Disclaimer - wenn man so will

In meinem Sport-Blog schreibe ich über meine Sporterlebnisse teilweise ernsthaft, teilweise aber auch mit überspitztem Humor - den Unterschied sollte man erkennen, wenn man mich persönlich kennt ;) Generell gilt: Wer die Dinge, die ich hier schreibe, zu ernst nimmt, ist selbst schuld ;)

Team 2019

Team 2019

2019 fahre ich Lizenzrennen für RMV Concordia Strullendorf 1920 e.V. und ausgewählte Jedermannrennen

Donnerstag, 16. August 2012

Tour de Hesselberg 2012 - Nachbetrachtung

Nach dem Aus des GCC in Nürnberg hatte ich es ja schon gesagt: Tour de Hesselberg ist ab sofort das größte Jedermannrennen Bayerns. In anderen Bundesländern, speziell in den GCC-Bundesländern, würde man vermutlich über 82 km als Landistanz und 42 km als Kurzdistanz lachen. Dort wären 82 km eher die Kurzdistanz und eine A-Klassen-Distanz von jenseits der 100 km bilden dann die Langdistanz. Auch bei zusammen ungefähr 200 Startern würde man wohl eher lachen, weil alles unter 1000 als "kleines Rennen" gelten würde. In Bayern ticken die Uhren aber eben anders - und generell vernünftiger.

Sagen wir es doch mal klar, wie es ist: Wenn man so viel Zeit hat, um sich die Trainingsgrundlage für Rennen jenseits der 100 km zu erarbeiten, dann ist man kein Hobbyfahrer mehr, sondern schon Amateur - egal ob mit Lizenz oder nicht. Die angebotenen Distanzen bei Tour de Hesselberg sind somit wesentlich realistischer als beim GCC. Denn dort hat man teilweise Rennen über 70 oder 80 km, die als Kurzdistanz bezeichnet werden. Für Lizenzfahrer mag das gelten, aber für Hobbyfahrer kann das ja wohl kaum ernst gemeint sein! In Gesprächen mit den meisten Hobbyfahrern hört man schließlich immer wieder "Keine Zeit" als Argument, weshalb man nicht längere Rennen oder gar Lizenzrennen fahren kann. Ich kann es natürlich nachvollziehen: 60 bis 70 Kilometer sind meine Trainingseinheiten meistens lang. Das ist die Trainingsgrundlage, die auch die Marschroute für die fahrbaren Renndistanzen vorgibt. Man kann natürlich auch längere Distanzen in Angriff nehmen, würde aber ungefähr ab Ende der Trainingsgrundlage ziemlich einbrechen und dann nur noch wie ein Häufchen Elend Richtung Ziel eiern. Die Augen sind bekanntlich oftmals größer als der Magen, weshalb z.B. in Schleiz auch immer wieder Fahrer voller Begeisterung auf die 145er-Strecke gehen, dann aber nach 75 km total entkräftet vom Rad steigen. Bei Tour de Hesselberg orientieren sich die Renndistanzen deutlich realitätsnäher an den Trainingsumfängen von Hobbyfahrern. Es ist nunmal ein Rennen, das sich wirklich an Breitensportler richtet. Beim GCC hingegen richtet man sich an Amateurfahrer ...

Hier haben wir also auch schon einen großen Unterschied zwischen Bayern und "dem Rest der Welt" bzw. den GCC-Bundesländern: Jedermann versteht man in Bayern nach wie vor als Breitensport und Amateure sollen bei Lizenzrennen an den Start gehen. So meiden viele Lizenzfahrer in Bayern die Teilnahme an Jedermannrennen, weil ihnen so etwas peinlich wäre. Das muss es zwar nicht unbedingt sein, sind doch sowieso nur C-Fahrer startberechtigt. Aber so ist das eben in Bayern. Und aus Sicht eines Hobbyfahrers sehe ich dann auch kein Problem damit, wenn ein Jedermannrennen nicht durch notorische Aufstiegsverweigerer kaputtgemacht wird. Es sind weitestgehend nur solche C-Fahrer am Start, die bei Lizenzrennen nur hinterherfahren und mit denen man sich als Hobbyfahrer weiterhin auf Augenhöhe messen kann. Man kann länger und oftmals bis zum Ende mit der Spitze mithalten und muss sich nach dem Rennen nicht nur erzählen lassen, wie denn das "eigentliche Rennen" gelaufen ist. Insofern ist Tour de Hesselberg ganz gewiss kein "kleines" Rennen, sondern hat genau die richtige Größe.

Die vermeintlich geringe Teilnehmerzahl, die in Wirklichkeit aber nunmal die größte Teilnehmerzahl bei einem Jedermannrennen in Bayern ist (auch auf der Kurzdistanz mit ca. 70 Startern), ist also als vernünftiger zu bezeichnen. Das theoretische Limit würde wohl bei 300 liegen, glaube ich. Das ginge auch noch. Es verringert einfach das Sturzrisiko. Während man bei GCC-Rennen IMMER von den ganzen Stürzen hört, habe ich selbst gar keinen Sturz mitbekommen und nur ein Fahrer unseres Vereins berichtete davon, dass er in einen Straßengraben gedrängt wurde und dadurch zu Fall kam. Ansonsten gab es keine sonderlich nervöse Fahrweise oder gar starke Bremswellen, wie man sie in den überfüllten GCC-Feldern standardmäßig erleiden muss. Das heißt aber noch lange nicht, dass es hier und da nicht auch eng wurde. Enge Fahrweise gehört zu einem Radrennen eben dazu, das ist bei Tour de Hesselberg natürlich nicht anders. Aber: Es ist eben nicht ZU ENG, weil man aufgrund der Größe des Fahrerfeldes nicht ganz so sehr wie Sardinen in der Büchse zusammengepfercht fahren muss ...

Tour de Hesselberg war also das größte Jedermannrennen Bayerns 2012 - und ist in diesem Umfang auch goldrichtig! Als Veranstalter will man natürlich immer mehr Fahrer und somit mehr Startgebühren haben, aber aus Fahrersicht ist der Umfang der Veranstaltung wirklich optimal. Einzig das Fehlen einer Teamwertung auf der Kurzdistanz ist ärgerlich - und die seltsame Handhabe der Teamwertung auf der Langdistanz: Die schnellsten drei Fahrer eines gemeldeten Teams sollen gewertet werden. Schön und gut. Aber wieso werden dann der 4.-, 5.- und 6.-schnellste Fahrer des gleichen Teams auch noch gewertet und zu einem "Team 2" gemacht?!? Handelt es sich dabei um das einzige Lizenzteam im Fahrerfeld, dann kann es schon mal sein, dass die Nummern 4 bis 6 in der Endabrechnung vor dem eigentlichen drittstärksten (Hobbyfahrer-)Team liegen und diesem somit die Teilnahme an der Siegerehrung verwehren. Das ist nicht die Schuld des Lizenzteams, das ja nicht die Regeln macht, aber hier vermiest es sich der Veranstalter mit den Jedermannteams. Es macht den Platz auf dem Siegerpodest unnötigerweise enger als nötig und auf der Kurzdistanz gibt es generell keinerlei Anreiz für eine Teambildung. Dann fährt man eben nur alleine als Solist mit und überredet nicht extra noch 2, 3 weitere Fahrer zur Teilnahme. Der Veranstalter schneidet sich hier ins eigene Fleisch ...

Während es beim Thema "Teamwertung" also Verbesserungsbedarf gibt, läuft es bei Tour de Hesselberg ansonsten bestens. Vorerst zumindest noch. Denn es wurde gemunkelt, dass das Rennen zum letzten Mal durchgeführt wurde. Da ist Tour de Hesselberg nach dem Aus des GCC-Rennens in Nürnberg gerade erst zum größten Jedermann-Ereignis Bayerns geworden, zu dem Highlight der Jedermannszene in Bayern, da scheint sich die Hierarchie in Bayern schon wieder neu ordnen zu müssen. Sollte Hesselberg wirklich nicht mehr stattfinden, gibt es eigentlich keinen richtigen Nachfolge-Kandidaten. Cadolzburg mit 50 km Länge und auch um die 50 Startern wäre einer der Kandidaten, aber in Südbayern gibt es z.B. den Giro Elkofen, der wohl über ähnliche Teilnehmerzahlen verfügt. Leider findet das Rennen wirklich sehr weit südlich in Bayern statt und überschneidet sich zudem jedes Jahr mit dem Doppel-Wochenende Altenkunstadt/Strullendorf in Nordbayern, weshalb Elkofen sicherlich die notwendige Mischung an Fahrern aus ganze Bayern fehlt, um als die neue Nummer 1 durchgehen zu können.

Hoffentlich bleibt uns Tour de Hesselberg also erhalten, dann braucht man sich nicht zu streiten, welches Jedermannrennen in Bayern nun der Status Quo ist. Und irgendwie würde man auch fast den ungewöhnlichen Dresscode bei Tour de Hesselberg mit all den ärmellosen Trikots und Kniestrümpfen vermissen ... ;)

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