Disclaimer - wenn man so will

In meinem Sport-Blog schreibe ich über meine Sporterlebnisse teilweise ernsthaft, teilweise aber auch mit überspitztem Humor - den Unterschied sollte man erkennen, wenn man mich persönlich kennt ;) Generell gilt: Wer die Dinge, die ich hier schreibe, zu ernst nimmt, ist selbst schuld ;)

Teams 2018

Team 2018

2018 fahre ich Lizenzrennen für RMV Concordia Strullendorf 1920 e.V. und ausgewählte Jedermannrennen

Montag, 22. Juni 2015

Lehrgeld in Dachau

Ich glaube, das C-Rennen in Dachau war das erste bayrische C-Rennen seit Aichach Anfang April. Bin mir nicht ganz sicher, es kann zwischendurch vielleicht doch irgendwo ein C-Rennen gegeben haben, aber mir fällt spontan keins ein. Wenn man nun also meinen sollte, dass sich die C-Fahrer, die laut einer Statistik von vor einigen Jahren die stärkste Fraktion der drei Lizenzfahrerklassen bilden, nach all diesen Wochen ohne C-Rennen nur so um eine Teilnahme reißen würden, dann war das falsch: Nur 39 Fahrer fanden sich an der Startlinie ein - kein Wunder, dass ich in Startreihe 3 auf der rechten Seite schon in der zugleich letzten Startreihe stand!?!

Kleine Fahrerfelder sind ja noch nie mein Ding gewesen, weil man da einfach zu schnell ans Feldende durchgereicht wird. Im Vorfeld hatte ich aber aufgrund der extrem wenigen C-Rennen in Bayern sowieso eher mit 70-80 Fahrern gerechnet, deswegen dachte ich mir bei der Startaufstellung auch zunächst nichts weiter, als ich mich in Reihe 3 aufstellte. Rückblickend war das aber Fehler Nummer 1. Ein anderes Problem, das ich schon vor dem Start hatte, war meine alte Start-Nervosität, die ich 2008 mal beim A-Rennen in Lauf mittels Pulsmesser feststellen musste. In Kulmbach habe ich diese Start-Nervosität schon im Griff, auch bei den offiziellen Rennen der letzten 2, 3 Jahre bekam ich das immer besser in den Griff. 2008 war aber genau dieses Problem ein Hauptgrund dafür, warum ich trotz des guten Leistungsstands in den ersten 15, 20 Minuten eines Rennens zu schnell ans Limit kam. Und eben dieses Problem feierte zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt sein Comeback.

Als das Rennen losging, kam ich immerhin problemlos ins Klickpedal - immerhin EIN Lichtblick! Danach ging ich eigentlich von etwas mehr Zug im Feld aus, als es in die erste Kurve ging. Das Feld entschloss sich hier aber zu einer "Fünf-Dreiviertel-Reihe" durch die Kurve, wodurch man natürlich kaum schneller als auf einem Fußweg um die Kurve fahren konnte. Hinter der Kurve folgte dann aber schon ein Vorgeschmack auf das, was mir später das Genick brechen sollte: Es wurde ganz schön stark angetreten. Würde man auf einer schnellen Linie durch die Kurve fahren, müsste man hinter der Kurve gar nicht so stark antreten - warum das Feld hier so breit durch die erste UND die zweite Kurve fuhr, verstand ich nicht so ganz. Es ist halt ein anderes Umfeld. Vielleicht ist das die Fahrweise bei Lizenz-Kriterien, vielleicht sind solche Kurvenstaus und anschließenden starken Antritte, die in lästigen Ziehharmonikaeffekten enden, Absicht. Bei Hobby- und Jedermannkriterien versuchen die Fahrer jedenfalls eher eine möglichst schnelle Linie durch die Kurve zu fahren, um möglichst viel Speed mitzunehmen und nach der Kurve dann nicht so stark antreten zu müssen. Auch in Kulmbach ist das so. Insofern habe ich schon lange nicht mehr so viele starke Antritte mitgehen müssen wie gestern in Dachau. So eine Fahrweise bin ich nicht (mehr) gewohnt, weshalb ich auch gar nicht für so etwas trainiert hatte. Stattdessen war mein Training auf eine möglichst hohe "Reisegeschwindigkeit" ausgerichtet, um bei gleichmäßigem Zug mehr als nur einen 43er-Schnitt mitgehen zu können. Ich ging ja im Vorfeld durchaus von 44-45 km/h als Schnitt aus.

Die zwei starken Antritte pro Runde, mit denen ich einfach nicht gerechnet hatte, wurden noch dadurch verstärkt, dass man nicht nur alle 5 Runden eine Wertungsrunde, sondern zwischendurch auch jedesmal noch eine Prämienrunde hatte. Die erste Prämien- und Wertungsrunde konnte ich dabei noch sicher im Feld überstehen, aber in Runde 7 konnte ich dann den Ziehharmonikaeffekt nach der 2. Kurve auf der Gegengerade nicht mehr mitgehen. Einen eher mäßigen Schnitt von 43,2 km/h hatten wir zu dem Zeitpunkt, aber wie gesagt: Ich war schon vorm Start zu angespannt, was der Leistung nicht gut tut, und ich hatte einfach nicht mit so vielen harten Antritten gerechnet, weil Dachau generell ein Highspeed-Kurs mit nur 1,5 Kurven ist - wenn man diese Kurven nicht zu dritt oder zu viert nebeneinander ansteuert. Werden die Kurven aber langsam gefahren, ist 43,2 km/h als Schnitt vielleicht doch nicht ganz so "mäßig". Es ist dann vielmehr Ausdruck dessen, was auf den Geraden geheizt wurde. Nur mal einige Werte zur Veranschaulichung: Mein Top-Speed bei den ersten drei Teilnahmen in Kulmbach dieses Jahr war trotz Sprintversuchen jeweils UNTER 55 km/h. Mein Top-Speed gestern in Dachau war OHNE einzigen Sprintversuch 56,2 km/h - und die Kurvengeschwindigkeit war dann um die 30 km/h, weil es sich so staute. Bei solchen Werten kann man sich schon ausmalen, was für Ziehharmonikaeffekte da aus den Kurven heraus entstanden sind.

Es war wirklich ärgerlich. Der Schnitt war wirklich nicht das Problem, den bin ich die letzten 2, 3 Jahre schon mehrmals mitgegangen. Aber die hohe Anfangs-Nervosität und diese hohe Anzahl an starken Antritten haben mir das Genick gebrochen. Bis Strullendorf in zwei Wochen werde ich das Defizit bei den vielen Antritten sicherlich nicht wettmachen können. Mein Training war rein auf eine hohe Durchschnittsgeschwindigkeit bei eher gleichmäßiger Fahrweise ausgerichtet, wie ich es eben aus Kulmbach gewohnt bin. Aber hoffentlich habe ich meine Anfangs-Nervosität im Strullendorf besser im Griff, schließlich fahre ich dort seit 2006 jedes Jahr mit und sollte daher mit mehr Ruhe an den Start gehen können. Kenne den Kurs und die Fahrweise des Feldes dort ja zur Genüge. Zu dritt oder zu viert fährt das Feld dort normalerweise nicht durch die Kurven, normalerweise hat man dann auch nur einen heftigeren Antritt pro Runde, wenn es aus der Zielkurve raus geht. Mal sehen, ob es dort also besser läuft. Und hey - hoffentlich sind auch mehr als nur 39 Fahrer am Start!

Wo waren eigentlich die ganzen C-Fahrer?!? So viele C-Rennen gibt es in Bayern nun mal nicht. Vielleicht in einem Parallel-Universum, das kann ich ja nicht beurteilen, aber wenn sich der Lizenzsport so entwickelt, dass bei einem der wenigen C-Rennen keine 40 Leute mehr am Start sind, dann kann man bald den Deckel auf den Lizenzsport machen. Dann gewinnt der Jedermannsport ganz klar. Größere Starterfelder, auch größere Rennen inklusive richtiger Straßenrennen - und preislich ist man auch nicht mehr so weit auseinander. In Dachau musste ich 15 Euronen berappen - als Voranmelder! Bei 'nem Jedermannrennen wie z.B. in Schmölln zahlt man 25 Euronen, hat aber ein 74-km-Straßenrennen mit fast 100 Startern und einem Starterbeutel, in dem etwas zu trinken und zu essen ist. Im Idealfall geht man dann auch noch aus dem Verein raus und spart sich die Kosten für Mitgliedsbeitrag und Lizenz. Aber soll das wirklich die Zukunft des Radsports in Deutschland sein? Muss sich der Profisport dann der besten Fahrer der Jedermannteams bedienen, um neue Fahrer zu bekommen, weil niemand mehr Lizenz fährt? So abwegig wäre das ja auch gar nicht, denn im Profisport fährt man schließlich nicht ständig nur 1 km im Kreis, also haben die heutigen Jedermannfahrer sowieso mehr Erfahrung was Straßenrennen anbelangt als Lizenzfahrer. Vielleicht frisst der Jedermannsport aber einfach nur den Lizenzsport und führt sein eigenes Klassensystem ein. Überraschend würde so eine Entwicklung nicht mehr sein, denn generell ist die Entwicklung in Deutschlands Radsport ja diese: Der Lizenzsport verliert Rennen und Fahrer, der Jedermannsport gewinnt an Rennen und Fahrer. Tja, und die großen Fische fressen nun mal die kleinen...

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