Disclaimer - wenn man so will

In meinem Sport-Blog schreibe ich über meine Sporterlebnisse teilweise ernsthaft, teilweise aber auch mit überspitztem Humor - den Unterschied sollte man erkennen, wenn man mich persönlich kennt ;) Generell gilt: Wer die Dinge, die ich hier schreibe, zu ernst nimmt, ist selbst schuld ;)

Team 2019

Team 2019

2019 fahre ich Lizenzrennen für RMV Concordia Strullendorf 1920 e.V. und ausgewählte Jedermannrennen

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Winter-Lästern #1 - Vereinssport

So, schluss mit lustig: Ich werde den Winter über mal über verschiedene Dinge lästern, die es einfach verdient haben, das man über sie lästert. Unangenehme Wahrheiten - na und? Ich sorge ja nicht für diese unangenehmen Wahrheiten, ich stelle sie nur fest. In Teil 1 widme ich mich mal dem Vereinssport, weil mir dazu neulich mal wieder was auffiel ...

In der DDR hatte man es ja nicht so mit Vereinssport. Ich kann mich nur noch grau daran erinnern, dass ich irgendwie im "Trainingszentrum Geräteturnen" anfing und dann Leichtathletik machte. Das war auch wieder ein "Trainingszentrum" oder so. Keine Ahnung, ob meine Eltern da überhaupt was für mich unterschreiben oder zahlen mussten. Es schien mir recht unkompliziert zu sein - und vor allem zweckmäßig. Man wollte einer Sportart wettkampfmäßig nachgehen - zack, fertig. Es wurde regelmäßiges Training angeboten, über anstehende Wettkämpfe wurde man informiert - alles optimal. Die Sache mit dem Vereinssport im Westen ist dann doch ein ziemlicher Unterschied, muss ich nach all den Jahren einfach sagen - aber kein positiver ...

"Vereinsmeierei" - das ist so ein Schlagwort, das vor allem im Radsport häufig genannt wird, wenn Leute ihren Sport außerhalb eines Vereins betreiben, quasi ganz allein, nur für sich. Man hat keinen Bock auf das, was in einem Verein an Nebenerscheinungen auftritt. Das kann bei den Mitgliedsgebühren schon anfangen, geht über sportartfremde Vereinsveranstaltungen bis hin zur Grüppchenbildung und der üblen Nachrede. Seit die Sache mit der DDR vorbei ist, war ich schon in verschiedensten Sportarten im Verein. Sehen wir uns die doch mal an ...

Fußball: Mein erster Sportverein war ein Fußballverein - der erste von mehreren. "Vereinsmeierei" wird hier groß geschrieben, was mir in den ersten Jahren viele ungewohnte Probleme bereitete, die ich aus den lockeren Sportgemeinschaften in Reichenbach beim Geräteturnen und bei der Leichtathletik nicht kannte. Fußballvereine sind aber dennoch die besten Sportvereine in Deutschland, um das gleich mal vorwegzunehmen. Daher gibt es auch so viele, sie sind einfach breitenkompatibel. Die Mitgliedsgebühren sind relativ niedrig, vor allem für aktive Sportler. Die profitieren nämlich von ganzjährigem Training, das kostenlos ist, sowohl draußen als auch in der Halle. Bei den Spielen wird alles für einen gemacht und die Trikots werden auch kostenlos gewaschen. Anschaffungskosten hat man als Spieler sowieso keine, die Vereine haben stets genügend Trikotsätze für all ihre Mannschaften. Welche Kosten entstehen dann überhaupt neben der Mitgliedschaftsgebühr, die sich bei den Vereinen pi mal Daumen im mittleren zweistelligen Bereich bewegt? Fußballschuhe und Schienbeinschoner muss man in der Regel selbst kaufen. Je nach Verein gibt es aber vielleicht auch Zuschüsse oder sogar komplett kostenlose Schuhe. Bei den Schiris hatten wir vor Jahren mal einen Gastredner von 1860 München, wenn ich mich nicht ganz irre, der davon erzählte, dass die aktiven Schiris der Löwen ihre Fußballschuhe vom Verein umsonst bekommen. Und wohl gemerkt: Es handelt sich bei den Schiris ja nicht um Profi-Schiris, nur weil der Verein im Profi-Bereich aktiv ist. Das sind ganz normale Schiris, die in allen möglichen Klassen pfeifen - vor allem in den unteren, denke ich. Die breite Masse an Schiris pfeift ja eher in den unteren Klassen. Jedenfalls gibt es auch Vereine, wo man die Fußballschuhe komplett umsonst bekommt. Alles in allem lohnt sich eine Vereinsmitgliedschaft für aktive Sportler im Fußballbereich, zumindest finanziell. Das ist wirklich der Wahnsinn, was die zahlreichen Fußballvereine da bieten können. Und auch die Vereinsmeierei lässt sich in den Griff bekommen ...

Leichtathletik: Auch der Leichtathletik blieb ich noch ein paar Jahre treu, aber wäre der Trainer nicht gleichzeitig Schulsportlehrer gewesen, weiß ich nicht, ob wir überhaupt Training gehabt hätten - und eine Trainingsstätte. Trainingspartner eh kaum, denn der Trainer verpackte das Training in eine Art Trainingsangebot der Schule, wo also auch alle Schüler ganz normal mittrainieren konnten. Was Wettkämpfe anbelangte, war man aber doch schon sehr auf sich allein gestellt. Anfangs brachten wir noch kleine Grüppchen zusammen, später war ich dann noch allein bei ein paar Wettkämpfen - aber wirklich allein, ohne Trainer. Das sah ich aber auch teilweise bei anderen Sportlern, dass die ohne Trainer ganz allein am Start waren. Bei einem Wettkampf in Cham gab es aber auch eine Ausnahme: Eine Truppe aus Sachsen. Tja, ex-DDR halt. Dort hat Sport doch noch einen etwas höheren Stellenwert. Das Training in der Schule hatte sich aber nach ein paar Jährchen erledigt und dann war's das. Zumindest in Sulzbach. In Amberg hätte ich wohl weiterhin trainieren können, aber wenn man noch unter 18 und somit ohne Auto ist, dann nützt einem ein Verein in einer anderen Stadt irgendwie nicht wirklich so viel. Unterm Strich brauchte man die Vereinsmitgliedschaft nur für seinen Starterpass. Ich habe auch nur einen einzigen LA-Verein kennengelernt, der implodierte halt - und fertig. LA-Vereine scheinen mir am Tropf zu hängen und sie sind wohl nur etwas für leistungsorientierte Sportler mit entsprechendem Talent, die es so weit bringen wollen, dass sie vom Verband gefördert werden. Für Freizeitsportler eher kein Thema, nicht breitenkompatibel.

Tennis: Tennis-Vereine sind auch nicht breitenkompatibel, um das vorwegzunehmen - aber die wollen das auch gar nicht sein, habe ich den Eindruck. Mitgliedsbeiträge um die 100 Euronen, kaum Wettkämpfe/Turniere, keine Trainingsmöglichkeit im Winter, im Sommer muss man für Trainingsstunden in der Regel den Vollpreis zahlen, weil die Trainer nicht vom Verein, sondern von Tennis-Schulen sind, keine Zuschüsse zur Ausrüstung, keine Garantie auf einen Spielpartner - und allein geht Tennis halt auch nicht. Bei den Gebühren für Mitgliedschaft und Training ist klar, dass das eigentlich nix für einen Freizeitsportler ist, der nur so nebenbei mal gelegentlich ein bisschen gegen den gelben Filzball dreschen will. Die Tennis-Vereine bewahren sich so aber wohl auch bewusst eine gewisse Exklusivität, damit die vereinseigenen Sandplätze in den Freiluftmonaten nicht überbelegt sind. Eine zu hohe Mitgliederzahl ist also nicht erwünscht, die Kosten für die Instandhaltung der eigenen Tennisanlage müssen also durch die höheren Mitgliedschaftsgebühren reingeholt werden. Wenn man aber in der Liga-Mannschaft des Vereins ist, die im Jahr glaub ... äh ... 5 oder 6 Spiele oder so haben?!? ... dann gibt es doch noch etwas umsonst: ein Mittagessen nach dem Ligaspiel. Also wenn man mal umsonst Mittagessen will, dann sollte man 100 Euro pro Jahr auf das Konto eines Tennis-Vereins überweisen ...

Radsport: Und dann natürlich noch die Radsport-Vereine. Hier wird Vereinsmeierei ganz besonders groß geschrieben. Radsport-Vereine sind generell breitenkompatibel, was man über Tennis- und Leichtathletik-Vereine ja nicht sagen kann, aber sie sind auch sehr selbstzerstörerisch veranlagt. So bemühen sich die meisten Vereine offenbar um weniger Breitenkompatibilität und mehr Exklusivität. Die Mitgliedschaftsgebühren bewegen sich auch vom unteren bis in den oberen zweitstelligen Bereich. Man kann davon ausgehen, dass die Vereine mit den höheren Gebühren eher auf Exklusivität ausgerichtet sind. In diesen Vereinen möchte man idealerweise nur Leistungssportler, die dann auch entsprechend finanzielle Zuschüsse zu ihren Rennstarts erhalten und oftmals auch die komplette Vereinskleidung umsonst, während Hobbysportler - egal ob auf Wettkampfbasis aktiv oder nicht - in der Regel gar keine Unterstützung vom Verein erhalten. Das führt dann auch berechtigterweise zu der Meinung vieler "Jedermänner", dass ihnen eine Vereinsmitgliedschaft nix bringt - und da haben sie Recht! Es wird im Verein zwar regelmäßig Gruppentraining angeboten, was eine Vereinsmitgliedschaft auch für nicht-aktive Wettkampfsportler (RTFler) theoretisch attraktiv und somit breitenkompatibel machen sollte, aber da man an RTFs auch ohne Vereinsmitgliedschaft teilnehmen kann, bleiben auch viele Radtouristiker lieber ohne Verein - oder schließen sich zu vereinslosen Gruppierungen zusammen. Das geschieht vor allem auch im Rennbereich, wo es heutzutage zahlreiche Jedermann-Teams gibt, die meistens vereinslose Gruppierungen sind. Vereine gegen Jedermann-Teams - das vielleicht größte Schlachtfeld im deutschen Radsport. Ein Schlachtfeld, das komplett unnötig wäre, wenn die Vereine einfach nur wie auch im Fußball mit der Zeit gehen würden.

Weiter mit dem Radsport: Der Rennbereich ist mittlerweile ein sehr kontroverses Thema. Früher wurden Rennen durch Vereine veranstaltet und man musste in der Regel auch Vereinsmitglied sein, um an diesen Rennen teilnehmen zu können. Durch steigende Kosten können sich aber immer weniger Vereine die Durchführung eines Rennens leisten. Aus für die Fahrer attraktiven Straßenrennen werden zuschauerfreundlichere und kostengünstigere Kriteriumsrennen - die berüchtigten Karussellfahrten auf 1-km-Rundkursen. Das ist okay für Leistungssportler, die sich jeden Herausforderungen stellen, aber wenn man eher als Hobbysportler unterwegs ist, dann möchte man eben doch nicht ständig nur im Kreis fahren müssen. Und da gibt es heutzutage fast nur noch Angebote in Form von kommerziellen Jedermannrennen, die nicht von Vereinen, sondern von Event-Unternehmen durchgeführt werden. Das beinhaltet höhere Startgebühren für die Sportler, aber die Zahlen geben dem Konzept auch Recht: Für ein "richtiges" Straßenrennen zahlen Hobbysportler einfach gerne etwas mehr als für eine "Karussellfahrt". Und für die Teilnahme an diesen Jedermannrennen ist keine Vereinsmitgliedschaft nötig. Wäre auch überflüssig, weil die meisten Vereine für die Teilnahme an solchen Rennen keine Zuschüsse bieten. Die Startgebühren für diese Rennen sind so hoch, wieso sollte man da als Hobbysportler auch noch eine Vereinsmitgliedschaft für null Unterstützung bei der Ausübung seines Hobbys zahlen?

Wie reagieren die Vereine im Radsport? Sie lästern! Also das, was ich jetzt auch gerade mache. "Böse Jedermänner" - hallo, liebe Vereine: Diese bösen Jedermänner sind alle potenzielle zahlende Vereinsmitglieder! Die Vereine sollten mal mit der Zeit gehen. Auch Rennsport ist mittlerweile Breitensport. Die sinkende Zahl von Leistungssportlern erklärt sich u.a. auch dadurch. Wenn man es nicht in die höchste deutsche Leistungsklasse oder gar in ein Profi-Team schaffen will, dann kann man eben auch bei Breitensport-Rennen seinen Spaß haben. Diesen Spaß haben mittlerweile auch viele Radsportler, die aber alle in keinem Verein sind. Das sind Mitgliedschaftsgebühren, die den Vereinen sehr wohl fehlen! Aber da sind die Vereine halt selbst dran schuld, weil sie weiterhin nur sagen: hopp oder topp - Lizenzrennen oder keine Unterstützung. Und die bösen Jedermann-Teams nehmen den Vereinen zudem auch noch die Sponsoren weg - was natürlich Blödsinn ist. Die Sponsoren sponsern dort, wo sie die meiste Gegenleistung erwarten können. Es geht um Präsenz. Es gibt keinen Sponsorenmangel im Radsport, aber viele Vereine vergraulen die Sponsoren genauso wie sie Breitensportler vergraulen. Statt über Jedermann-Teams zu lästern sollte man sich mal ansehen, wieso die für Sponsoren attraktiver sind. Statt Jedermann-Fahrer abzulehnen, sollte man ihnen eine Vereinsmitgliedschaft schmackhaft machen. Sponsoren und Mitglieder - davon gibt es eine ganze Menge, die Vereine müssten das nur mal erkennen und zugreifen! Sie sind aber einfach nicht anpassungsfähig genug. Die Radsport-Landschaft hat sich in den vergangenen Jahren gravierend verändert und wer sich nicht ebenfalls verändert, der geht eben vor die Hunde. Statt zu lästern, sollte man also mal im Jedermannbereich zusehen, lernen und nachmachen. Tut man das nicht, gibt es bald keine Vereinsmeierei mehr im Radsport - weil es keine Vereine mehr geben wird. Stattdessen nur noch Event-Unternehmen, die teure Jedermannrennen anbieten, an denen Einzelfahrer und vereinslose Jedermann-Teams teilnehmen. Soli Dachau ist nächstes Jahr mit einem Jedermann-Team am Start, das schon jetzt für mehr Medienpräsenz gesorgt hat als die Lizenzfahrer des Vereins in den letzten 5 oder 10 Jahren - und daher findet man auch Sponsoren für die Sportler in diesem Team. So was hat Zukunft ...

Ergo: Fußballvereine bieten Mitgliedern wirklich eine ganze Menge, weshalb es kaum noch vereinslose Hobbymannschaften gibt. Radsportvereine hingegen sind sturrköpfig und wollen einfach die Zeichen der Zeit nicht erkennen, weshalb sie akut vom Aussterben bedroht sind ...

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