Disclaimer - wenn man so will

In meinem Sport-Blog schreibe ich über meine Sporterlebnisse teilweise ernsthaft, teilweise aber auch mit überspitztem Humor - den Unterschied sollte man erkennen, wenn man mich persönlich kennt ;) Generell gilt: Wer die Dinge, die ich hier schreibe, zu ernst nimmt, ist selbst schuld ;)

Teams 2018

Team 2018

2018 fahre ich Lizenzrennen für RMV Concordia Strullendorf 1920 e.V. und ausgewählte Jedermannrennen

Samstag, 19. Juli 2014

Crash in Schmölln

Es war ein erstaunlich großes Starterfeld in Schmölln - bei normalen Jedermannrennen ist man das nicht gewohnt. Okay, im Vergleich zu GCC-Rennen immer noch Baby. Keine Ahnung, wie viele Starter genau es waren. Die Starterliste ging fast bis Platz 80, das Wetter war topp, also waren es wohl auch mindestens 80 Fahrer. Aber es waren eben Jedermänner - und da weiß man nie, was die teilweise so zusammenfahren. Das fängt ja schon mal mit der Streckenkenntnis an: Besichtigt man die Strecke vorher oder geht man einfach davon aus, dass einem die Vorderleute schon den rechten Weg deuten? Selbst auf einem Kindergarten-Kurs wie in Nürnberg krachte es mehrmals - werden Jedermannrennen ab 50 Startern tatsächlich zu einer Art russischem Sturz-Roulette? 1 Crash garantiert? Ich fahre ja GCC-Rennen nicht, weil dort auf jeden Fall 1 Crash pro Rennen garantiert ist. 2007 in Fürth, das war noch der Vorgänger des GCC, wäre ich auch schon mal fast zur falschen Zeit an der falschen Stelle im Feld gefahren. Da stand doch plötzlich ein Rad quer auf der Fahrbahn. Dass dann zumindest der direkt nachfolgende Fahrer keine Chance zum Ausweichen mehr hat, sollte wohl klar sein - wir fahren ja nicht mit Schrittgeschwindigkeit, sondern mit Renngeschwindigkeit...

Tja, und heute hat es mich erwischt. Eigentlich ging es so nett los: Neutralisierter Start 2 km, hieß es. Dadurch sollte ich die erste Steigung schon mal gut überleben, denn die lag in diesem neutralisierten Bereich. Kurz bevor das Freizeichen kam, drängelten sich plötzlich schon einige Fahrer in rot-weiß-schwarzen Trikots vor. "Was ist denn los, Leute? Macht doch mal locker, ist noch neutralisiert", dachte ich mir. Wollten da einige übereifrige Wasserträger schon während der neutralisierten Phase irgendeine Team-Taktik versuchen umzusetzen und das Tempo kontrollieren? Lustig - aber gut, sie waren wenigstens als TEAM am Start. Ich war leider allein am Start. Frühzeitig schon für das Radsportteam Reichenbach angemeldet, weil ich bei einer halben Stunde Anfahrt dachte, dass da auf jeden Fall jemand mit am Start sein würde, aber die wenigen aktiven Fahrer waren heute aus diversen Gründen (Gesundheit, Zeit und so) nicht am Start. Das gute daran war wenigstens, dass wir während der neutralisierten Phase nicht peinlicherweise durch so ein nervöses Fahrverhalten auffallen konnten.

Kurz vor Ende der Steigung dann der Startschuss - und scheinbar gleich eine Tempoverschärfung. Aber irgendwie schlief das Tempo recht flott wieder ein, ich muss eigentlich kaum zulegen, konnte mich aber dennoch gut im Feld behaupten. Alles easy. In Kummer dann wie geplant den rechten Asphaltstreifen gewählt und auch dort lässig durch- und hochgekommen. Danach dann wieder so eine Passage, wo ich bei neuen Rennen immer mal wieder kalt erwischt werde: Direkt nach Kummer wurde plötzlich Tempo gebolzt, das Feld zog sich als Einerreihe in die Länge. Wenige Positionen vor mir ließ dann auch gleich ein Fahrer ein Loch reißen, dass ich dann mit ein wenig Hilfe (die weitestgehend durch einen Zuruf "DRANBLEIBEN!" meines Hintermannes bestand, während ICH mal mit meiner Nase die heutige Windrichtung testen wollte) auch erfolgreich zufahren konnte. Nachdem wir dann in der Thomas-Dingens-Siedlung links abgebogen sind, schlief das Tempo plötzlich ein. Das war dann eher das Fahrverhalten, dass ich vom Feld in Runde 1 erwartet hätte. Ich nutzte das niedrigere Tempo auch gleich mal, um mich im Feld etwas vorzuarbeiten, um für die Abfahrt runter nach Brandrübel alle Optionen zu haben. Leider waren zwei Fahrer ein paar Sekunden vor dem Feld, was einige weitere Fahrer ebenfalls zu seiner sinnfreien frühen Attacke aus dem noch großen Hauptfeld heraus bewegte. So ging das Tempo wieder in die Höhe und wurde auch beim Abbiegen Richtung Brandrübel hochgehalten. Und dort verlor ich gleich eine Optione: Die Abfahrt von vorne zu fahren.

Mir war klar, dass die Rechtskurve am Ende der Abfahrt durch die anschließende Fahrbahnverengung um 50 % (!!!) heikel werden könnte, also wollte ich sie nicht mitten im Getümmel fahren. Ich ließ mich in der Abfahrt ans Feldende zurückfallen und steurte die Kurve dann relativ verhalten an - aber zwei Positionen vor mir hatte ein Fahrer die Kurve überschätzt. Er bremste zu hart und rutschte in der Kurve weg. Fahrer und Rad rutschten dabei in Fahrtrichtung weiter, blieben also auf der linken Seite der Fahrbahn. Logisch, dass ich eine leichte Korrektur nach rechts machte. Mein Vordermann fuhr aber etwas zu gerade weiter und sein Vorderrad kollidierte mit der Maschine des ersten gestürzten Fahrers - logisch, dass dann durch die Geschwindigkeit und die Lenkung der Rahmen und das Hinterrad einen Halbkreis nach vorne drehen. Dabei besteht eine 50:50-Chance, ob nach links oder rechts - in diesem Fall leider nach rechts. :( Tja, und wenn sich die Maschine des Vordermannes direkt vor einem querstellt, dann geht gar nix mehr. Am ersten Fahrer, wie gesagt, kam ich noch durch eine kleine Lenkbewegung nach rechts weg, aber weil das am Ende einer durch die vorherige Abfahrt flotten Kurve war, konnte ich leider nur eine kleine Ausweichbewegung machen, weil es mich sonst wohl wie von einem Pferd abgeworfen hätte. Und so ähnlich war dann auch mein Abgang: Ich drehte mich zur Seite und versuchte mich möglichst gut abzurollen. Leichte Schmerzen außen am Sitzfleisch, aber ansonsten war ich sofort wieder auf den Beinen und wollte mein Rad schnappen - PENG! Tja, und da ist mein Vorderreifen explodiert. Rennen vorbei - und somit Zeit für etwas mehr Schmerz.

Ich fühlte mich gleich an meinen Sturz beim Skispringen erinnert, als die sofort einsetzende innere Blutung gleich auch auf die Atmung drückte. War jetzt bei weitem nicht so schlimm, aber ähnlich. Ich lege mich also erst mal ins Gras neben der Straße und versuchte mich zu strecken, damit sich meine Atmung normalisiert. Dauerte bestimmt eine halbe Minute, vielleicht eine ganze. Dann wurde es besser und es kamen auch erste Leute aus den Begleitfahrzeugen hinzu. Ich wurde kurz abgetastet, aber es schien kein Grund für mehr Aufwand. Ich stand dann auch wieder auf den Beinen, schnappte mir mein Rad, dessen Hinterrad komplett blockiert hatte, also schief war, und trug es zum Begleitwagen. Dann wartete ich aber stattdessen auf den Besenwagen, weil wir ja erst wenige Kilometer gefahren waren und der bald kommen sollte. Ach ja, durch den Krankenwagen, der in der Kurve angehalten hatte, kam noch ein weiterer Fahrer zu Sturz, der ungefähr 'ne Minute hinter dem Feld gefahren sein muss. Krass...

Bei einem kurzen Blick auf den Rahmen fielen mir zwei Risse auf - tja, scheiß Carbon. Aber während ich zu Beginn meiner Zeit bei Hobby- und Jedermannrennen noch mit einem Aluminium-Rahmen bei Straßenrennen einigermaßen mitklettern konnte, ist das Niveau mittlerweile so hoch, dass ich auf Carbon an Steigungen angewiesen bin. Mit Aluminium würde ich kein Land mehr sehen, also war's das wohl mit Straßenrennen. Aber Straßenrennen sind mir am liebsten. Mal sehen, was ich im Radladen zu hören bekomme. Danis Rahmen beim berüchtigten Sturz von Altdorf hatte auch Risse oder war sogar schon komplett gebrochen, konnte aber irgendwie wieder geklebt werden, glaube ich. Mal sehen. Wegen Kriterien allein werde ich mir das alles nicht mehr antun, auch wenn die Sturzgefahr bei Kriterien geringer ist. Wer mir jetzt widersprechen will: Woher willst du das wissen, wenn du keine Kriterien fährst? Mit "du" meine ich alle, die meiner Aussage widersprechen wollen. Ich fahre ja alles - Kriterien und Straßenrennen. Krachen tut es überall, aber in Relation gesehen ist die Sturzgefahr bei Straßenrennen höher. Es gibt eben deutlich weniger Straßenrennen als Kriterien. Krachen kann es jederzeit überall, auch im Training, das ist schon klar. Aber bei Straßenrennen für Jedermänner sind eben nicht selten auch deutlich mehr Fahrer am Start als bei Kriterien. Und ich habe schon früher gesagt: Die Sturzgefahr steigt u.a. durch die Anzahl der Fahrer, egal wie gut diese Fahrer fahren können. Fragt doch mal bei Froome, A.C. oder Cavendish nach! Sind die bei Kriterien mit 80 Fahrern gestürzt und ausgeschieden? Nein! Bei Straßenrennen hat es sie erwischt - denn jede Etappe bei der Tour de France ist ja ein Straßenrennen an sich. Und zwar eines mit fast 200 Fahrern...

Also mal sehen, ob sich der Rahmen flicken lässt. Einen neuen Carbonrahmen werde ich mir gewiss nicht kaufen, das ist es mir nicht mehr wert. Insofern kämen also nur noch Kriterien für mich in Frage dieses Jahr. Na super...

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