Disclaimer - wenn man so will

In meinem Sport-Blog schreibe ich über meine Sporterlebnisse teilweise ernsthaft, teilweise aber auch mit überspitztem Humor - den Unterschied sollte man erkennen, wenn man mich persönlich kennt ;) Generell gilt: Wer die Dinge, die ich hier schreibe, zu ernst nimmt, ist selbst schuld ;)

Teams 2018

Team 2018

2018 fahre ich Lizenzrennen für RMV Concordia Strullendorf 1920 e.V. und ausgewählte Jedermannrennen

Montag, 14. September 2015

Bayerische Bergmeisterschaft 2015

Was hat ein Fahrer, der eigentlich ein Hobby-Sprinter ist, bei der bayerischen Bergmeisterschaft verloren? Normalerweise würde sich die Anreise für so etwas nicht lohnen, aber da die Meisterschaft dieses Jahr in Stadtsteinach bei Kulmbach ausgetragen wurde, konnte ich mal eben in einer knappen Stunde rüberfahren. Man darf auch nicht vergessen: Eine Lizenz ist die einzige Möglichkeit, um an Verbandsmeisterschaften teilnehmen zu können. Für Fahrer ohne Lizenz gibt es so was einfach nicht (von der PR-Meisterschaft, die im GCC zwei Jahre "ausgetragen" wurde, mal abgesehen). Bei der Straßen- oder Kriteriumsmeisterschaft würde ich nicht mithalten können, weil die KT-Profis und A-Amateure dort das Niveau bestimmen und man ja normalerweise bei Rückstand zum Hauptfeld ziemlich schnell und gnadenlos aus dem Rennen genommen wird. Die Bergmeisterschaft wurde aber als Bergzeitfahren ausgefahren. In Kombination mit der relativ kurzen Anfahrt (denn eine knappe Stunde ist kurz, wenn man in der Oberpfalz wohnt, wo es ja bekanntermaßen mit dem Straßenradsport-Angebot trauriger als in Thüringen aussieht) verleitete mich das dann zu einem Start.

4,6 km sollten es laut Ausschreibung sein. Online versuchte ich ein Höhenprofil zu erstellen und dachte mir dann, dass das ganz gut machbar sein sollte. Ich vermutete ein ähnliche Steigung wie von Happurg nach Deckersberg. Tja, aber schon beim Besichtigen der Strecke musste ich feststellen, dass man Höhenprofile getrost in die Tonne kippen kann: Ständige Wechsel zwischen steil und flach(er), wobei es die steilen Abschnitte aber so richtig in sich hatten! Drei davon erinnerten mich an den Stöppacher Berg. Steigungswerte von 15-20 % vermute ich mal. An einigen Stellen eher sogar noch mehr, denn bei der Besichtigung rutschte mir im Stehen an drei verschiedenen Stellen das Hinterrad durch! Das habe ich nicht mal am Stöppacher Berg erlebt, wo ich aber größtenteils im Sitzen fuhr. Als es dann drauf an kam, wählte ich daher ebenfalls die Sitzvariante.

Mit dem schwersten Rennrad aller Teilnehmer und eine vollkommen ungeeigneten Übersetzung für solche steile Passagen (39/28) wurde die Sache zu einer einzigen Quälerei, bei der ich glücklicherweise nur durch einen einzigen Fahrer überholt wurde. Der war auch noch A-Fahrer, also war das schon okay. Es muss aber auch erwähnt werden, dass er nicht eine, sondern zwei Minuten hinter mir startete, weil der Fahrer hinter mir nicht am Start war. Aber egal, diese Quälerei bei meinem ALLERERSTEN Bergzeitfahren überhaupt (!) war vor allem auch zum Lernen gedacht. Wenn man noch nie ein BZF gefahren ist, kann man ja nicht gleich davon ausgehen, dass man alles richtig macht. Auf den Sieger verlor ich ungefähr 4 Minuten. Und hier sei übrigens angemerkt, dass der Sieger eigentlich Senioren 2 ist. Er hat sich aber für einen Start bei der Elite entschieden (als Senioren-2-Fahrer darf man das ja, als Senioren-1-Fahrer hat man gar keine andere Wahl), was auch schon eine Woche zuvor der Fall war: Da nahm er nämlich sogar an der DEUTSCHEN Bergmeisterschaft (bzw. Meisterschaft im Bergfahren, also wohl auch ein BZF) teil und wurde Zehnter. Jetzt mag man sich denken, dass da irgendwas faul ist, wenn ein Senioren-2-Fahrer bei der deutschen Meisterschaft im Bergfahren in der Elite auf Platz 10 fährt, aber in seinem rad-net-Profil sieht man auch ganz schnell: Dieser Fahrer hat sich auf solche BZFs spezialisiert. Sonst stehen bei ihm keine Ergebnisse im Profil für 2015. Und diese Spezialisierung hat sich für ihn ja offenbar gelohnt, denn er nahm auch noch den Sonderpokal für den schnellsten Fahrer des Tages in allen Klassen mit.

Für mich selbst war es wie gesagt eine Sache zum Lernen. Nächstes Jahr mit kleinerem kleinen Blatt, einem etwas leichteren Rennrad - und auch mit mehr Klettertraining. Das kam dieses Jahr schließlich viel zu kurz, also wo hätte da auch die großartige Leistung herkommen sollen? 4,6 km BZF - vor dem Start dachte ich noch, dass es Bombe wäre, wenn ich unter 15 Minuten bleiben könnte. Der Sieger hatte fast unter 11 Minuten - insofern war meine grobe Zielsetzung von 15 Minuten ganz realistisch, denke ich. Ungefähr 1 Minute pro Kilometer auf den besten Fahrer zu verlieren - für mich als "Hobby-Sprinter" das normalste auf der Welt, oder? ;) Am Ende brauchte ich aber 15:30 bzw. offiziell 15:29. Durch die zu dicke Übersetzung mit dem kleinen 39er-Blatt und das fehlende Klettertraining sehe ich aber jetzt schon das Verbesserungspotenzial, um nächstes Jahr unter 15 Minuten zu bleiben - falls dann wieder die gleiche Strecke gefahren wird. Denn das BZF gibt es ja jedes Jahr, auch wenn es natürlich nicht jedes Jahr die bayerische Bergmeisterschaft ist. Ich habe aber auch schon von den Teilnehmern gehört, dass die Strecke die letzten Jahre über immer mal wieder geändert wurde. Sollte die Strecke auch 2016 anders sein, sind meine Zeit und Leistung aus diesem Jahr eh nicht für einen (direkten) Vergleich zu gebrauchen. Wobei ich die Leistung eh nicht vergleichen könnte, da mein Pulsmesser zwei Minuten vor dem Start plötzlich ausgestiegen ist...

Für welchen Platz reichte meine bescheidene Zeit nun aber? Einfache Antwort: Platz 11. Ja, wie jetzt?!? Bayerische Bergmeisterschaft? ABC?!? Und der Hobby-Sprinter landet auf Platz 11?!? Tja, ist ja nicht meine Schuld, wenn außer mir nur zehn weitere bayrische Lizenzfahrer in der ABC-Elite-Klasse an den Start gehen. Ich war am Start, ich habe mich ins Ziel gequält - und jetzt steht in meinem Profil auf rad-net schwarz auf weiß ein 11. Platz bei der bayerischen Bergmeisterschaft. "Rechts unter Links" (also hier in der rechten Spalte unter "Einige Links") habe ich jetzt auch mein Profil direkt verlinkt, damit man sich ganz schnell und bequem ansehen kann, dass ich das nicht erfinde. Aber wieso sind überhaupt so wenig Fahrer am Start gewesen?!? Normalerweise sind die Teilnehmerzahlen bei Straßenrennen doch immer besser als bei Kriterien, weil dort die ganzen Fahrer, die "lieber klettern", am Start sind, während sie die Kriterien mehr oder weniger "boykottieren". Wo waren die jetzt? Nicht am Start und daher auch nicht im Ziel. Woran liegt's?

Ich nahm ein bisschen Gelästere wahr, von wegen "nicht mal Online-Meldung" oder "keine Prämien". Also mimimimimi, aber die Online-Meldung gab es vor 10 Jahren generell noch nicht, da war rad-net noch nicht so weit. Dennoch konnten sich die Fahrer damals schon für Rennen anmelden. Und Prämien? Es ist eine bayerische Amateur-Meisterschaft gewesen. Wenn Profis nur aufs Geld sehen, ist das ja normal. Müssen die ja auch, weil die ihren Lebensunterhalt damit verdienen. Aber Amateure? Sollte es da nicht ums Sportliche gehen, ums sportliche Prestige? Der neue bayerische Bergmeister strahlte jedenfalls wie ein Honigkuchenpferd, dem waren die fehlenden Prämien also offenbar egal, dem ging es ums sportliche Prestige. Richtig so! Mir z.B. ging es auch u.a. darum, dass ich auch mal bei einer bayerischen Meisterschaft am Start bin.

"Keine Prämien" ... wieso fahren eigentlich so viele A-Fahrer bei Jedermann-Teams und bleiben absichtlich in der C-Klasse, obwohl sie eben vom Niveau her A-Fahrer sind? Bei Jedermannrennen gibt es schließlich generell NIE (!) Prämien! Diese Fahrer hörten man sich aber nie beschweren, dass es bei einem Rennen keine Prämien gibt und sie deswegen nicht starten würden.

"Keine Prämien" ... wieso überhaupt gab es aber eigentlich keine Prämien? Der Verband schreibt ja den Veranstaltern bei allen bundesoffenen Rennen Mindestprämien vor, egal ob der veranstaltende Verein sich das leiste kann oder nicht. Und wenn er das nicht kann, dann kann er halt kein Rennen veranstalten. Und auch das ist ja Teil des Problems, dass es immer weniger Rennen gibt. Scheint dem Verband aber egal zu sein, der besteht weiterhin auf seine Mindestprämien - bei bundesoffenen Rennen. Landesverbandsoffene Rennen hingegen haben keine vorgeschriebenen Prämien. Derartige Rennen zählen aber auch nicht für die Rangliste und somit auch nicht für den Aufstieg. Das macht diese Rennen dann wieder unattraktiver, weshalb es sich für die Vereine oftmals gar nicht lohnen würde, solche Rennen ohne Mindestprämien zu veranstalten. Da beißt sich die Katze ein bisschen selbst in den Schwanz. Der Verband könnte also bei seinen (!) Meisterschaften die veranstaltenden Vereine finanziell unterstützten, sollte man meinen. Tut er aber nicht, wie mir gesagt wurde. Das erklärt dann aber u.a. auch, warum die Landesverbände immer extra nach Vereinen suchen müssen, die die Meisterschaftsrennen durchführen. Keinerlei Support vom Verband - wieso sollte man sich für so etwas freiwillig melden? Und dann wird noch über den veranstaltenden Verein (!) gelästert, der die ganze Arbeit (!) hat, weil er "keine Prämien" zahlt. Da wird eindeutig auf die falsche Partei geschossen.

In dem ganzen Zusammenhang muss ich auch noch meine Kritik an den veranstaltenden Vereinen zurücknehmen, die Vorüberweisung verlangen. Ich dachte ja, dass die Vereine über den Verband abgesichert sind, wenn Fahrer sich anmelden, dann aber nicht starten und sich auch nicht (mit plausiblem Grund) abmelden. Stichwort: "Reuegeld". Aber Pustekuchen! Dieses Reuegeld, dass bei einem Nicht-Start zu berappen ist, geht nicht an den veranstaltenden Verein, sondern an der Verband! Ja, ihr habt richtig gelesen: Ein veranstaltender Verein hat den Schaden, der Verband, der gar nix für das Rennen getan hat, außer "Ausschreibungsgebühren" vom Veranstalter einzukassieren, hat den Nutzen! Da wundert es mich nicht, dass man so selten in den amtlichen Bekanntmachungen liest, dass Fahrer, die sich nicht abgemeldet haben und nicht gestartet sind, gesperrt wurden und Reuegeld zahlen mussten. Denn ich denke einfach, dass die veranstaltenden Vereine das schlicht und ergreifend nicht an den Verband melden. Wieso denn auch? Der Veranstalter hätte dann nur zusätzliche Arbeit, aber nicht den geringsten Nutzen. Das ist schon der Wahnsinn, wenn man bedenkt, wie viele Fußballvereine noch Gründe finden, um sich über den Fußballverband aufzuregen, aber wenn man mal vergleich, was der Fußballverband für seine Vereine tut und was der Radsportverband für seine Vereine tut, dann würden glaube ich die meisten Fußballvereine den Fußballverband sofort heilig sprechen wollen. Würde man mich fragen, ob ich einen Grund nennen könnte, wieso der Radsport und die Radsportvereine den Radsportverband brauchen, dann würde mir kein einziger Grund einfallen. Echt traurig...

Aber gut, unterm Strich kann das nichts daran ändern, dass ich mich ab sofort als den "Elftplatzierten der bayerischen Bergmeisterschaft 2015" bezeichnen kann und der ATS Kulmbach wieder mal eine optimale Organisation abgeliefert hat. Und soweit ich weiß, gibt es in ganz Bayern keinen anderen Verein, der so viele Wettkämpfe veranstaltet wie der ATS Kulmbach: 14x Dienstagabendserie, 1x offizielles Kriterium, 1x Bergmeisterschaft - und das jedes Jahr. Und wenn die Online-Meldung fehlt oder es keine Prämien gibt, dann ist das doch auch egal. Wenn man Rennen fahren will, dann fährt man halt einfach!

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