Disclaimer - wenn man so will

In meinem Sport-Blog schreibe ich über meine Sporterlebnisse teilweise ernsthaft, teilweise aber auch mit überspitztem Humor - den Unterschied sollte man erkennen, wenn man mich persönlich kennt ;) Generell gilt: Wer die Dinge, die ich hier schreibe, zu ernst nimmt, ist selbst schuld ;)

Teams 2018

Team 2018

2018 fahre ich Lizenzrennen für RMV Concordia Strullendorf 1920 e.V. und ausgewählte Jedermannrennen

Sonntag, 14. Mai 2017

Einmal auf dem Hockenheimring

Als wir letztes Jahr auf dem Weg zu einem Pfalz-Wochenende mit dem Strullendorfer Teambus kurz vor Speyer auf der A6 fuhren, sah ich direkt rechts von der Autobahn den Hockenheimring. Da ging's im Kopf los. Das Rennen hatte ich schon seit einigen Jahren als Option im Rennkalender, verzichtete aber generell darauf, weil ich einfach der Meinung war, dass bei so einem kurzen und tellerflachen Rundkurs die Sturzgefahr in einem GCC-Feld viel zu groß wäre. Wobei man sagen muss: Die Größe des Starterfeldes war noch eher normal und sicherlich nicht mit anderen GCC-Rennen vergleichbar. Am Hockenheimring bewegte sich die Teilnehmerzahl eher im Bereich vom Schleizer Dreieck - und da sind wir bei dem Grund, weshalb ich doch ein Mal auf dem Hockenheimring fahren wollte: Ich will einfach alle mir bekannten Radrennen auf Motorsportstrecken in Deutschland "sammeln". Sachsenring und Schleizer Dreieck sind ja schon in dieser Sammlung, jetzt also auch der Hockenheimring - und nächstes Jahr ist der Nürburgring geplant. Mehr gibt es dann auch nicht. Auf dem Test-Oval NEBEN dem Lausitzring gibt es noch ein Radrennen, aber eben nicht direkt auf der eigentlichen Motorsportstrecke.

Also gut, der Grund für meine Teilnahme war also diese "Sammlung". Ansonsten wollte ich zum jetzigen Zeitpunkt der Saison vor allem ein paar Rennkilometer sammeln, was nicht das Problem sein sollte. Ein bisschen probelmatischer war die Unerfahrenheit bei der Anreise: Laut Website sollte man von Walldorf nach Hockenheim und dann "einfach" der Beschilderung folgen. Hätte ich mal besser dem Routenplaner vertraut, dann wäre eine Zusatzschleife um Hockenheim herum nicht nötig geworden. Aus irgendeinem Grund wird zu Beginn von Hockenheim nämlich nicht angezeigt, dass man zum Ring rechts abbiegen soll. Stattdessen wurde man weiter geradeaus geschickt und war dann schon unterwegs Richtung Speyer/Heidelberg. Also wer auch immer aus Richtung Osten zum Hockenheimring fahren will und noch nie dort war: Bloß nicht der Beschilderung folgen, die ist Blödsinn!!! Dem Routenplaner vertrauen...

Auf dem Ring wurde man dann von den Ordnern auf einen Parkplatz eingewiesen, wodurch es da auch keinerlei Chaos gab. Also die Parkplatzsituation ist dort schon mal absolut top. Im "Starterbriefumschlag" (ehemals Starterbeutel - es wird mittlerweile halt immer an mehr Ecken gespart, wie es scheint) gab es dann mal wieder eine Miniprobe eines Sport-Duschgels und einen Energy-Riegel. Auf 'nem beiliegenden Zettel war zwar von "Produkten" des Herstellers die Rede, also Plural, aber mehr als diesen einen Energy-Riegel fand ich nicht. Bin halt nicht zum Detektiv geeignet. ;) Spoiler-Alert: Dafür gab es ein Getränk dieses Herstellers nach dem Rennen massenweise für die Teilnehmer zum Verzehr, ich ließ mir auch eine Trinkflasche vollmachen. Hat echt super geschmeckt - und das war auch eine Premiere! Alle Energy-Drinks, die ich im Laufe der Jahre bisher im Rahmen von Radrennen bekommen hatte, konnte man entweder nur gerade so ertragen oder komplett vergessen - was den Geschmack anbelangt. Aber gerade den finde ich wichtig, weil der Geschmack einfach die erste Wirkung ist, die sich beim Trinken während der Belastung zeigt. Und diese erste Wirkung sollte dann sofort ein positives Signal an den Kopf senden. Beim Geschmack patzen also viele Hersteller von Energy-Drinks, aber das Getränk am Hockenheimring hat sogar einen gewissen Suchtfaktor. Ist natürlich nur meine persönliche Meinung, aber hey - das hier ist ja auch mein persönlicher Blog. Wer allgemeine Berichte lesen will, der sollte das nicht in persönlichen Blogs tun. ;)

Das Warmup war ein Rumpendeln außerhalb der Rennstrecke, auf der noch Farbblitze unterwegs waren, auch als Motorräder bekannt. Nach dem Einrollen suchte ich dann nach der Startaufstellung - und das taten auch viele andere Teilnehmer. Dadurch, dass direkt zuvor noch das Motorradrennen stattfand, konnten die Blöcke nur kurzfristig markiert werden. Das war so kurzfristig, dass die Fahrer der 60er-Distanz schon längst gemischt am rotweißen Band standen, noch bevor Schilder mit den entsprechenden Buchstaben für die jeweiligen Startblöcke aufgestellt wurden. Es wurden auch nicht kontrolliert, wer wo stand. Also generell kann man sich ähnlich wie in Schleiz ganz beliebig irgendwo aufstellen. Ich stand trotzdem ungefähr auf Höhe des Schildes für Block D, was der zweite von zwei Blocks fürs 60er-Rennen war. Als wir dann nach dem Start der 120er-Distanz auf die Rennstrecke rollen durften, konnte ich gleich wieder ein paar Reihen gutmachen und startete aus einer ganz brauchbaren Position. Ich hatte stets den Blick zum Führungsfahrzeug und somit den Überblick über die Rennsituation. Die Teams sorgten dafür, dass keine Attacken gehen konnten, wobei das Tempo mit einem 44er-Schnitt auch nicht unbedingt zu Fluchtversuchen einlud.

Generell lief das Rennen also eigentlich ganz gut, aber das Feld war sehr nervös. Im Gegensatz zu den meisten Rundstreckenrennen fährt man nicht immer nur in einem Kreis, sondern hat immer mal wieder Links- und Rechtskurven. Damit fingen die Probleme schon an, weil das Feld seine Fahrlinie dadurch natürlich immer mal wieder verschob, was einige wenig umsichtige Fahrer aber wohl nicht erkannt haben. Das sorgte immer wieder für etwas Gewackel und Gebremse innerhalb des Feldes, weil einige Fahrer eben nicht dem "Fluss" folgten. Die Konsequenz waren einige Stürze, die es aber wohl auch in den vergangenen Jahren schon mehrfach gegeben hatte. Auf die Größe des Fahrerfeldes kann man es aber nicht wirklich schieben, weil das Hauptfeld relativ schnell ausgedünnt war. Die Feldgröße war kaum größer als bei einem Lizenzrennen. Das Problem war halt wirklich die Unerfahrenheit einiger Fahrer, die zwar das Leistungsniveau hatten, um im Hauptfeld zu bleiben, die aber wie kopflose Hühner agierten. Bei einem Massensturz direkt hinter der Startlinie hatte ich auch schon so einen Fahrer rechts neben mir, der plötzlich einen Schlenker nach links machte, also in Richtung meines Vorderrades. Glücklicherweise machte er aber auch wieder einen Schlenker zurück, denn wo kein Platz ist, kann man ja auch nicht hinfahren! Dabei berührte er aber den Lenker des Fahrers rechts von ihm und fing stark zu wackeln an. Ich hatte glücklicherweise etwas Luft nach vorn und gab sofort etwas Gas, weil ich ja nicht wollte, dass der Fahrer in mich reinkippt, falls er sich nicht auf dem Rad halten könnte. Und direkt danach hörte ich es hinter mir auch schon scheppern...

Aber was war wirklich passiert? Der nervöse Fahrer fuhr einige Sekunden später wieder rechts neben mir. Der eigentlich Ablauf der kompletten Situation war wohl auch so, dass der Fahrer gar nicht mal einen undurchdachten Schlenker in meine Richtung gemacht hatte, sondern auf etwas reagieren musste. Unser Feld fuhr in der Situation nämlich auf eine Gruppe "Nicht-Rennfahrer" auf, die, so ist es leider, ihr Hirn ausgeschaltet hatten, weil sie nicht im normalen Straßenverkehr unterwegs waren, sondern auf einer Rennstrecke. Das ist eine der Hauptursachen für Stürze bei Jedermannrennen, dass manche unerfahrene Teilnehmer, die eigentlich nur eine Art RTF fahren wollen und gar nicht aggressiv, sondern gemütlich unterwegs sind, denken, dass sie allein auf der Fahrbahn sind. Im normalen Straßenverkehr wissen die, dass von hinten schnellere Fahrzeuge kommen - also fahren sie rechts am Fahrbahnrand. Bei Rennen schalten die das Hirn ab und denken nicht mehr an so was (obwohl die StVO mit Rechtsfahrgebot weiterhin gilt!!!). Die bummeln dann mitten in der Fahrbahn rum und von hinten kommt ein Hauptfeld angeschossen. Also auch wenn es im Feld nervöse Fahrer gab, die teilweise übermotiviert waren, so waren es wohl ein paar der gemütlichen Fahrer, die hier das Unheil eingeleitet hatten. Ein Teil des Hauptfeldes wich diesen Fahrern nämlich aus - zur linken Seite hin. Dadurch wurde es urplötzlich super eng und ein Fahrer, der im Feld mit dem Kopf gerade nach links geschaut hatte (wieso auch immer?!?), bemerkte nicht, wie die Fahrer vor ihm rüberzogen, um den zurückgefallenen Fahrern auszuweichen. Und schon war's passiert: Der Fahrer berührte das Hinterrad eines anderen Fahrers und ging zu Boden. Die Folge war ein Massensturz in einem Ausmaß, wie ich ihn eigentlich seit 2007 bei der Bayern-Rundfahrt in Fürth nicht mehr erlebt hatte. Und es war halt so was von unnötig, wenn die langsamen Fahrer doch einfach rechts am Rand gefahren wären. Einfach nur so unnötig...

Das Rennen ging aber trotzdem ganz normal weiter, wie es bei Radrennen eben meistens der Fall ist. Allerdings gab es später noch einen Sturz mit einer sehr schweren Verletzung, wodurch das Rennen abgebrochen wurde. Die Rennleitung hat die Fahrer hier auch optimal vor der Zielkurve auf den Rennabbruch hingewiesen und uns in die Boxengasse geleitet. Sicherlich keine einfache Aufgabe, wenn das nicht von einem Führungsfahrzeug aus geregelt werden kann wie z.B. bei der Tour de France, wo es ja auch, ich glaub, vor zwei Jahren einen Rennabbruch auf einer Etappe gab, weil nach zwei Massenstürzen alle Ärzte/Krankenwagen schon beschäftigt waren und das Fahrerfeld nicht ohne medizinische Erstversorgung unterwegs sein durfte. Mit den vielen eifrigen Helfern hat die Rennleitung am Hockenheimring das aber gut gehandhabt. Auch beim Massensturz auf Start/Ziel wurden die nachfolgenden Fahrergruppen gut eingebremst. Die Rennleitung hat die Sturzsituationen also gut gehandhabt, wie ich finde. Schade ist halt nur, dass man die langsamen Fahrer, die ständig überrundet wurden und jedesmal für Gefahr sorgten, nicht in den Griff bekam. Bei einem Rundstreckenrennen muss man die Leute dann eben doch mal aus Sicherheitsgründen bei einer Überrundung aus dem Rennen nehmen. Und wenn diese Fahrer dann in Zukunft nicht mehr am Start stehen, ist das halt so. Auf wirtschaftlichen Gründen schlecht für den Veranstalter, aber aus Fahrersicht wünschenswert. Oder der Veranstalter bekommt es halt hin, dass diese Fahrer vernünftig am Fahrbahnrand fahren. In der Form, wie das Rennen momentan abläuft, sind Sturzsituation nur vorprogrammiert...

Okay, wir standen dann eine Stunde in der Boxengasse, wobei die Durchsagen der Rennleitung nur schwer zu verstehen waren. Das lag aber nicht an der Rennleitung oder Qualität der Lautsprecher, sondern daran, dass die meisten Fahrer schlicht und ergreifend wohl lieber in einem Wirtshaus gewesen wären. Absolut unverständlich, dass man sich in der Situation nicht für Durchsagen der Rennleitung interessiert, wenn man dort mit einem Rennrad rumsteht. Aber irgendwann bekam man dann doch mit, dass es einen Neustart über eine verkürzte Distanz geben würde...

In der Zwischenzeit gab es leider auch Regen, wodurch es beim Vorstart schon mal viel zischte - man ließ Reifendruck ab. Ich selbst bin ja bei Regen in den Kurven wie auf rohen Eiern unterwegs, zumindest meistens, aber seit ich die Sache mit dem geringeren Reifendruck herausgefunden habe, scheine ich mich an diese Bedingungen doch langsam zu gewöhnen. Es ging recht unproblematisch, das Feld war auch nicht mehr so nervös (außer immer dann, wenn man auf langsame Fahrer auffuhr, die weiterhin MITTEN IN DER MITTE rumgurkten statt am Fahrbahnrand). Ein gewisser ehemaliger deutscher Profimeister nahm dann mal wie zu erwarten Maß und das Feld ließ ihn gewähren. Meine Entschlossenheit ließ somit nach und ich vergeigte dann die Zielankunft, weil ich für Platz 2 einfach nichts riskieren wollte. Ich arbeitete mich nicht rechtzeitig vor und fuhr dann auch zu Beginn der Zielgeraden auf einen sich ausbreitenden "Fächer" auf, der fast die komplette Fahrbahn dicht machte (was bei der Breite auch ein Kunststück ist!). Also nahm ich nochmal raus, um den langsamen Fahrern vor mir nicht ins Hinterrad zu fahren, fand dann kurz vorm Ziel aber doch noch eine kleine Lücke auf der rechten Seite und trat dann für wenige Meter doch nochmal etwas an, aber richtig zum Sprinten kam ich auch nicht mehr, weil wir dann schon im Ziel waren.

Naja, wenigstens heil durchgekommen, den Hockenheimring meiner Sammlung hinzugefügt und auch bei Regen noch einen 43er-Schnitt hinbekommen - von so einem Schnitt bei nasser Fahrbahn bin ich bisher meilenweit entfernt gewesen. Man muss also trotz aller negativen Ereignisse auch festhalten, dass es ebenso positive Dinge gab. Ich habe gute Rennkilometer gesammelt und habe vor allem für Rennen bei Regen etwas mehr Sicherheit gewonnen. Was die Positionierung bei Sprintankünften anbelangt, so habe ich eher wieder einen Schritt zurück gemacht. Das ist einfach dieses unnütze "Talent" dafür, dass ich mich bei Sprintankünften ständig einbauen lasse. Ich lerne es einfach nicht. Und Platz 16 war es übrigens. Komisch, im Video sehe ich nur 12 Fahrer vor mir ins Ziel fahren, aber die Transponder lügen ja nicht, oder?!? Aber ob Platz 13 oder 16, das ist ja dann auch schon egal. Die Top Ten hätte ich mir im Vorfeld schon gewünscht, die habe ich so oder so klar verfehlt.

Uff, kein Bock auf Spellcheck, es gab vom gestrigen Tag viele Eindrücke zu verarbeiten. Hier ist übrigens noch das Video, von dem ich gesprochen habe:


Hockenheimring (Jedermannrennen 2017 - 60 km) von EyTschej

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