Disclaimer - wenn man so will

In meinem Sport-Blog schreibe ich über meine Sporterlebnisse teilweise ernsthaft, teilweise aber auch mit überspitztem Humor - den Unterschied sollte man erkennen, wenn man mich persönlich kennt ;) Generell gilt: Wer die Dinge, die ich hier schreibe, zu ernst nimmt, ist selbst schuld ;)

Team 2019

Team 2019

2019 fahre ich Lizenzrennen für RMV Concordia Strullendorf 1920 e.V. und ausgewählte Jedermannrennen

Dienstag, 14. Januar 2014

Winter-Lästern #2 - Radsport im Verein

So, nachdem ich mich vor mehreren Wochen mal über die ganze Sache mit Vereinssport in diesem unseren Lande ausgelassen hatte, ganz allgemein und mit reichlich wenig Lästerei zu Fußballvereinen (die einfach am meisten richtig machen), will ich heute mal die Vereinslandschaft im Radsport ins Scheinwerferlicht rücken. Und zwar NUR den Vereinssport - Jedermann-Teams bekommen ihren eigenen Läster-Beitrag. ;)

Rückblende nach 2005: Ich hatte mich an das Vereinswesen ja schon gewöhnt, wie ich bei "Winter-Lästern #1" geschrieben hatte. Als ich mir 2005 ein Rennrad gekauft hatte, wollte ich kurz darauf auch schon Rennen fahren. Mein erster Gedanke war also: Ich muss mal nach einem Radsportverein in der Nähe suchen. Das half aber nichts. Ich fand zwar schnell die Seite des bayrischen Radsportverbandes, aber Vereine, die im Straßenradsport aktiv sind, fand ich hier eigentlich nur einen einzigen - das war nicht viel. Die hatten auch eine Website und ich überlegte mir, wen ich am besten für ein paar erste Infos anschreiben könnte. Bei "Infos" dachte ich mir, dass Pressewart evtl. richtig wäre. War wohl ein Denkfehler, denn meine Mail blieb unbeantwortet. Und da haben wir schon ein erstes Übel bei Radsportvereinen: Sie nutzen die heutige Möglichkeit der ersten Kontaktaufnahme übers Internet entweder noch gar nicht oder zumindest nicht richtig. Die Lösung wäre einfach, dass man eine Website hätte, auf der klipp und klar stehen würde: "Infos für Einsteiger - Kontakt per E-Mail an X" - man sollte einfach eine möglichst direkte Kontaktmöglichkeit einbauen.

Naja, nachdem das nicht geklappt hatte, ich aber sowieso schon ein Hobbyrennen in Altdorf ausgemacht hatte, dachte ich mir: "Altdorf ist gleich um die Ecke, da werden die Leute von diesem Verein aus der Gegend hier ja bestimmt auch vor Ort sein, da kann ich EINFACH das persönliche Gespräch suchen." Ganz so einfach sollte das aber gar nicht sein, denn ich konnte dort weit und breit niemanden von diesem Verein erspähen. Von der Website her war aber dennoch der Eindruck entstanden, dass der Verein im Straßenradsport aktiv wäre. Komisch, komisch. Auch einen Monat später bei einem Rennen in Lauf fand ich niemanden von diesem Verein. Was war da bloß los? Gab es den Verein vielleicht gar nicht mehr?!? Ich suchte ja einen Verein, um Rennen zu fahren - und genau dort hätte ich diesen potenziellen Verein eigentlich auch finden müssen. Was war hier also das Problem? Genau: fehlende Präsenz! Es gibt doch heutzutage bei den Rennen der Vereine auch häufig Startmöglichkeiten für vereinslose Fahrer. Diese vereinslosen Fahrer sind doch alle potenzielle Vereinsmitglieder - wieso bemühen sich die Vereine also nicht durch Präsenz um diese Fahrer?!? Haben die Vereine vielleicht schon zu viele Mitglieder, vor allem zu viele aktive Mitglieder?

Dabei ist es mit dem Werben von vereinslosen Fahrer bei solchen Vereinsrennen ja generell so: Teilnehmende Vereine könnten selbst außerhalb ihrer eigenen Region auf Fahrer treffen, die durchaus aus der eigenen Region kommen und auch einen weiteren Weg zu dem jeweiligen Rennen auf sich genommen haben. Aber vor allem bei Rennen in der eigenen Region könnte man auch bei den Hobby- und Jedermannrennen mal schauen, wer da einen guten Eindruck macht und vielleicht sogar das Potenzial für den Lizenzsport hätte. Ist ja nicht so, dass der Nachwuchs heute massenweise aufs Rennrad steigt, also sollte man auch Quer- und Späteinsteiger versuchen für sich zu gewinnen. Oder etwa nicht? Fahrer, die bei Hobby- und Jedermannrennen an den Start gehen, zeigen ja schon den Willen Rennen zu fahren - und das ist auch für den leistungsorientierten Rennsport (also ab C-Klasse = mit Lizenz) die Grundvoraussetzung. Da kann man noch und nöcher Trainingsweltmeister im Verein haben, die irgendwann mal mittrainiert haben, bei der Sache geblieben sind, vielleicht sogar dem Verein beitreten, aber dann immer nur im Gruppentraining den anderen zeigen wollen, wie toll sie doch Rad fahren können, wenn es um gar nix geht. Will man sein Trikot aber auch im Rennsport weiterhin vertreten haben, sind rennbereite Hobbyfahrer doch eigentlich viel interessanter als der x-te Trainingsweltmeister. Warum also bemühen sich die Vereine nicht mal um diese Fahrer? Dass die aktiven Fahrer nicht an so was denken, wenn sie ein eigenes Rennen fahren, ist ja klar, aber warum sind bei vielen Radsportvereinen denn auch keine Trainer oder einfach nur Betreuer mit dabei? Die könnten auch einen Blick auf so etwas haben.

Ein anderer Punkt bei den Vereinsrennen ist die Sache für die ausrichtenden Vereine: Manche Vereine gängeln die Teilnehmer der Hobbyrennen ja sogar noch mit Klopapier, also irgendwelchen Zetteln, auf denen in nicht gerade selten sehr schlechtem Deutsch geschrieben steht, dass man auf eigene Gefahr teilnimmt. Total überflüssig, weil man als Verein ja sowieso über den Verband versichert ist - falls man die Möglichkeit der temporären Blanko-Versicherungen nutzt, die der Verein jedem Veranstalter anbietet. Aber ich glaube fast, dass das viele ausrichtende Vereine gar nicht mal wissen, dass sie diese Möglichkeit haben. Das Klopapier, das sie uns unterschreiben lassen, hat ja überhaupt keine rechtliche Bedeutung. Dazu müsste der Text in Rechts-Deutsch geschrieben sein und dürfte natürlich nicht so viele Fehler beinhalten, wie ich das speziell bei einem Rennen erleben musste, das ... sagen wir mal ... nicht im Süden Bayerns war. Ist eigenlich wurst, welcher Verein genau einen scheinbar 5-jährigen den Text verfassen lassen hat, aber egal ... ;)

Tatsache ist jedenfalls, dass die ausrichtenden Vereine es falsch machen. Sie sollten den Teilnehmern zwar Zettel in die Hand drücken, aber Zettel mit Infos über den Verein! Website, Trainingszeiten, Ansprechpersonen. Und was man als Verein auch immer dabei haben sollte: ein paar Mitgliedschaftsanträge. Denn in München habe ich das mal erlebt: Ein Hobbyfahrer entschied sich dort von sich aus (!) dem ausrichtenden Verein gleich beizutreten. Das machte der zwischen Anmeldung fürs Hobbyrennen und dem Start des Rennens. Wurde vom Streckensprecher extra so erzählt. Ich selbst wollte damals in Altdorf ja auch wegen eines Vereins suchen. Also die Bereitschaft von Hobbyfahrern zum Vereinsbeitritt ist auf jeden Fall gegeben, nur die Vereine bemühen sich halt nicht. Mein Tipp an jeden ausrichtenden Verein wäre also: Lasst ein paar Handzettel drucken, mehr als 10 wären bei der nicht vorhandenen PR für die Hobbyrennen wohl gar nicht mal nötig, und fragt Hobbyfahrer bei der Anmeldung, ob sie schon in einem Verein sind und ob sie gerne Infos über den ausrichtenden Verein hätten. Wenn nur ein einziger dieser Fahrer dann beim nächsten Gruppentraining am Start ist, hat sich das ganze doch eigentlich schon gelohnt. Man muss die vereinslosen Fahrer auf die Vereine aufmerksam machen - im Rahmen von offiziellen Verbandsrennen wird das seitens der Vereine leider überhaupt nicht getan. Auch die Sache in München war ja nicht der Verdienst des Vereins, sondern ging vom Fahrer aus. Mir ist also kein einziger Verein bekannt, der ein Hobby- oder Jedermannrennen ausgerichtet und sich gleichzeitig um Mitgliederwerbung bemüht hat. Was für ein verschenktes Potenzial ...

2006 wollte ich dann immer noch einem Verein beitreten. Über radsport-forum.de lernte ich einen Fahrer der RSG Lauf kennen und befasste mich mit dem möglichen Vereinsbeitritt dort, denn deren Trikots sah ich regelmäßig bei den Rennen. Aber fast 40 km bis zum Treffpunkt fürs Gruppentraining waren mir dann doch zu weit. Nach einem weiteren Versuch der Kontaktaufnahme per E-Mail kam dann aber doch mal eine Antwort von diesem Verein. Ich nahm an einem Gruppentraining teil und trat dann ab 2007 in den Verein ein, obwohl ich eigentlich schon hätte sehen kommen müssen, dass das nicht zu gemeinsamen Rennstarts führen würde. Immerhin sah ich die Trikots dieses Vereins auch 2006 bei keinem Rennen, doch irgendwie war ich dieser Tatsache gegenüber blind. Ich dachte mir wohl, dass das schon ein paar Fahrer zu Rennteilnahmen motivieren würde, wenn ich bei den Rennen auch schon am Start wäre. "Ach, du fährst dort mit? Naja, dann fahre ich auch mal mit." So in der Art hatte ich mir das vorgestellt, aber das stellte sich als reine Illusion heraus.

Allerdings muss ich zu dieser Illusion sagen: Das ist nicht das Problem dieses einzelnen Vereins, sondern das Problem von Radsportvereinen im allgemeinen! Ich hätte das bei so ziemlich jedem anderen Verein genauso erlebt. Ich wollte Radrennen fahren und wollte das mit Vereinskollegen gemeinsam tun. Das war mein Beweggrund für den Beitritt in einen Radsportverein. Doch genau das fand ich dort nicht. Was ich stattdessen bei Radsportvereinen fand und immer noch finde, ist eine Ablehnung Hobbyfahrern gegenüber. "Das sind doch keine richtigen Rennen, das sind auch keine richtigen Rennfahrer ..." ... und dann gleichzeitig aber auch das Gelästere wegen der Sponsoren, die statt Vereine lieber Jedermann-Teams sponsern: "Die scheiß Jedermänner nehmen dem richtigen Radsport nur die Sponsoren weg ..."

Alles selbstgemachter Bullshit! Die Vereine haben zunehmend weniger Mitglieder - weil sie sich um neue nicht bemühen. Die Vereine haben zunehmend weniger aktive Rennfahrer - weil sie Rennfahrer im Hobbybereich ignorieren und teilweise aktiv verscheuchen. Die Vereine haben zunehmend weniger Sponsoren - weil sie durch zunehmend weniger Mitglieder und weniger aktive Rennfahrer kaum noch bei Rennen präsent sind. Und Sponsoren wollen präsentiert werden. Vereine können das Sponsoren heutzutage immer seltener bieten, Jedermann-Teams bieten Sponsoren aber genau das: Sie sind bei Rennen präsent! Die Trikots mit den Sponsorenlogos werden auf zahlreichen Bildern abgelichtet und sind im Netz zu sehen. DKV, Merkur, Graakjaer, Multipower, Drinkuth & Co - wer konnte mit diesen Namen schon etwas anfangen, bevor sie als Sponsoren im RADSPORT aufgetreten sind? Sie wurden halt repräsentiert. Hätten die gleichen Sponsoren irgendwelche Vereine gesponsert, würde die kein Schwein kennen. Also vielleicht sollten die Vereine mal den Jedermann-Teams etwas über die Schulter schauen und LERNEN - wobei ich denke, dass viele Radsportvereine lernresistent sind. Die wollen gar nicht mit der Zeit gehen und es macht ihnen viel mehr Spaß über die geänderte Radsportlandschaft zu lästern als sich an die geänderten Zeiten anzupassen. Oder vielleicht doch? Welche Radsportvereine dort draußen wollen wieder mehr Mitglieder, aktive Rennfahrer und Sponsoren?

Ein wichtiger Punkt ist aber auch das Engagement - und das ist ja in der Regel "ehrenamtlich", sprich: es bringt einem ja eigentlich nix, wenn man etwas tut. Dennoch gibt es sie dort draußen, die Radsportvereine, die noch etwas tun. Das bezieht sich aber mit sehr wenigen Ausnahmen nicht auf Nachwuchsförderung und Mitgliedergewinnung, sondern auf das Veranstalten von Rennen. Die Vereine, die Rennen veranstalten, beweisen in diesem Punkt hohes Engagement. Das ist alles kein Zuckerschlecken. Aber wenn man sein Engagement "nur" auf das Ausrichten von Rennen beschränkt, ist es eben auch eine Art vergebene Liebesmüh. Ich finde es einfach schade, dass die aufwendige Arbeit dieser Vereine den Vereinen selbst eigentlich nichts bringt. Sie gewinnen kaum neue Mitglieder bzw. aktive Fahrer und sind bei ihren eigenen Rennen dann kaum oder sogar gar nicht im Fahrerfeld vertreten. Dabei fiel mir in den letzten Jahren in Bayern aber auch auf, dass einige wenige Vereine scheinbar sehr viel Aufwand und Geld in das Abwerben von Fahrern anderer Vereine stecken, um selbst ein riesiges, schlagkräftiges Amateur-Team stellen zu können, aber da diese Vereine schon so viel Geld und Arbeit in dieses Abwerben stecken, bleibt dann meist kein Engagement mehr für das Ausrichten eines eigenen Rennens. Man kann als grob sagen: Die ausrichtenden Vereine richten Rennen für diejenigen Vereine aus, die den ausrichtenden Vereinen die Fahrer geklaut haben. Komische Sache, ist aber so. Meine Sympathien sind auf jeden Fall bei den ausrichtenden Vereinen, denn ohne diese Vereine würde es keine Rennen mehr geben. Da könnte andere Vereine noch und nöcher ein starkes Amateur-Team aufbauen, das würde dem Radsport nix bringen, weil diese starken Amateur-Teams dann irgendwann nur noch Rad-Marathons fahren könnten, wenn es keine Rennen mehr gibt. ;)

Es gibt sicherlich noch weitere kleinere Punkte, die man kritisch aufarbeiten könnte, aber Mitglieder- und Sponsorengewinnung sind für einen Verein sicherlich die wichtigsten - und die habe ich hier mal abgearbeitet. Da machen die meisten Vereine einfach eine schlechte Arbeit und arbeiten teilweise gegen sich selbst. Unattraktiv für Breitensportler, unattraktiv für Sponsoren - der Radsport steckt in keiner Krise, nur der Vereinsradsport tut es. Im Jedermannradsport kann man nämlich weiterhin von einem Boom statt von einer Krise sprechen. Mehr dazu ein andermal ...

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