Disclaimer - wenn man so will

In meinem Sport-Blog schreibe ich über meine Sporterlebnisse teilweise ernsthaft, teilweise aber auch mit überspitztem Humor - den Unterschied sollte man erkennen, wenn man mich persönlich kennt ;) Generell gilt: Wer die Dinge, die ich hier schreibe, zu ernst nimmt, ist selbst schuld ;)

Teams 2018

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2018 fahre ich Lizenzrennen für RMV Concordia Strullendorf 1920 e.V. und ausgewählte Jedermannrennen

Mittwoch, 30. November 2011

Nürnberg 2012

Ich hatte das Nürnberger Radrennen ja vor einigen Wochen bereits nicht mehr als das Nürnberger "Altstadtrennen" bezeichnen wollen, weil sich ja nur noch Start und Ziel in der Altstadt befinden, das Rennen selbst aber zu einem schönen Straßenrennen übers Land geworden ist - oder war? Es wird aufgrund Sponsorenmangels immer wieder von Problemen gesprochen und dass man das Rennen vielleicht nicht weiterhin würde durchführen können. Gerüchte gibt es derzeit so einige ...

Ein Gerücht besagt, dass nur noch das Jedermannrennen durchgeführt werden könnte, weil man kein Geld mehr für das Amateurrennen habe. Klingt auch alles logisch, schließlich kann man mit Lizenzfahrern kaum Startgebühren einnehmen, muss ihnen aber gleichzeitig nicht gerade niedrige Preisgelder auszahlen, die vom BDR vorgeschrieben sind. Zudem sind die Startfelder bei Amateurrennen aufgrund des Sicherheitsaspekts auf ein vernünftiges Maß reduziert - mehr wie 200 Starter sind bei Straßenrennen offiziell nicht zulässig, auch wenn ich 2008 in Zusmarshausen durch Nachmeldungen, die der Veranstalter gerne entgegennahm, fast 250 Fahrer am Start vorfand. Bei Jedermannrennen hingegen gibt es kein vorgeschriebenes Limit - weder bei der Größe des Starterfelds, noch bei der Höhe der Startgebühr. Nur eine Sache ist vorgeschrieben: Es darf keine Preisgelder geben - damit dürfte man in Nürnberg ja kein Problem haben.

In einem Pressebericht wurde nun aber ausgerechnet das Jedermannrennen als Verlustgeschäft ausgemacht. Dazu nahm auch das Challenge-Magazin in einem Artikel Stellung. Und dieser Artikel wiederum ist nun auch Grund für meinen Beitrag zu dem Thema.

Doch vielleicht erst noch zu dem Artikel der "normalen Presse": Dort werden erstmals Zahlen genannt. Man nimmt ca. 25.000 Euro mit dem Jedermannrennen ein - so in etwa hatte ich das auch überschlagen. Allerdings belaufen sich die Ausgaben für das Jedermannrennen auf 35.000. Das finde ich verwunderlich und würde hier Mismanagement als Problem ausmachen. Die Transponder-Mieten und allgemeine Rennabwicklung durch Mikrotiming können diese Summe kaum allein ergeben. Da das Jedermannrennen aber mittlerweile ein recht großes Straßenrennen und zudem landkreisübergreifend ist, könnte ich mir gut vorstellen, dass nicht gerade niedrige Genehmigungsgebühren anfallen. Welche Ausgaben sonst noch anfallen könnten, erschließt sich mir zunächst aber nicht. Tatsache ist jedoch, dass man im letzten Jahr mehr oder weniger eine Rekordteilnehmerzahl in Nürnberg hatte (ohne dass ich jetzt exakte Zahlen vorliegen habe). Eine Fehlkalkulation wäre also das angesprochene Mismanagement gewesen. Wenn man weiß, dass man "nur" 25.000 Euro einnimmt, muss man das bei der Streckenwahl berücksichtigen. Als Fahrer finde ich es wie gesagt toll, dass wir nicht mehr nur ein paar Runden durch die Nürnberger Häuserschluchten drehen dürfen, sondern übers Land fahren dürfen, aber dieser Genuss für uns Fahrer scheint auch mit entsprechenden Mehrkosten verbunden zu sein. Auf dem Altstadtring an sich, den die Amateure befahren, könnte man ein Jedermannrennen mit so vielen Teilnehmern aber nicht durchführen - das wäre ein heilloses Chaos und würde mit zahlreichen Stürzen enden ... wirklich ZAHLREICH!!!

Weg vom möglichen Mismanagement in Nürnberg, hin zum Artikel im Challenge-Magazin. Dort wird angesprochen, dass Jedermannrennen in der heutigen Radsportwelt in Bayern irgendwie nicht so richtig laufen würden. Das ist ja keine neue Erkenntnis. Der Begriff "Jedermann" wird in Bayern immer noch mit "Hobby und RTF" gleichgesetzt. Die meisten Vereine sind - obwohl sie langsam aber sicher ausbluten - immer noch der festen Überzeugung: Wer Rennen fahren will, MUSS Lizenz fahren. Da in Bayern aber weitestgehend Hobby- statt Jedermannrennen ausgeschrieben werden, überlegt man sich das als Hobbyfahrer natürlich zwei Mal, ob man tatsächlich eine Lizenz nimmt. Aus persönlicher Erfahrung muss ich sagen: Ist man NUR Hobbyfahrer in Bayern, sollte man bloß keine Lizenz nehmen! Der Unterschied ist trotz des von Jahr zu Jahr steigenden Niveaus im Hobbybereich weiterhin zu gravierend. Nur wenn man bei den Hobbyrennen unterfordert ist, sollte man den Wechsel hin zum Lizenzsport vornehmen. Es gibt jedenfalls noch diese klare Trennung, die man in Thüringen z.B. nicht hat. Dort gibt es kaum C-Rennen, aber auch kaum Hobbyrennen - die meisten Rennen sind Jedermann. Als Hobbyfahrer kann man in Thüringen also ruhig auch zu einer Lizenz greifen, weil man das meiste Jahr über sowieso Jedermannrennen fährt.

Das allein sorgt aber auch nicht gleich für größere Starterfelder bei Jedermannrennen in Thüringen - zumindest nicht im Ausmaße des German Cycling Cup. Selbst beim GCC-Rennen in Schleiz finden sich sogar weniger Teilnehmer als in Nürnberg ein. Die mangelnde Akzeptanz der Veranstalter in Bayern für das, was ein Jedermannrennen heutzutage ist, dürfte also gar nicht mal das entscheidende Problem sein. Die mangelnde Werbung schon eher - aber die ist in Nürnberg kein Problem. Nürnberg bewirbt sein Jedermannrennen weiterhin ausgiebigst, da macht das Challenge-Magazin eine falsche Annahme. Es sind eher die wenigen anderen Jedermannrennen in Bayern, die durch mangelnde bzw. gänzlich fehlende Werbung zum Scheitern verurteilt sind. Oder wer, der nicht aus Bayern ist, kann denn spontan andere Jedermannrennen in Bayern außer Nürnberg nennen?

Es ist also sicherlich richtig, dass Bayern in gewissem Sinne eine Insel ist, auf der man immer noch nicht mitbekommen hat, was Jedermannrennen heutzutage sind bzw. wer bei so etwas teilnimmt. Sprich: Rennfahrer! Natürlich auch Touristiker, aber eben auch Rennfahrer. Es handelt sich nicht um eine Tourisitk-Veranstaltung. Aber "Jedermann" ist auch kein Zauberwort, das sofort jeden Fahrer in Bayern, der irgendwo noch ein altes Rennrad rumstehen hat, sofort an die Startlinie schleift. Wenn man ein Jedermannrennen durchführt, muss man einfach wissen, wie man die Teilnehmer anspricht und wie viele man ansprechen kann. Hat man eine grobe Kalkulation der Einnahmen, kann man das gegen die vermuteten Ausgaben gegenrechnen und dementsprechend auch die Strecke planen. Und an der Stelle mangelt es scheinbar in Nürnberg. Es ist daher gut möglich, dass es keine Wiederholung des schönen Straßenrennens geben wird. Mal sehen, was man sich in Nürnberg überlegt. Irgendwas sagt mir jedenfalls, dass man lizensierte Fahrer nur noch bei der Bayern-Tour in Nürnberg sehen wird. Wo die Jedermännern dann hoffentlich rumfahren dürfen, wird sich noch zeigen.

Aber bitte: Noch mehr Teilnehmer als in diesem Jahr bitte nicht! Lieber ein weniger kostenintensiver Kurs als ein zu großes Teilnehmerfeld, bei dem nur die Sturzgefahr exponentiell ansteigt. Der einzige Grund, weshalb ich in Nürnberg auf einer GCC-Distanz aus dem "Startblock der Verdammten" gestartet bin, war die einigermaßen überschaubare Teilnehmerzahl. Bei den Neuseenclassics starte ich aus Sicherheitsgründen (und des sportlichen Aspekts wegen - wenn man über 1 Minute warten muss, bis man nach den ersten Fahrern losfahren kann, ist der sportliche Wert ja doch eher fragwürdig ... Thema "Verfolgungsrennen") nur auf der nicht-GCC-Distanz, in Schleiz sieht es ebenso aus, weil man selbst auf der "Kurzdistanz" schwere 75 km auf der Thüringer "Achterbahn" bewältigen müsste - Nürnberg ist im Endeffekt also das einzige GCC-Rennen, bei dem man (bisher) auch gut auf einer GCC-Distanz starten konnte. In gewissem Sinne also sogar das beste GCC-Rennen?!? Vielleicht liegt das aber auch nur an meiner Sichtweise: Ich sehe mich nicht als Kunde und ein Radrennen nicht als Geschäft - ich bin Wettkampfsportler und sehe ein Radrennen als sportlichen Leistungsvergleich ... was für mich als Hobbysportler in Nürnberg von allen GCC-Events mit Abstand am besten möglich ist.

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