Disclaimer - wenn man so will

In meinem Sport-Blog schreibe ich über meine Sporterlebnisse teilweise ernsthaft, teilweise aber auch mit überspitztem Humor - den Unterschied sollte man erkennen, wenn man mich persönlich kennt ;) Generell gilt: Wer die Dinge, die ich hier schreibe, zu ernst nimmt, ist selbst schuld ;)

Teams 2018

Team 2018

2018 fahre ich Lizenzrennen für RMV Concordia Strullendorf 1920 e.V. und ausgewählte Jedermannrennen

Donnerstag, 9. Juni 2016

Bericht Schleiz und Video Sonneberg

Öh ... hab mal auf Dailymotion 'n Video vom Lizenzrennen in Sonneberg hochgeschoben (Achtung, es folgt ein LINK - wer nicht weiß, was ein Link ist, sollte ihn NICHT anklicken und auch generell NICHT im Internet unterwegs sein):

Sonnebergpreis 2016 (KT/AB/C/U19) (Radrennen)

Und letzten Sonntag war es auch endlich so weit: Das erste Rennen, das ich mit dem Trainingsplan nach Friel gezielt angesteuert hatte - die Mitteldistanz in Schleiz! 85,5 km auf und ab, aber nicht so heftig wie in Sonneberg. Dabei eine Parallele zwischen diesen beiden Rennen vorweg: Der Zweitplatzierte der C-Klasse in Sonneberg war auch der Zweitplatzierte auf der Mitteldistanz in Schleiz! Das wär's aber auch schon fast an Parallelen, denn während wir in Sonneberg mit den KT/AB-Fahrern und U19-Leuten nur um die 100 Starter waren, wobei in der C-Klasse 55 Fahrer am Start waren, standen in Schleiz über 200 Teilnehmer am Start - und zwar schon sehr früh! 9 Uhr war der Start der Langdistanz, keine 5 Minuten später standen schon gefühlte 100 Fahrer der Mitteldistanz in der Startaufstellung. Verrückt! Da ich eh schon weit genug hinten stehen würde, beließ ich es bei 5 Minuten lockeren Einkullerns und begab mich eben auch zu einem halben Kaltstart.

Im Vorjahr kannte man ja wenigstens noch die Fahrer des Freistaat-Teams, das diesmal "M.I.A." war (???), aber dieses Jahr war die Einschätzung der Konkurrenz und des Leistungsniveau gänzlich unmöglich. Also galt die Konzentration auf die eigene Rennstrategie, die aber durch die Startposition irgendwo um Position 100+ herum schon vor dem Start ihren ersten Knacks hatte. "Möglichst weit vorn starten", wollte ich. Vom Start weg ging es also wieder darum, dass man sich vorarbeitete. Bis zu Beginn der Abfahrt ging das auch noch recht gut, dann war das Renntempo etwas zu niedrig, um geeignete Lücken zum Überholen zu finden. An der zweiten Steigung, die uns nach Oberböhmsdorf führte, konnte ich dann aber noch einige Positionen gutmachen. Als wir dann links in den kurvenreichen "Kriteriumssektor" abbogen, hatte ich plötzlich Tilman vor mir. Komisch, der gute Tilman war in der Startaufstellung doch gefühlte 50-60 Positionen vor mir gestartet? Wie weit war es also noch bis zur Spitze, die ich optisch noch nicht erkennen konnte? Ich schien aber generell schon weit nach vorne gelangt zu sein, dachte ich.

In der B94-Steigung entschied ich mich dann für die rechte Seite, weil der leichte Wind von der linken Seite kam. Spoiler-Alert: Es war die falsche Seitenwahl! Überholen war nur auf der linken Seite möglich, wodurch ich leider keine Positionen gutmachen konnte, was von den Beinen her aber möglich gewesen wäre! Manchmal musste ich sogar ein paar Tritte auslassen, weil das Tempo vor mir einbrach. Aber ich war halt komplett eingebaut. Als es dann hinter Kirschkau auf die schmale Straße durch den Wald ging, musste ich ebenfalls eher bremsen statt rollen lassen zu können, weil das Tempo im Feld einfach zu niedrig war. Zu zweit, teilweise zu dritt fuhren die Fahrer hier noch nebeneinander, was bei dem kurvigen Verlauf dieser engen Straße einfach schlecht ist. Als es dann in den "dunklen Wald" ging, war es wie letztes Jahr noch etwas nass. Letztes Jahr rutschte mir deswegen ja zwei Mal das Hinterrad weg, weshalb ich in Sachen Material und Mentalität schon entsprechend vorbereitet war, um hier gut durchzukommen. Das gelang mir auch, aber das lag auch daran, dass es hier auf der Langdistanz mächtig gescheppert hatte! Helfer schrien uns zu, dass wir langsam fahren sollten. Es standen auch Fahrzeuge der Helfer am Rand. Die Fahrer vor mir schienen die Fahrweise der gefährlichen Situation auch anzupassen. Kurz vorm nächsten Dorf fuhren wir dann noch mit gemäßigtem Tempo am letzten Krankenwagen, da hatte ich erstmals seit mehreren Kilometern mal wieder ein bisschen Überblick über die Rennsituation vor mir - und die sah nicht gerade sportlich fair aus: An der Spitze des Feldes muss man trotz der gefährlichen Situation und der Warnhinweise zu langsamen Tempo voll aufs Gas gedrückt haben. Ich sah eine Einerreihe, die schon mehrere Löcher hatte.

Da konnte man jetzt aber nicht viel tun, zumal wir uns in der langen wellig ansteigenden Passage nach Dittersdorf befanden. Da war also eh nicht viel mit Windschatten und Ranrollen in der Gruppe, da ging es nur um die Beinkraft in den Steigungen. Und mit der war ich schon am Limit, also war nicht daran zu denken, dass ich nochmal Anschluss an die Spitze finden würde. Stattdessen fuhren in der Steigung einige langsame, zurückfallende Fahrer auf der linken Seite - einer davon zog erst kurz vor mir zur linken Seite, wodurch ich dann erstmal bremsen musste. Immer wieder schön, wenn man bergauf bremsen muss. Herrlich! An den anderen Fahrern konnte ich noch vorbeisteuern. Als ich meinerseits vor zig Jahren mit Rennen anfing, habe ich schnell gelernt, dass man also langsamer Fahrer idealerweise rechts fährt - und zwar GANZ rechts. GANZ links wäre auch okay, aber die Tür scheinbar offenzulassen, aber dann rüberzueiern - das ist ein NO GO!!! So kann und sollte man in einem Rennfahrerfeld einfach nicht fahren. Solche Situationen haben schon zu den unnötigsten Stürzen geführt. Wobei wichtiger als die Wahl der Fahrlinie noch ist, dass man die gewählte Fahrlinie beibehält. Das Rumeiern ist halt das große Problem...

Egal. Der Schwung war weg, ich musste nochmal richtig beißen, um wieder Fahrt aufzunehmen und wenigstens den Anschluss an die Gruppe zu halten, in der ich mich nunmal befand, als das Loch zur Spitze entstand. Kurz vor Dittersdorf kam dann aber ein ähnlicher Einbruch wie im letzten Jahr. Die gleiche Stelle, meine Fresse! Im Gegensatz zum Vorjahr konnte ich mich aber schneller fangen und dann 2,5 km allein im Wind gut genug drücken, um wieder an die Gruppe ranzufahren. Puh! Danach musste ich erst mal wieder Kraft sammeln, was auch nicht so leicht war, weil die Gruppe sehr unharmonisch lief. Immer wieder wurde das Tempo von einigen Fahrern angerissen, wodurch einfach keine gleichmäßige Nachführarbeit entstehen konnte.

Am Ende der 1. Runde hatten wir dann 4 Minuten Rückstand auf die Spitze, aber nur wenige Sekunden zu einer Gruppe mit ungefähr 10 Fahrern. In der Abfahrt aus Oberböhmsdorf heraus machte ich dann etwas Druck und konnte am Ende der Abfahrt in die Gruppe reinfahren. Wir waren jetzt mit insgesamt über 20 Fahrern untwerwegs - eine wirklich gute Größe, um auch die zweite Runde gut bewältigen zu können! Die unharmonische Fahrweise nahm aber kein Ende, weshalb ich zwischendurch auch mal wieder etwas am Einknicken war, aber das ging scheinbar den meisten Fahrer in der Gruppe so. Wir blieben also größtenteils zusammen und fuhren dann zur letzten Steigung des Tages. Kurz vor Beginn der Steigung konnte ich mich dann ausnahmsweise mal richtig positionieren und fuhr an dritter Stelle in die Steigung, wo ich aber gleich in die Führungsposition fuhr, um den noch vorhandenen Schwung mitzunehmen. Danach wunderte es mich etwas, dass einfach niemand an mir vorbeifuhr. Oben hatte ich dann mit einem weiteren Fahrer ein paar Meter Vorsprung und wir versuchten weiter zu drücken, aber bei Verlassen des Waldes war die Gruppe wieder zusammen. Einige Fahrer attackierten jetzt, ich fuhr ganz rechts und wartete noch etwas ab - da knallte mir plötzlich ein Fahrer von links an den Lenker, der den angreifenden Fahrern nachsteigen wollte, es dabei aber ähnlich wie ein Profi im Massensprint mit der engen Fahrweise übertrieb. Die ganze Fahrbahn war frei, nur ganz rechts war ich halt schon! Sooooo viel Platz. Zum Glück führte die Berührung zu keinem Sturz.

Danach vermasselte ich dann die Kurve am Ende der Zielabfahrt, weil ich einfach viel zu stark bremste. Dennoch rollte alles wieder zusammen, wobei ich dann dummerweise in der Führungsposition war, als es langsam auf die Zielgerade ging. Ich war dann zu ungeduldig und wartete nicht darauf, dass andere Fahrer den Sprint eröffneten. Die Beine waren schon sehr müde und das Finish war suboptimal, aber ich wurde immerhin noch Vierter aus unserer Gruppe heraus. Bei fast 20 Fahrern, die wir wohl noch waren, ist das schon okay, denke ich. 35,7 km/h und eine Fahrzeit von unter 2,5 Stunden waren auch toll. Ich hatte mich im Vergleich zum Vorjahr um 14 Minuten gesteigert - eine Steigerung, die sicherlich einmalig bleiben wird. So viele Minuten kann ich bei diesem Rennen auf gar keinen Fall nochmal gutmachen. Aufgrund der fehlenden Rennübersicht in der 1. Runde, wusste ich aber eben auch nicht, wie viele Fahrer genau vorne weg waren. Ich hoffte im Ziel noch auf eine Platzierung um Platz 20 herum (im letzten Jahr wäre ich mit der Zeit auf Platz 27 gelandet), aber dann sah ich, dass ich nur auf Platz 42 war. Aber okay, das war das andere Minimalziel: Top 50.

Alles in allem hat Schleiz wieder viel Spaß gemacht und sich als mein persönlich schönstes Rennen des Jahres weiter etabliert. Auch nächstes Jahr werde ich hier wieder am Start stehen, auch wenn ich dann gerne 5 Kilo weniger auf den Rippen hätte. Und Ziele? Top 50 und unter 2,5 Stunden sind jetzt natürlich keine Ziele mehr, stattdessen setze ich mir jetzt schon eine Zeit unter 2:20 und eine Platzierung unter den ersten 30 zum Ziel. Das Training nach Friel hat auf jeden Fall was gebracht und für nächstes Jahr erhoffe ich mir natürlich eine weitere Steigerung. So macht Radsport richtig Spaß. :)

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