absolvieren. Bei einem Straßenrennen wie in Karbach würde das bei der ersten Steigung nicht gehen, da müsste man schon "voll drin" sein, aber bei Tour de Hesselberg kann man die Anfangsphase normalerweise gut nutzen, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Wie ich in Teil 1 schon schrieb, wird intensives Warmfahren überbewertet ;)

Ich riss aber natürlich nicht voll an, ich wollte nur für ein gutes Tempo sorgen. Das war ja meine Strategie. Bald fuhr dann zu meiner Freude auch gleich ein anderer Fahrer an mir vorbei - aber hinter ihm folgte niemand. Also erst mal an sein Hinterrad wieder ran, denn der Fahrer riss ebenfalls nicht an, sondern fuhr einfach nur ein schönes, "kompetitives" Tempo. Die Fans an dieser Steigung verdienten sich wie jedes Jahr den Preis für die beste Stimmung entlang der Strecke und als wir uns dem Ende der Steigung näherten, fuhr dann schließlich auch das Feld endlich vorbei. Das heißt: Zum Ende der Steigung kam dann doch noch der erhoffte Schwung ins Feld, den ich mit meiner Strategie verfolgte. Ich selbst ließ mich etwas zurückfallen und blieb natürlich auf der linken Seite - der starke Wind kam ja aus Osten, was an dieser Stelle rechts war. Bei einem kurzen Blick zurück sah ich dann, dass das Feld noch sehr groß war.

Kurz darauf kam die zweite Abzweigung und somit auch die zweite Steigung. Das war meine "Schicksalswelle" 2009 und ist generell so ein "komisches Ding": Ich bekomme hier meistens einen Knoten in die Beine und verliere mächtig an Boden. Kurz vor der Abzweigung konnte ich wieder fast nach ganz vorne fahren und fuhr ganz weit außen durch die Kurve - ich wollte bloß nicht riskieren, dass die Fahrer weiter innen irgendwelche Schlenker machen oder sonstigen Unfug treiben würden. Da hielt ich lieber Abstand, denn Straßenrennen kann man in den Kurven sowieso nicht gewinnen, sondern nur verlieren. In der Steigung selbst lief es anfangs noch planmäßig, aber ab Mitte der Steigung kam ein tüchtiger Zug ins Feld. Zahlreiche Fahrer zogen an mir vorbei und meine Beine waren bei der zweiten intensiven Belastung des Tages offenbar noch nicht richtig auf Betriebstemperatur. Zum Glück riss der Fahrerfluss nie ab, also konnte ich relativ ruhig bleiben und einfach mit meiner kleinsten Übersetzung von 39/28 fleißig weiterkurbeln statt etwas dicker schalten und kräftiger in die Pedale treten zu müssen.

Nach der Steigung wurde dann kurz durchgeatmet und ich überlegte mir, ob ich für eine erneute Tempoverschärfung sorge, weil der Abschnitt nach der Steigung in den letzten Jahren immer wieder einige Fahrer vor Probleme gestellt hatte und 2007 sogar die Vorentscheidung über den Rennsieg brachte. Ich musste mir das aber nicht länger überlegen, da das Feld automatisch wieder Zug aufnahm. Auch die Abfahrt nach Ehingen hinein wurde zügig gefahren, was meiner Strategie natürlich super entgegenkam: Das Tempo wurde an den Schlüsselstellen hochgehalten, aber ich musste nicht extra meine Nase dafür in den Wind stecken!

Die Abzweigung in Ehingen sorgte dann für etwas Verwunderung bei mir. Bei einem Kriterium knallt man hier in Einerreihe durch und auch 2007 sowie 2008 wurde hier immer wie bei einem Kriterium Tempo gemacht. Doch schon 2009 hatte sich das irgendwie geändert und diesmal war es ganz extrem: Fast in kompletter Fahrbahnbreite fuhr das Feld in 5er- oder 6er-Reihe durch diese Kurve. Das deutete auf ein niedriges Tempo hin, was nun nicht mehr ganz meiner Strategie entsprach. Ich fand das wirklich merkwürdig, weil das Tempo in der Anfahrt zu der Kurve noch ganz passabel war. Plötzlich aber wurde es langsam und auch hinter der Kurve blieb der Ziehharmonikaeffekt komplett aus. Vielleicht mag es am starken Gegenwind gelegen haben, dass vorne nicht aufs Tempo gedrückt wurde. Schade, denn mit Kriteriumsfahrweise hätte man bei diesem Gegenwind eine Windkante erzwingen können.

Eingeschlafen ist das Tempo deswegen aber auch nicht gleich. Es ging stets relativ zügig weiter. Wer genau bei diesem starken Gegenwind immer vorne das Tempo machte, weiß ich gar nicht, weil keinerlei "belgische Kreisel-Rotation" einsetzte und ich daher nie auch nur ansatzweise Richtung Führungsposition kam. Ein bisschen verwunderlich, wenn man bedenkt, dass es auf der 42er-Strecke keine Teamwertung gab und daher auch größtenteils Einzelstarter am Start waren. Da will ja normalerweise keiner zu viel im Wind arbeiten. Entweder gibt es dann kurze Führungswechsel oder das Grundtempo ist so niedrig, dass es ständig Attacken gibt. Das war aber irgendwie nicht der Fall, das Grundtempo wurde konstant auf einem solchen Level gehalten, dass niemand über Attacken nachdachte.

Es ging dann in die "Doppelwelle" rüber nach Röckingen. Dort vergaß ich dann, dass der Wind nun von links kam. Ich musste mich im Feld etwas zurückfallen lassen, um einen "Übergang" nach rechts zu finden, damit ich entsprechend windgeschützt bin. Dort angekommen, wollte ich gleich wieder nach vorne fahren, um ständig reagieren zu können. Der Grundgedanke war auch richtig, denn es setzte jetzt tatsächlich eine Attacke - und zwar gleich von ungefähr 10 Fahrern!!! In der ersten Steigung konnte ich gerade noch so dranbleiben. Markus schoss dann in der kurzen Zwischenabfahrt an mir vorbei und schrie mir zu, dass ich dranbleiben solle - aber meine Beine waren anderer Meinung. Ich wollte nicht overpacen und ließ die Angreifer ziehen. Die Welle war ja nicht allzu lang und danach folgte eine leichte Abfahrt und die Dreifach-Kurvenkombination in Röckingen. Dort wollte ich das Loch zufahren. Am Ende der Steigung war ich dann auch an der Spitze des restlichen Hauptfelds und machte gleich Dampf. Kurz vor der Kurvenkombi war ich schon fast wieder dran und erhielt auch Unterstützung durch einen weiteren Fahrer, der noch den Sprung in die Spitzengruppe bewerkstelligen wollte. Nach der dritten Kurven schloss ich die Lücke und konnte erst mal durchatmen, denn entgegen der mir bekannten Fahrweise wurde jetzt nicht weiter voll auf Zug gefahren. Aber auch wenn das Tempo nicht am Anschlag war: Das Feld war gesprengt!

Wir bogen dann ab auf die Straße Richtung Start in Gerolfingen und waren nun in der einzigen Rückenwind-Passage des Tages. Das Tempo war weiterhin etwas gedrosselt und beim Blick zurück war die zweite Gruppe, die zahlenmäßig vielleicht sogar noch als Hauptfeld zu bezeichnen war, gar nicht mal so weit hinter uns. So richtig klappte die Verfolgungsarbeit dort aber nicht, denn es kam dann plötzlich nur ein einzelner Fahrer angeschossen, der den Sprung zu unserer Gruppe noch schaffte. Der Rest konnte das eigentlich kleine Loch nicht schließen. Unserer Gruppe war nun auf fast 20 Fahrer angewachsen, die Verfolgergruppe war ähnlich groß. Ganz vorne hatte sich aber ein Duo abgesetzt. Falls ich es im Video richtig erkannt habe, so handelte es sich um Ingo Reichart (Team Sport Frey Allgäu) in weiß-grün und um Reinhold Burr. Das Loch war aber nicht zu groß und bei der Größe unserer Gruppe und wegen des starken Windes sollte das Unterfangen der Beiden zum Scheitern verurteilt sein. Ich machte mir zumindest keinen Kopf, hatte sie und das Führungsmotorrad ständig im Blick und vertraute auf die Gruppe. Okay, das war dieses Jahr in den meisten Fällen ein Fehler, aber diesmal war ich einfach davon überzeugt, dass die Gruppe die beiden Ausreißer wieder zurückholt. War jedenfalls eine tolle Aktion von den beiden. Wäre die Gruppe kleiner gewesen und meine Beine besser, dann wäre ich gerne mitgesprungen ;)

In der 2. Runde schienen dann die meisten aber schon in den Energiesparmodus zu gehen. An der zweiten Steigung hatte ich nicht wie sonst Probleme dranzubleiben, sondern fuhr meinen Stiefel ganz normal weiter und setzte mich dadurch etwas ab. Ich passierte Heiko Löb, der ebenso wie zunehmend mehr Fahrer von der 82er-Strecke zurückgefallen war, und zog meinen Rhythmus bis zur Kuppe durch. Dort atmete ich dann etwas durch und ließ das Feld wieder aufschließen. Kurz darauf eine Schrecksekunde: Zwei Positionen vor mir stürzte ein Fahrer fast, weil er das Hinterrad des Vordermannes berührte. Er reagierte aber gut und konnte sein Rad abfangen. Da das Feld, wie bereits erwähnt, nun im Energiesparmodus fuhr, war das eine fast schon typische Situation. Immer wenn es etwas ruhiger wird, sinkt auch die Konzentration und die Sturzgefahr steigt. Nach dieser Aktionen sollten aber alle wieder wach gewesen sein ;)

In Ehingen fuhr dann ein Fahrer vor der Abzweigung etwas vorne raus, was auch mein Gedanke war. Ich ging an ihm noch vor der Kurve vorbei und schaltete dann kurz in den Kriteriumsmodus. Bei dem starken Gegenwind wollte ich eigentlich abbrechen, weil ich einen Ziehharmonikaeffekt hinter mir nicht erkennen konnte. Nur ein einzelner Fahrer schloss zunächst zu mir auf. Aber der hatte kein sonderliches Interesse an einer Tempoverschärfung. Ach ja: Innerhalb dieser letzten Kilometer war ich glatt zwei weitere Male "Aktuell Führender des Rennens" ;)

Der Rest war dann aber 0815. Es passierte gar nix mehr. Auch nicht auf dem Abschnitt rüber nach Röckingen. Keine einzige Attacke mehr, nur noch die Ruhe vor dem Sturm. In Gerolfingen orientierte ich mich dann schon mal nach vorn, was genau im richtigen Moment geschah - denn einige Fahrer traten an. Ich ging gleich wie bei den Wertungsrunden in Kulmbach im Sattel mit und wollte erst mal drauf verzichten, aus dem Sattel gehen zu müssen, weil das stets unwirtschaftlicher als im Sitzen ist. Klappte so weit ganz gut, weil das Tempo auch nicht so lange hochgehalten wurde wie in Kulmbach bei besagten Wertungsrunden. In dieser Situation machten sich die Kriterien in Kulmbach also sogar bei einem Straßenrennen bezahlt ;)

Danach ging es in die Steigung und ich war vielleicht an Positione 6 oder 7. Anfangs hielt ich noch das Tempo der Fahrer vor mir, aber schon nach ungefähr einer halben Minute spürte ich, dass die Pace zu hoch für mich sein würde. Also ließ ich reißen und konzentrierte mich auf meinen Rhythmus. Ich rechnete wie in Schleiz damit, dass jederzeit weitere Fahrer an mir vorbeiziehen würden. Immerhin hatte ich am Ende von Runde 1 schon mal den Anschluss verloren und vorne waren um die 10 Fahrer, die offenbar besser klettern konnten als ich. Ach ja: Johann war plötzlich wieder auf der Strecke und fuhr mit dem Spitzen-Quintett mit - aber außer Konkurrenz. Am Ende von Runde 1 hatte er Defekt.

Neben den 5 Fahrern ganz vorn war noch ein sechster Fahrer ungefähr 10 Meter vor mir: Ingo Reichart. Der mutige Angreifer von Ende der ersten Runde. Er fuhr ungefähr die gleiche Pace wie ich, weshalb es stets bei diesen ungefähr 10 Metern Abstand blieb. Wie in Schleiz fuhr aber sonst niemand an mir vorbei. Ich drehte mich mal um und sah einen guten Vorsprung auf die nächsten Verfolger - einer davon war Markus. Das hat mich dann doch überrascht, da er zuvor im Rennen an den Steigungen einen wesentlich stärkeren Eindruck auf mich gemacht hatte. Er kam ja auch bei der Attacke am Ende der ersten Runde mit der Spitzengruppe durch, während ich den Anschluss verlor. Aber das ist auch die Faszination Radsport: Man hat starke und schwache Phasen - und weiß nie so recht, zu welchem Zeitpunkt welche Phase kommt. Markus hatte offensichtlich genau zum falschen Zeitpunkt eine schlechte Phase erwischt.

Ich selbst fuhr meinen Rhythmus und blieb ganz locker, weil ich mir den Anstieg in einem youtube-Video mehrmals angesehen hatte. Ich wusste also, wie lang es noch ist und dass vorerst Gleichmäßigkeit angesagt war. Ingo fuhr mir schließlich auch nicht davon. Von hinten kam dann nach 2/3 des Anstiegs aber plötzlich ein "Schatten" auf, den ich beim kurzzeitigen Blick in den "Sprinterspiegel" bemerkte. Karl-Heinz Boost von Booster-Bikes musste mit großem Energieaufwand das Loch zu uns beiden zugefahren haben. Er hielt sich nicht lange an meinem Hinterrad auf und zog an mir - und an Ingo (!) vorbei! Er wollte uns vermutlich gleich schocken und abhängen. Ich bemerkte an dieser Stelle das 300-Meter-Schild und fing an zu überlegen: Bergsprint über 300 Meter? Geht das? Bevor ich Karl-Heinz aber komplett davonstiefeln lassen würde, ging ich aus dem Sattel und legte langsam eine etwas dickere Übersetzung auf. Ich riss nicht an, sondern wollte gleichmäßig Fahrt aufnehmen - und ab ca. 250 Meter antreten. Gedacht, getan - aber beim 200-Meter-Schild pflanzte ich mich wieder. An Info war ich vorbei, aber ansonsten kam der Sprintversuch zu früh. Ich kurbelte dann nochmal bis ungefähr 100 Meter im Sitzen weiter, was aber auch okay war, denn Karl-Heinz schien vorne nicht mehr zulegen zu können. Ingo wurde von Zuschauern nochmal zum Sprinten animiert, was ich aber gleich als "mein Startsignal" nahm und erneut 4 (?) Gänge dicker schaltete. Vermutlich lag jetzt 39/21 auf. Jedenfalls näherte ich mich zügig Karl-Heinz, der seinerseits etwas nach rechts rüberzog. Ich wollte es gar nicht erst eng werden lassen und zog daher ganz weit nach rechts, um bloß keine Berührung mit ihm zu riskieren. Der Antritt kam zum rechten Zeitpunkt, denn Karl-Heinz konnte nicht kontern - und bei Zieldurchfahrt war mein Tank leer. Wäre ich 50 Meter führer losgefahren - ich weiß nicht, ob ich dann so eingebrochen wäre, dass Karl-Heinz doch noch hätte kontern können. Es war quasi eine Punktlandung für mich.

37,12 km/h zeigte mein Tacho bei der Zieldurchfahrt und ich konnte es kaum glauben, dass es für mich so gut lief. Die Beine waren speziell in der ersten Runde nicht so gut und ich hatte ja schon um die 10 Fahrer ziehen lassen müssen. Dementsprechend hatte ich kaum noch mit einer Top-Ten-Platzierung gerechnet, aber dass es dann sogar Platz 6 wurde - wow! Da fühlte ich mich ähnlich top wie in Schleiz. Wirklich schnell bin ich aber gar nicht mal geklettert, finde ich. Auf der 82er-Strecke wäre ich wohl irgendwo am Ende des Feldes gelandet und hätte mindestens 2 Minuten Rückstand auf den Sieger gehabt. So aber waren es nur 57 Sekunden Rückstand auf den Sieger und die Einstellung meines besten Ergebnisses bei einem Kletterrennen.

Und bevor ich noch eine Nachbetrachtung zu Hesselberg mache, hier das Video:

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