Disclaimer - wenn man so will

In meinem Sport-Blog schreibe ich über meine Sporterlebnisse teilweise ernsthaft, teilweise aber auch mit überspitztem Humor - den Unterschied sollte man erkennen, wenn man mich persönlich kennt ;) Generell gilt: Wer die Dinge, die ich hier schreibe, zu ernst nimmt, ist selbst schuld ;)

Team 2019

Team 2019

2019 fahre ich Lizenzrennen für RMV Concordia Strullendorf 1920 e.V. und ausgewählte Jedermannrennen

Montag, 23. Februar 2015

BRV wirbt übertrieben höflich um Lizenzfahrer

Der BRV hat in den letzten Wochen und Monaten an einer Überarbeitung seiner Website gearbeitet. Dabei hat man sich offenbar auch darum bemüht, Nachwuchs und Quereinsteiger für den Lizenzsport zu begeistern. Zumindest wird ganz schön mit dem Zaunpfahl gewunken. Unter folgendem Link gibt es einen eigentlich ganz guten Text zu dem Thema Lizenz:

BRV wirbt für Lizenzsport

Und dieses Werben fällt sehr, sehr höflich aus: "Euch" statt euch" - das heißt, es wird nicht eine Gruppe von Leuten angesprochen, sondern übertrieben höflich eine Einzelperson. "Eure Hoheit" - höflich, höflich. Aber Sarkasmus mal weg: Früher (viiiiiel früher) gab es ja eine Sonderregelung in der deutschen Sprache, dass man eine persönliche Anrede in Briefen (und NUR in Briefen) auch während eines Satzes groß geschrieben hat (Du/Dich). Nach der Rechtschreibreform ist das optional. Man kann in Briefen groß oder klein dutzen. Was man allerdings noch nie konnte, weil es sich nicht unterscheiden ließe, ist das Großschreiben von "euch", wenn man damit eigentlich eine Gruppe von Leuten ansprechen will. Schriftsprache muss eindeutig sein. "Euch" ist eine übertrieben höfliche Anrede einer Einzelperson. Heutzutage verwendet man meistens einfach ein "Sie", das "Euch" ist ja doch eher mittelalterlich angehaucht. Aber gut, Spötter mögen jetzt sagen, dass der Radsportverband doch sowieso noch im Mittelalter lebt...

Abgesehen davon, dass der BRV also ein Problem mit der richtigen Anrede der Zielperson bzw. der Zielgruppe hat, finden sich in dem Text noch weitere sprachliche Fehler. Schade, dass man beim BRV nicht die Zeit hatte, den Text mal eben korrekturzulesen. Es ist ja kein persönlicher Blog, sondern die offizielle Präsenz eines Sportverbandes. Da sollte schon etwas mehr auf die äußere Form geachtet werden, zumal der Text inhaltlich gesehen nämlich wirklich gut ist!

Die heutige Landschaft bei Hobby- und Jedermannrennen wird sehr gut dargelegt. Die total überqualifizierten Fahrer, die überteuerten Startgebühren, der feuchte Händedruck als "Preis" für den Sieger - alles keine erfundene Propaganda, sondern knallharte Fakten, die aber natürlich dennoch als Propaganda verwendet werden. Der Jedermannsport macht es aber auch einfach, dass man mit diesen Fakten Propaganda betreiben kann und nicht extra irgendeine Propaganda erfinden muss. Ich kritisiere ja auch schon lange genug genau diese Fakten.

Dennoch kommt jetzt auch ein "Aaaaaaber", denn bei der Darstellung des Lizenzsports werden die problematischen Fakten einfach verschwiegen. So geht das ja nun auch wieder nicht, da muss ich doch mal eben für ein faires Gleichgewicht sorgen! Und da fällt vor allem der Punkt mit den unterschiedlichen Leistungsklassen auf. Denn auf dem Papier wäre das ja wirklich toll, aber auf der Straße kann man von diesen unterschiedlichen Leistungsklassen nicht mehr viel sehen. Zu Saisonbeginn sind aus diversen Gründen mehrere starke Fahrer noch in den C-Rennen unterwegs, die für ein Tempo sorgen, das viele "echte" C-Fahrer überfordert. Zusmarshausen, Aichach? Ich kann Hobbyfahrern, die eine Lizenz nehmen, von solchen Rennen nur abraten. Die finden viel zu früh im Jahr statt, wo man als Hobbyfahrer noch im Formaufbau ist. Bei diesen Rennen trifft man aber auf Fahrer, die zu dem Zeitpunkt schon weit über 5000 km in den Beinen haben. Einfach nur ein paar erste Rennkilometer sammeln - nein, das kann man vergessen. Und im späteren Verlauf der Saison gibt es dann leider kaum noch C-Rennen. Was nützen also die auf dem Papier existierenden unterschiedlichen Leistungsklassen, wenn man die C-Klasse im Endeffekt nur zu den Jedermannrennen treibt, weil keine C-Rennen angeboten werden?!? Da beißt sich die Katze in den Schwanz. "Echte" C-Fahrer werden quasi dorthin getrieben, von wo der Verband diese Fahrer ja eigentlich "abwerben" will. Wie wäre es also, wenn der Verband hier mal von seiner Seite aus dafür sorgen würde, dass bei der Saisonplanung mit den Vereinen nicht nur die Termine besprochen werden, sondern auch eine gesunde Mischung der Rennklassen thematisiert wird?

Es ist unterm Strich aber sicherlich löblich, dass der Verband angefangen hat, Fahrer aus dem Jedermannbereich für den Lizenzbereich gewinnen zu wollen. Vor einigen Jahren war das ja noch kein Thema, da hat man über den Jedermannbereich nur gelacht und das Leistungsniveau ins Lächerliche gezogen. Aber selbst mit der Nennung der diversen problematischen Fakten im Jedermannbereich wird das kaum gelingen, wenn man nicht mal die Probleme im eigenen Bereich versucht zu beheben. Das "System" mit den unterschiedlichen Leistungsklassen besteht ja nun schon seit etlichen Jahren und ist einer der Hauptgründe, weshalb Hobbyfahrer auf das Lösen einer Lizenz verzichten. Denn das "System" besteht im Endeffekt nur aus drei Buchstaben, die bei den Rennen aber ohne Bedeutung sind, weil alle drei Buchstaben in einen Topf geworfen werden. Ständig "KT/ABC" - und ja, "KT" kommt ja auch noch hinzu. Das sind Profis! Man soll also als Hobbyfahrer eine Lizenz nehmen und dann gegen Profis fahren - wirklich?!? Beim BRV sollte man sich also mal ernsthaft überlegen, wie man mehr C-Rennen anbieten kann - damit der Punkt mit den verschiedenen Leistungsklassen nicht mehr nur auf dem Papier, sondern auch auf der Straße existiert.

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