Disclaimer - wenn man so will

In meinem Sport-Blog schreibe ich über meine Sporterlebnisse teilweise ernsthaft, teilweise aber auch mit überspitztem Humor - den Unterschied sollte man erkennen, wenn man mich persönlich kennt ;) Generell gilt: Wer die Dinge, die ich hier schreibe, zu ernst nimmt, ist selbst schuld ;)

Teams 2018

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2018 fahre ich Lizenzrennen für RMV Concordia Strullendorf 1920 e.V. und ausgewählte Jedermannrennen

Dienstag, 18. Oktober 2016

Worte aus der Saisonpause - Teil 1: Riderman

Der Riderman war ein gigantisches Erlebnis und mit so vielen Eindrücken, dass ich nach dem Blogeintrag zur 1. Etappe erst mal gar nix mehr hier geschrieben habe. Mittlerweile ist aber alles so weit verarbeitet. Wo war ich stehengeblieben? Ich wollte mich auf der 2. Etappe unter die besten 300 verbessern - und das ist mir auch gelungen! Insgesamt 96 Plätze konnte ich gutmachen. Hätten aber noch mehr sein können, wenn man nicht zu meinem Erschrecken ein neues Startblocksystem eingeführt hätte: 4 statt 2 Blöcke - und ich musste aus Block 4 starten! Ich sah zwar auch Leute in Block C, die auf der 1. Etappe ein paar Minuten langsamer als ich waren, aber möglicherweise hatten die sich einfach ohne zu fragen dort aufgestellt. Ich bin halt eine ehrliche Haut, die alles so machen will, wie es sich gehört. Also habe ich brav nachgefragt, aus welchem Block ich starten darf - und mich dann auch zähneknirschend in den Block der VerDammten begeben. Hätte ich nicht nachgefragt, hätte ich wohl auch einfach in Block B oder sogar Block A laufen können - kontrolliert wurde das vermutlich gar nicht. Das ist zwar nur ein Verdacht, weil ich eben viel langsamere Fahrer als mich selbst in Block C erspäht hatte, aber der Veranstalter hat auch einen Fragebogen zwecks rumgeschickt. Tolle Sache. Dort habe ich die Startblockeinteilung als die im Endeffekt einzig große Baustelle einer ansonsten sensationell organisierten Rennveranstaltung genannt. Mal sehen, was dabei rauskommt.

Aber mal zu den anderen Dingen beim Riderman, die ich ja gerade schon als "sensationell organisiert" bezeichnet habe. Das ging eigentlich schon damit an, dass die Startzeiten für die 1. Etappe, dem Einzelzeitfahren, vorher im Internet veröffentlicht wurden. Das ist zwar bei den meisten EZF-Veranstaltungen auch der Fall, aber das ändert ja nix daran, dass genau das zu einer guten Rennorganisation auch dazu gehört. Also habe ich mit diesem Punkt angefangen. Weiter ging es dann vor Ort bei der Nummernausgabe. Der Startbeutel war schon mit der Startnummer markiert, mit einem Griff war das Abholen also erledigt. Von Warteschlangen auch keine Spur, obwohl am Freitag fast 700 Sportler am Start waren. Im Beutel dann neben der üblichen Werbung nicht nur eine, sondern zwei Rückennummern (wow - fast wie bei den Profis, nur nicht zum kleben), eine kleine aufklebbare Nummer für das Steuerrohr, die seitlich angebracht werden sollte (wie das irgendjemand auf einem Zielvideo oder Zielfoto hätte erkennen sollen, weiß ich nicht, aber wenigstens keine "Windsegelnummer", die man irgendwie zwischen Lenker und Brems-/Schaltkabeln anbringen musste), und schließlich eine Rahmennummer, die nicht aus Plastik sondern einem Papier-ähnlichem Material war. In der Rückennummer war auch der Einweg-Transponder eingearbeitet, was bei so vielen Startern organisatorisch gesehen sicherlich auch eine gute Sache ist. Man muss hinterher dann nicht Schlange stehen, um irgendwo seine Transponder zurückzugeben. Gleichzeitig muss der Veranstalter für so etwas natürlich keine Helfer abstellen. Man nimmt stattdessen einfach ein "Souvenir" mit nach Hause. ;) Allerdings weiß ich nicht, wie gut der Transponder bei Regen funktioniert hätte. Es gibt ja aber auch solche aufklebbaren Einweg-Transponder für den Helm, die bei Regen dennoch funktionieren müssten. Der Zeitnehmer wird schon gewusst haben, was er da getan hat. Ist ja mittlerweile bei vielen Rennen (im süddeutschen Raum) im Einsatz, u.a. auch in Ingolstadt, Attenzell und bei der Zollernalbtour.

Ein kleines Manko müsste ich vielleicht gleich als nächstes noch erwähnen: Auch wenn man die Startzeiten für die 1. Etappe rechtzeitig online veröffentlicht hatte, so gab es die Startblockeinteilungen online für keine der beiden weiteren Etappen einzusehen. Das sollte technisch doch wohl möglich sein und hilft dann, dass sich die Fahrer schneller in die richtigen Startblöcke begeben können. Statt also Helfer mit Zettelwirtschaft zwecks Einteilung an den Startblöcken zu postieren, könnten diese Helfer besser einfach nur kontrollieren, dass niemand über die Absperrungen in die Blöcke steigt, sondern jeder durch den Zugang zum jeweiligen Block geht - wo nächstes Jahr dann idealerweise eine Schranke wäre, die anhand des Transpondersignals den Helfern anzeigt, ob ein Fahrer im richtigen oder falschen Block ist. Aber das ist nur eine laut gedachte mögliche Problemlösung mit technischen Hilfsmitteln meinerseits. Mal sehen, wie der Veranstalter das bis zum nächsten Jahr regeln will. Zeit ist ja noch genug. ;)

Während der Rennen war ich dann total erstaunt, wie unglaublich professionell alles war. Zahlreiche Begleitfahrzeuge mit Ersatzlaufrädern (und sogar Trinkflaschen, habe ich gehört), die immer lautstark hupten und erst dann vorbeifuhren, wenn die Fahrer auf das Hupen reagiert hatten (also da wurden keine Fahrer von den Begleitfahrzeugen umgekegelt - könnte man sich bei dem ein oder anderen Profirennen 'ne Scheibe von abschneiden), Verpflegungsstationen mit Trinkflaschen, an wichtigen Stellen gut sichtbare Hinweisschilder mit Pfeilen oder auch Warnhinweisen, aber auch der Ankündigung der Bergwertungen (was für mich insofern hilfreich war, alsdass ich dann wusste, dass wann eine Steigung endet - fuhr ja überall ohne jegliche Streckenkenntnis hoch), perfekte Absperrungen, damit keine Fahrer falsch abbogen oder Verkehr auf die Strecke kam. Der Riderman wirbt mit dem Spruch "Ride like a Pro" - und das ist mehr als nur ein Spruch, das ist die Beschreibung dessen, was dort tatsächlich geboten wird. Auch die Streckenführung passte da gut ins Bild, denn man hat größtenteils breite Straßen mit gutem Asphalt gehabt, die wenigen engeren Verkehrswege waren aber auch gut und vor allem sicher in die Streckenführung eingebaut, gut zu fahrende Abfahrten und eine sichere Zielankunft, weil die letzte Kurve ungefähr 'nen Kilometer vor dem Zielstrich hat. Da kommt es dann in der Zielkurve auch nicht zu Kamikaze-Aktionen, wo man mal eben von der Strecke gedrängt wird. Erlebt man im Nicht-Profi-Bereich ja leider des öfteren, dass es solch gefährliche Zielankünfte gibt. Beim Riderman wurde aber viel Wert auf die Sicherheit gegeben. Absolut top!!! Auch das Feld fuhr generell sehr besonnen, speziell in den kurvigeren Abfahrten. Da waren keine Leute dabei, die ihr eigenes Können maßlos selbst überschätzten und dann sich selbst oder sogar noch andere Fahrer sinnlos abräumten, obwohl man im Laufe der fast 200 km an den beiden Tagen natürlich trotzdem nicht sturzfrei durchkam. Bei fast 900 Startern am Sonntag war die Sturzquote aber alles in allem sehr gering - halt gerade wegen der Besonnenheit des Fahrerfeldes. Das war ja beim Heideradcup auch schon so, dass die Fahrweise wesentlich vernünftiger und sauberer war als das, worüber ich mich dieses Jahr teilweise bei den Lizenzrennen aufregen musste. Beim Riderman, wo man 200 km mehr oder weniger ins "Unbekannte" fuhr, weil es sich nicht um Rundstreckenrennen handelte (denn auch die "Straßenrennen" im Lizenzbereich sind ja genau genommen nur Rundstreckenrennen), wurde einfach bewiesen, dass auch in großen Fahrerfeldern vernünftig gefahren werden kann. Da muss man nicht immer gleich einen Massensturz riskieren, nur weil man 70 km vorm Ziel unbedingt ein oder zwei Positionen mit der Brechstange gutmachen will. Für diese Positionskämpfe, die ja dennoch zu einem Radrennen dazugehören, hat man doch auch bis zu den letzten 10 km eines Rennens Zeit...

Okay, aber genug vom Riderman geschwärmt. Und um den Kreis zu schließen: Ich hatte mich auf der 2. Etappe wie gesagt unter die besten 300 verbessert, auf der 3. Etappe konnte ich mich nur noch um 10 Plätze verbessern - aber dennoch war es eben nochmals eine Verbesserung! Am Ende insgesamt 106 Plätze verbessert und Platz 262 in der Endabrechnung erreicht. Beste Tagesplatzierung war Platz 254 auf der 3. Etappe. Im Ziel gab es übrigens auch immer noch Verpflegung, wobei dort so viel los war, dass mir scheinbar entging, dass es auch Kuchen gegeben haben soll. Stattdessen erwischte ich irgendein Gebäck mit Schinken - wer kombiniert Gebäck mit Schinken?!? Oder war es überhaupt Schinken?!? Hat jedenfalls "nicht gut" geschmeckt, um es freundlich auszudrücken. ;) Oh, und wenn man sich jetzt denkt, dass eine Verbesserung um 106 Plätze kaum getoppt werden könnte, dann kann ich nur sagen: Ich habe 9 Fahrer entdeckt, die auf der 1. Etappe hinter mir, am Ende aber vor mir waren. Die haben also sogar noch mehr Plätze gutgemacht! Ob von den Fahrern, die auf der 1. Etappe vor mir lagen, ebenfalls welche dabei waren, die mehr als 106 Plätze gutgemacht haben, habe ich jetzt nicht angeschaut. Ist auch wurst, denn bei ungefähr 700 Tour-Startern kann ich mit meiner Verbesserung so oder so sehr zufrieden sein - und bin es daher auch. ;) Guter Saisonabschluss, war auch ein Top-Wetter - und daher ist der einzige Wehmutstropfen, dass der Riderman nächstes Jahr eine Woche später stattfindet. Da wird es mit dem Wetter schon sehr kritisch. Ich kam diesmal erstaunlich gut durch, obwohl ich noch nie so viele Kilometer und speziell Höhenmeter an zwei Tagen hintereinander gefahren bin wie auf der 2. und 3. Etappe, aber bei unter 15 Grad traue ich mir das mit meinen kältempfindlichen Beinchen ehrlich gesagt nicht zu...

Wow, das war alles zum Riderman. Ich bin irgendwie doch noch zu stark mit dem Kopf bei diesem Wochenende in Bad Dürrheim. Eigentlich hat mich noch nie ein Rennen so sehr begeistert wie dieser Riderman - und dabei fahre ich ja auch schon seit 2005! Wer meine Begeisterung nicht nachvollziehen kann: Mit einer Teilnahme kann man eigentlich nix falsch machen. Okay, bei 8 Grad Dauerregen vielleicht schon, aber das wäre bei JEDEM Rennen nicht schön. Aber nur wenn man teilnimmt, kann man verstehen, warum der Großteil der Teilnehmer von diesem Riderman so schwärmt...

Nach dem Riderman habe ich vor allem eine CP-Testreihe absolviert und meinen Jahrestrainingsplan für 2017 aufgestellt, inklusive eines groben Rennkalenders für nächste Saison. Spoiler-Alert: Der Trainingsschwerpunkt wird auf Klettern und Zeitfahren liegen, weil der Fokus auf Rennen bei Straßen- und Etappenrennen liegen wird. Aber zur Testreihe und zum neuen Saisonfahrplan gehe ich in weiteren Blogeinträgen ein...

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