Disclaimer - wenn man so will

In meinem Sport-Blog schreibe ich über meine Sporterlebnisse teilweise ernsthaft, teilweise aber auch mit überspitztem Humor - den Unterschied sollte man erkennen, wenn man mich persönlich kennt ;) Generell gilt: Wer die Dinge, die ich hier schreibe, zu ernst nimmt, ist selbst schuld ;)

Team 2019

Team 2019

2019 fahre ich Lizenzrennen für RMV Concordia Strullendorf 1920 e.V. und ausgewählte Jedermannrennen

Donnerstag, 13. Juni 2013

Level 42

Es gab mal eine Band namens Level 42. Was hat das jetzt mit diesem Blog-Eintrag zu tun? Naja ... innerhalb von 8 Tagen habe ich jetzt bei meinen ersten beiden Teilnahmen an der Dienstagabendserie in Kulmbach gleich genauso oft einen 42er-Schnitt wie in den ersten beiden Jahren zuvor gehabt. Da kann man nur klar sagen: Das Level, auf dem die Rennen dieses Jahr gefahren werden, ist höher. Tja, und das ist eben ein Level mit Durchschnittsgeschwindigkeit 42 -> Level 42 ;)

Auf dem Weg nach Kulmbach schüttete es in Bayreuth plötzlich wie aus Eimern, aber ich war ob des blauen Himmels über Kulmbach positiv gestimmt. Als ich ankam waren die Straßen schon am Abtrocknen und ich verfuhr wie eigentlich bei jedem Rennen in dieser Saison bisher: Ich ließ mir meine Zeit, um mit dem Einrollen zu beginnen. 5 oder 6 lockere Runden mussten genügen. Wenigstens waren die Straßen schon fast komplett trocken. Gleich zu Rennbeginn zeichnete sich aber schon wieder ein ähnlich flottes Rennen wie in der Vorwoche ab. Irgendwer knallte noch vor der ersten Kurve voll los und die ganze Büffelherde zog nach - inklusive des Büffels, der diese Zeilen hier verfasst, versteht sich. ;)

Ausreißversuche wurden wieder gnadenlos gekontert und somit konnte ich nur versuchen, an meiner Tempohärte in den Wertungsrunden zu arbeiten. Und das klappte bei den ersten beiden Wertungen durchaus einen Tick besser als in der Vorwoche. Ich war nicht mehr ganz hinten, sondern ungefähr in der Mitte des Feldes - Tendenz Top 10. Nach der zweiten Wertung fragte mich Bianca dann noch mit ganz entspanntem Atem, wie es mir denn gehen würden - ja, äh ... ich konnte irgendwie nur irgendwas in der Form von "keine ... Luft ..." zurückhecheln, denn mehr Luft zum Reden hatte ich einfach nicht. An so etwas kann man dann auch einen klaren Leistungsunterschied erkennen. Die eine kann sich mit ruhigem Atem unterhalten, der andere ist am Limit und kämpft ums Überleben ...

Umso wundersamer verlief dann die dritte Wertung. Ich war plötzlich in einer Ausgangsposition, um um die Punkte mitzusprinten! Die ersten drei Fahrer waren zwischen Kurve 3 und 4 aber zu schnell, ich konnte das Tempo nicht ganz halten. Daher ging es nur noch um Platz 4 und einen winzigen Krümel für mich, den ich aber auch verteidigen konnte. Ich sah mich nicht richtig um, nutzte nur den "Sprinterspiegel" und sah kein Vorderrad an mir kleben - das musste reichen und tat es auch. Somit war die Steigerung zur Vorwoche schwarz auf weiß belegt.

Bei der vierten Wertung war ich wieder zu weit hinten, aber dennoch einigermaßen vorne dran. Ich sah Klaus mit dynamischen Tritt an mir vorbeifahren und dachte mir gleich "Der probiert es jetzt" - und das tat er auch. Ich wartete aber kurz, wie die Reaktion der anderen Fahrer sein würde. Als einer gleich mitsprang, sprang ich an dessen Hinterrad. Es kam dann sogar noch ein vierter Fahrer hinzu. Vielleicht zu viel? Kurz darauf war sogar noch ein fünfter Fahrer dabei. Eine Runde lang ging das gut, aber ich war schon am Platzen. Bei einem Blick zurück sah ich auch das Feld als Perlenkette nicht weit hinter uns. Wir konnten uns einfach nicht lösen, also brach ich ab, damit ich mich irgendwie ans Ende des Feldes würde dranhängen können. Das klappte auch mit Ach und Krach.

Der Rest war dann ähnlich: In den Wertungsrunden war ich weiter vorne dabei als in der Vorwoche, aber erneut um Punkte mitsprinten konnte ich kein einziges Mal. Der Schnitt war in der ersten Rennhälfte fast ständig so bei 42,0, aber zum Rennende hin zog das Tempo noch mal an. Im Ziel waren es dann 42,3 km/h. Schon komisch irgendwie, denn meistens werden Kriterien in der zweiten Rennhälfte eher etwas langsamer. Letzte und diese Woche wurden die 40 Runden aber generell sehr gleichmäßig flott gefahren. Mir fällt aber auch auf, dass weniger Hobbyfahrer und ältere Fahrer als speziell vor zwei Jahren noch am Start sind. Viele junge, dynamische Fahrer, die nur so vor Energie strotzen. Das trägt zur diesjährigen Hatz wohl auch bei. Umso erfreulicher war dieser eine Gnadenpunkt für mich, der mir Platz 12 und somit 4 Punkte für die Serie einbrachte. Beim Top-Speed kann ich aber immer noch klar zulegen: Letzte Woche 54 ohne Sprint, diesmal 56 mit Sprint - ich war letztes Jahr schon kurz davor, die 60er-Schallmauer zu durchbrechen. Nur es mangelt mir durch den Trainingsrückstand einfach an so vielen Dingen ... Antritte, Sprint-Training, Kraftausdauer ...

Tja, aber dennoch konnte ich diese zwei flotten Rennen im Hauptfeld überleben. Und auch das sei noch mal gesagt: 2011 42,7 km/h mit Puls 167, 2012 42,9 km/h mit Puls 170, letzte Woche 42,6 km/h mit Puls 167 und diese Woche 42,3 km/h mit nur noch Puls 163. Der Trainingsrückstand macht sich nicht bemerkbar. 2011 hatte ich als niedrigsten Puls sogar 164 mit ungefähr 40,5 km/h (2x) und letztes Jahr Puls 163 (auch 2x) bei ebenfalls ungefähr 40,5 km/h. Da könnte man meinen, dass 42,3 km/h mit Puls 163 auf ein besseres Leistungsniveau hindeuten als in den letzten beiden Jahren. Nur kann man das auch nicht wirklich 1:1 vergleichen. Dieses Jahr wird sehr konstant schnell gefahren und ich bin viel im Windschatten (auch wenn eine Perlenkette nicht so viel Windschatten zu bieten hat). In den letzten beiden Jahren war es ein ständiger Wechsel zwischen Bummeln und Anreißen - und Angreifen. Denn ich habe ja auch nicht gerade selten zu Fluchtversuchen angesetzt. Das ist dann natürlich eine unwirtschaftlichere Fahrweise. Und dann wäre da noch eine weitere Sache, die zu diesem Durchschnittstempo bei diesem im Verhältnis zu den beiden Vorjahren etwas niedrigerem Pulsniveau beigetragen hat: Ich komme besser durch die Kurven. Früher habe ich in Kurven eher immer ein paar Meter verloren und musste dann aus den Kurven heraus sehr häufig sehr hart antreten, einfach nur um dranzubleiben. Dieses Jahr fahre ich kurze Löcher vor Kurven gar nicht mehr zu, sondern halte nur den Abstand und schließe die Lücke dann in der Kurve. Teilweise überhole ich sogar in der Kurve. Und ich komme dabei natürlich auch mit mehr Schwung aus der Kurve raus und muss daher nicht so hart antreten. Dadurch spare ich Kurve für Kurve Körner im Vergleich zu den Vorjahren.

Nur wieso bin ich in den Kurven plötzlich besser? Trainingsrückstand, daher erst letzte Woche in die Serie eingestiegen, also eigentlich kaum "Kurvenpraxis" gehabt dieses Jahr. Ich könnte mir vorstellen, dass das mit meiner relativ langen Pause zu tun hat. Seit Mitte August letzten Jahres bis ... naja ... Mitte Februar bin ich kaum gefahren. Mir fiel dann im Training schon mal auf, dass ich in Schlicht beim Abbiegen auf Kopfsteinpflaster wie auf einer normal asphaltierten Straße abgebogen bin. Keine Angst und auch kein Wegrutschen des Hinterrads. Es fühlte sich an wie auf Schienen, es fühlte sich sicher an. Und das ist wohl der Schlüssel: Die Verunsicherung ist einfach verschwunden, ich habe wieder die gleiche Leichtigkeit wie damals als ich angefangen habe. Das Selbstvertrauen ist einfach vorhanden, fahrtechnisch dürfte ich mich kaum verbessert haben. Es macht einfach richtig Spaß, schnell durch Kurven zu fahren. Und Unebenheiten wie leichte Bodenwellen, diese Steine für den Regenabfluss am Straßenrand oder Gullydeckel jucken mich auch nicht sonderlich. Drum habe ich mich auch für das Kriterium in Meiningen angemeldet - ich sollte dieses Selbstvertrauen einfach nutzen, um auch mal einen "richtigen" Podestplatz einzufahren. Zwei AK-Podestplätze habe ich diese Saison ja schon erzielt, aber AK-Wertungen zählen halt nicht so richtig ;)

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