Disclaimer - wenn man so will

In meinem Sport-Blog schreibe ich über meine Sporterlebnisse teilweise ernsthaft, teilweise aber auch mit überspitztem Humor - den Unterschied sollte man erkennen, wenn man mich persönlich kennt ;) Generell gilt: Wer die Dinge, die ich hier schreibe, zu ernst nimmt, ist selbst schuld ;)

Team 2019

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2019 fahre ich Lizenzrennen für RMV Concordia Strullendorf 1920 e.V. und ausgewählte Jedermannrennen

Montag, 8. Juni 2015

75/86 in Schleiz

Als wir letztes Jahr erstmals auf dem neuen Kurs in Schleiz unterwegs waren, gab es etwas Verwirrung bzgl. der tatsächlichen Streckenlänge. Im Vorfeld hieß es mal 41 km für die Kurzstrecke (1 Runde), aber am Ende gab es Angaben von 47 bis 49 km. Ich selbst hatte keinen Tacho, weil der einfach ausgefallen ist. Da ich aber in den letzten Jahren immer schon am "Buchhübel" den Anschluss an das "Hauptfeldchen" verlor und das Rennen somit für mich keine 5 km dauerte (die folgenden Einzel-, Paar- oder Mannschaftszeitfahren fühlen sich dann einfach nicht mehr wie ein "Rennen" an), wollte ich dieses Jahr auf der Mittelstrecke starten. Offiziell 88 km, aufgrund der groben Werte für die Kurzstrecke aus dem letzten Jahr spekulierte ich aber mit rund 90 km. Am Ende stoppte mein Tacho aber bei 86 km und 'n paar Zerquetschten. Also so viel zur Distanz, die ich in Schleiz diesmal zu bewältigen hatte...

75/86 - das ist mein Platz auf der entsprechenden Distanz. Ja, Schleiz ist das schönste, aber wohl auch schwierigste Rennen des Jahres. Wenn man (noch) keine Form hat, könnte man also sagen, dass ein Start nicht viel Sinn macht. Aber ich bin ja Hobbyfahrer, kein Leistungssportler. Wenn das schönste Rennen des Jahres ansteht, dann geh ich eben auch ohne Form an den Start. Und was soll ich sagen? Über 200 Starter, also ein doppelt so großes Feld wie auf der Kurzdistanz. Das versprach von vornherein ein etwas längeres Rennerlebnis, weil sich das Feld nicht so schnell in einzelnen Grüppchen aufteilen sollte. Ich stand dennoch etwas weiter vorn in der Startaufstellung als zuletzt auf der Kurzdistanz. Anderes Rennen, möglicherweise auch anderes Fahrverhalten im Feld - und dieser Verdacht erwies sich als korrekt. Während man auf der Kurzdistanz an vielen langsam losfahrenden Fahrern gleich sehr gut vorbeirollen konnte und dann an der Spitze des Feldes rechts in die erste kurze Abfahrt abbog, war diesmal gleich ein richtiger Zug im Feld. Kein Abtasten, sondern gleich mächtig Radau. Im Gegenhang mäßigte sich das Tempo aber schon und ich konnte mich etwas vorarbeiten. Danach reihte mich einfach ein und fuhr die Pace der weiteren Fahrer vor mir. Dann durch die Schikane in die zweite kurze Abfahrt und rein in den "Buchhübel" - so heißt diese erste "längere" Steigung, die sich noch auf dem Schleizer Dreieck befindet, bevor man dann in Oberböhmsdorf die Motorsport-Rennstrecke verlässt. Hier wurde auf der Kurzdistanz in den letzten Jahren immer eine Art Zielbergsprint angezogen - das war diesmal aber anders. Man hatte ja noch über 80 km vor sich - und das schien den meisten Fahrern bewusst zu sein. Es wurde ein gemäßigtes Tempo angeschlagen, was zu zwei erfreulichen Dingen führte: Ich kam bequem in der vorderen Hälfte des Hauptfeldes auf der Kuppe an und die Steigung war plötzlich viel kürzer als in den Jahren zuvor. ;)

Danach arbeitete ich mich durch die Kurven aus Oberböhmsdorf heraus noch um einige wenige Positionen nach vorn, was gut und notwendig war, denn in der längeren Abfahrt hinab Richtung B94 war jetzt ein richtig starker Zug im Feld. Perlenkette bei einem Straßenrennen - da war mächtig viel Dampf unter der Haube! Daher kam es auch nicht sonderlich überraschend, dass einige Fahrer Löcher reißen ließen, die ich nach Möglichkeit nicht selbst zufahren wollte. Das klappte auch so halbwegs, da ich ein sehr aktives Hinterrad zu greifen bekam. :)

So weit, so gut. Als auf die B94 ging, war der Zug im Feld aber immer noch so hoch, dass ich gleich den Anschluss ans Hauptfeld verlor. Hatte ich so in der Form aber schon erwartet. Mir war aber auch bewusst, dass das Starterfeld so groß war, dass normalerweise gleich eine zweite größere Gruppe folgten müsste. Dem war aber nicht so. Es sind zwar ungefähr ein Dutzend Fahrer an mir vorbeigezogen, die das Loch zufahren wollten - auch eine gewisse Diesel-Lokomotive befand sich in diesem Rudel -, die zogen mit so einem Geschwindigkeitsüberschuss an mir vorbei, dass ein Dranhängen kein Thema war. Ich versuchte dann einfach meine eigene Pace zu finden und so die Steigung hochzustiefeln, bis dann hoffentlich doch eine größere Verfolgergruppe von hinten kommen würde. Kurz vor Ende der Steigung war das auch endlich der Fall, ich lag somit voll im Soll. Mit der zweiten größeren Gruppe wollte ich ja ins Ziel kommen, Top 50, unter 2:30 Fahrzeit. Aber am Ende brauchte ich fast 2:38 und war ja nur auf Platz 75 - was lief da also schief?

Normalerweise hat man nach der Steigung auf der B94, wenn es dann links nach Kirschkau ab geht, schon so viel Kilometer, dass sich das Starterfeld einigermaßen sortiert hat. Ich ging also auch davon aus, dass ich das Rennen mit der Verfolgergruppe beenden würde. In Kirschkau gab es ja dann auch gleich eine schöne Kurve, in der ich im letzten Jahr ein Loch zu einem Quartett schon fast komplett zufahren konnte, danach ging es in eine längere Abfahrtpassage mit leicht kurvigem Verlauf, aber keine richtigen Kurven. Da war ich im letzten Jahr richtig gut unterwegs, das hat richtig Spaß gemacht. Keine problematischen Kurven, man konnte richtig schön Stoff geben. Das tat die Verfolgergruppe ebenfalls, also waren wir wieder mehr oder weniger als Perlenkette unterwegs. Dennoch konnte ich flott einige Positionen gut machen, weil ich die Kurven richtig gut erwischt habe. Da war die Straße bzw. der "Radweg" aber noch trocken. Zwischen Kirschkau und Dittersdorf besteht der Rennkurs ja nur aus engen Straßen, die von der Breite her an Radwege erinnern. Das bedeutet auch, dass man in den Kurven so gut wie keine Pufferzone hat, die Fehlertoleranz ist fast nicht gegeben. Als es aber in den Wald ging, waren die Straßen nass. Gut, die Fahrer vor mir knallten aber eigentlich wie auf trockener Fahrbahn durch die erste nasse Kurve, niemand zuckte auch nur. Also fuhr ich die Kurve auch ganz normal an - und plötzlich brach mein Hinterrad aus. Wie ich nach dem Rennen erfahren sollte, ist ein Fahrer vom RST Reichenbach auf der Kurzstrecke in dieser Kurve gestürzt. Mich hätte es auch fast erwischt. Ich konnte das Rad gerade noch so stabilisieren, konnte die Kurve aber durch diesen Fehler natürlich nicht mehr normal durchfahren. Stattdessen hatte ich meine Müh und Not, auf dieser nassen Fahrbahn so zu bremsen, dass nicht im Wald landete, ich aber auch nicht erneut ins Schleudern geraten würde. Ohne jeglichen Spielraum klappte das auch auf des Messers Schneide, aber jetzt war natürlich erstmal ein kleines Loch nach vorn.

Wenn man bei einem Rennen in die erste nasse Kurve fährt und dann gleich fast stürzt, ist natürlich das Selbstvertrauen weg. Und das ist erst recht der Fall, wenn man auch in der zweiten nassen Kurve fast von der Strecke fliegt - was der Fall gewesen ist. Ich fuhr jetzt durch jede Kurve immer weiter zurück und war dann scheinbar schon an der letzten Position im Feld - zumindest kam keine Unterstüzung mehr, die an mir vorbeifuhr. Der Blick war aber nur nach vorn gerichtet. Die kurvige Abfahrtspassage war vorbei, aber der restliche Abschnitt bis Dittersdorf besteht ja auch nur durch eine Aneinanderreihung halbgarer Wellen. Da die Verfolgergruppe weiterhin guten Druck auf dem Pedal hatte, vergrößerte sich mein Rückstand an den folgenden Wellen Stück für Stück. Wenn man sich in einer Abfahrt nicht erholen kann, sondern richtig heizen muss, um die Löcher nach jeder Kurve zuzufahren, dann kommt man einfach schon im roten Bereich an die jeweils nächste Steigung - und dann macht man keinen Bogen gut. Alles in allem konnte ich aber bis Dittersdorf auf Sichtkontakt und mehr oder weniger Schlagdistanz bleiben. Vielleicht würde die Verfolgergruppe ja doch etwas rausnehmen, nachdem sie die Lücke zum Hauptfeld offensichtlich nicht verkürzen konnten?

Als es aus Dittersdorf rausging, war ich dann allein im Wind und ging notgedrungen in den EZF-Modus. Aber kurz vor Plothen sauste ein Fahrer von hinten heran, mit dem ich dann zusammenfahren konnte. Aus Plothen heraus ist eine weitere Mini-Welle, an der mein Begleiter aber schon erste Probleme bekam. Ich nutze die Situation, um mal etwas von meinem Energieriegel abbeißen zu können. Das Zerkauen geht zwar nicht so schnell, da braucht man schon ein paar Minuten, aber der Riegel sollte ja auch für knapp 90 km reichen. ;) Durch diese "Verpflegungspause" fand mein Wegbegleiter aber wieder den Anschluss und wir fuhren bis Möschlitz gut weiter zusammen. Dabei war stets ein einzelner Fahrer in einem Bürstner-Trikot in Sichtweite, etwas weiter vor ihm die Verfolgergruppe. Der Abstand hatte sich seit Dittersdorf nicht verändert!!! Zu zweit waren wir so schnell unterwegs wie die Verfolgergruppe. Das war schon bitte, dass ich durch meine Probleme in den nassen Kurven aus dieser Gruppe rausgefallen war. Innerhalb der Gruppe wäre das Leben natürlich deutlich einfacher gewesen. ;)

Als es in Möschlitz dann in die Steigung ging, stand mein Wegbegleiter aber mehr oder weniger. Ich selbst fühlte mich trotz der jetzt schon recht langen Fahrt ohne Gruppe ganz gut und konnte am Ende der kurzen Steigung aus Möschlitz heraus den Anschluss an den Bürstner-Fahrer herstellen. Der war mir vorher schon in der Wellen-Passage rüber nach Dittersdorf aufgefallen - weil er sich immer nur kurz an Hinterräder hing und dann mit der Brechstange an einem vorbeifuhr, um das jeweils kleine Loch zum Ende der Verfolgergruppe zuzudrücken. Wirklich gelungen ist ihm das aber offensichtlich nicht, hätte er mal besser versucht, mit mir und dem anderen Fahrer ZUSAMMEN zu fahren. Denn die lange Alleinfahrt hatte bei ihm deutliche Spuren hinterlassen. Wir waren jetzt nur kurz als Duo unterwegs, danach musste er gleich endgültig abreißen lassen. Ich fuhr dann also allein die Schlusssteigung durch den Wald hinauf, wo ich dann glücklicherweise doch wieder einen Wegbegleiter fand: Einen Fahrer von den Löwen aus Weimar.

Wir zwei fuhren jetzt dann bis Kirschkau zusammen, aber dann musste er dem Druck seiner Blase nachgeben und anhalten. Da sich hinter uns aber auch weit und breit kein Fahrer mehr zu befinden schien, ging ich also wieder in den EZF-Modus. Die nassen Kurven in der Abfahrtspassage hinter Kirschkau waren immer noch nass, aber merkwürdigerweise kam ich jetzt deutlich besser durch. Wieso nicht schon in der 1. Runde?!? :( Die Abfahrt machte jetzt jedenfalls wieder richtig Spaß. Ich war flott unterwegs, aber die Sache fühlte sich dennoch "erholsam" an. Mit "frischen" Beinen fuhr ich dann auch in die erste der diversen Wellen Richtung Dittersdorf, wo ich eine Vierergruppe der 3-Runden-Distanz aufrollte. Ich zog an einfach an denen vorbei, weil die fast standen und ich meinerseits ja "frische" Beine hatte. ;) Danach fuhr ich noch an einem weiteren Fahrer der 3-Runden-Distanz vorbei, der etwas besser unterwegs zu sein schien, aber dennoch sein eigenes Tempo weiterfuhr - zunächst! Ab Dittersdorf war er dann doch an mir dran und wir fuhren dann zusammen. Dass dann also ein Fahrer von der 2-Runden-Distanz und einer von der 3-Runden-Distanz eine Notallianz schmieden müssen, ist schon etwas merkwürdig - aber das ist eben auch typisch für Schleiz. Eine größere Selektion als in Schleiz findet man einfach kaum. Insofern kann man sich einfach echt glücklich schätzen, wenn man in irgendeiner Gruppe mit wenigstens 10 Fahrern unterwegs ist. Das ist dann schon eine Seltenheit, aber auch ein großer Vorteil. Man spart halt doch einiges an Energie...

Tja, und diese fehlende Energie fehlte mir dann am Ende komplett. Ich hatte zwar meinen Riegel im Laufe des Rennens schön gleichmäßig verdrückt, aber da mir die Erfahrung über solch lange Distanzen fehlt, war das dann wohl doch zu wenig. Nach schätzungsweise 2:15 h oder 2:20 h fühlten sie die Oberschenkel richtig schlecht an. In der Ebene konnte ich keinen vernünftigen Druck mehr aufs Pedal bekommen, an den Steigungen war die Leichtigkeit auch verflogen - wobei ich sagen muss, dass es mich richtig positiv überrascht hatte, dass ich an den meisten Steigungen mit einem wirklich guten Tritt unterwegs war - deutlich besser als im Vorjahr, wo ich leichter war und ein Carbonrad fuhr. Am Ende fehlte mir aber die Kraft. Nächstes Jahr also besser zwei Riegel?!? ;)

In den Schlusssteigung im Wald rechnete ich dennoch mit keiner Überraschung mehr. Von hinten kam ja lange Zeit niemand mehr, aber genau zu Beginn der Schlusssteigung war doch urplötzlich ein Fahrer der Mitteldistanz neben mir - und dann gleich vor mir. Im Gegensatz zu mir konnte er aber offenbar noch normal fahren, wodurch er sich in der Steigung von mir absetzen konnte. Tja, dumm gelaufen. Kurz vor Schluss also doch noch eine Position verloren, aber immer noch in den Top 75 geblieben. ;)

Am Ende dieser Mischung aus "Warmup in der Gruppe" und EZF/PZF hatte ich dann nur einen Schnitt von 32,8 km/h auf dem Tacho, aber es hatte unter dem Strich dennoch mehr Spaß als auf der Kurzstrecke gemacht. Selbst dass mich am Ende noch ein Fahrer überholte war 'ne nette Sache, denn nix ist langweiliger, als wenn man kilometerlang niemand mehr vor sich sieht, den man noch überholen könnte, man aber auch von hinten nicht mehr attackiert werden kann. Dann fehlt den letzten Rennkilometern einfach das Renn-Feeling.

Nächstes Jahr dann mit mehr Energie (zwei Riegel?) und hoffentlich auf durchgehend trockenen Straßen (vor allem in den Kurven), dann klappt es auch mit der Zeit unter 2:30 h und einem Platz in den Top 50. In diesem Jahr hätte die Zeit zumindest für die Top 52 gereicht. Hauptsache, ich kann das Rennen nächstes Jahr mal in einer Gruppe aus mindestens 10 Fahrern bestreiten. Knapp 90 km größtenteils allein oder zu zweit sind halt nicht das Gelbe vom Ei, da könnte man ja auch MTB-Marathons fahren. ;)

Nach dem Rennen hatte ich einen riesigen Hunger, was ein klarer Beleg für zu wenig Nahrung während des Rennens ist. Unglaublich, ein ganzer Energize Bar - aber für 90 km nicht genug. Vor dem Rennen vielleicht nicht genug gegessen? Aber was soll man auch schon großartig im Magen haben, wenn das Rennen schon um 9:15 Uhr beginnt? Kann ja nicht schon um 6 Schnitzel mit Pommes essen. ;)

Bin jetzt erst mal kaputt - danach geht's ins Kriteriumstraining für Dachau und Strullendorf. Hoffentlich mit trockenen Kurven. ;)

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